Airbus-Katastrophe Frankreich stellt Suchflüge über Absturzstelle ein

Dreieinhalb Wochen lang haben sie nach Trümmern und Wrackteilen gesucht - nun ist Schluss: Frankreich hat die von einer Luftwaffenbasis im Senegal aus geführten Überwachungsflüge eingestellt. Die brasilianische Armee setzt ihre Anstrengungen hingegen fort.


Paris - Ende einer nicht immer unproblematischen Zusammenarbeit: Wie die brasilianische Armee mitteilte, erhielt sie eine Erklärung vom Zentrum für die Koordination der Rettungsarbeiten (CCS) in Dakar, der zufolge keine Flugzeuge mehr in die etwa 2000 Kilometer entfernte Absturzregion entsendet werden. Frankreich hatte von einem senegalesischen Luftwaffenstützpunkt aus Maschinen für die Suche nach dem Wrack und den Todesopfern zur Verfügung gestellt.

Von brasilianischer Seite aus dauerten die Suchflüge an, obwohl seit etwa einer Woche keine Leichen mehr gefunden wurden und am Dienstag nur einige kleine Trümmerstücke geborgen werden konnten. In Brasilien stationierte französische Flugzeuge und Helikopter waren weiter an der Suche beteiligt, wie ein Armeesprecher in Paris sagte. Die Suche werde von Brasilien koordiniert.

Der Airbus A330 war am Pfingstmontag auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris über dem offenen Meer abgestürzt. An Bord waren 228 Menschen aus 32 Ländern, unter ihnen 28 Deutsche. Die Unglücksursache ist bislang unklar. Ein Atom-U-Boot und französische Spezialschiffe suchen weiter nach den Flugschreibern der Maschine, die vermutlich in 3000 bis 5000 Metern Tiefe auf dem Meeresboden liegen und noch etwa eine Woche lang Signale aussenden.

Inzwischen sind die drei ersten deutschen Opfer identifiziert worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes und des Bundeskriminalamtes vom Mittwoch handelt es sich um zwei Männer aus Bayern und eine Frau aus Hamburg.

"Die Black Box wurde nicht gefunden"

Die französische Regierung hatte am Dienstag einen Zeitungsbericht von "Le Monde" zurückgewiesen, wonach Schiffe Signale der Black Box von Air-France-Flug 447 empfangen hatten. Französische Militärschiffe hätten in der Absturzgegend Geräusche gehört, sie stammten aber nicht vom Stimmenrekorder oder dem Flugschreiber, sagte eine Assistentin von Verkehrsminister Jean-Louis Borloo: "Die Black Box wurde nicht gefunden."

Die Zeitung "Le Monde" hatte zuvor berichtet, Schiffe hätten Signale der Black Box empfangen. Das von dem französischen Schiff "Pourquoi Pas?" mitgeführte Mini-U-Boot "Nautile" sei am Montag getaucht, um aufgrund eines "sehr schwachen Signals" nach der Black Box zu suchen. Die Zeitung nannte in dem auf ihrer Internet-Seite veröffentlichten Bericht keine Quelle oder andere Einzelheiten.

Der Kapitän des französischen Forschungsschiffs "Pourquoi Pas?", Philippe Guillemet, dementierte den Bericht. "Eine Falschmeldung ist umgelaufen", sagte Guillemet dem Rundfunksender Europe-1. Er wisse nicht, woher die Information komme - und bedauere sehr, dass sie nicht stimme.

"Wir sind immer noch in der Phase der Suche", sagte Guillemet weiter. "Wir empfangen akustische Wellen, aber leider gibt es bisher nichts Handfestes." Man müsse alle Daten analysieren.

jdl/AFP/Reuters/ddp



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