Fotostrecke

Duisburg: Katastrophe bei der Love Parade

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Akten zur Love Parade Polizei hatte offenbar Probleme mit Schichtwechsel

Ein unplanmäßiger Schichtwechsel, Ausfälle bei den Funkgeräten, kaum Vorrangschaltungen für die Handys: Nach SPIEGEL-Informationen hat die Polizeiführung bei der Duisburger Love Parade gravierende Fehler gemacht. Als die Lage eskalierte, waren die Beamten nur eingeschränkt handlungsfähig.

Hamburg - 21 Tote, Hunderte Verletzte und schier endlose Ermittlungen: Rund ein Jahr nach der Katastrophe bei der Duisburger Love Parade wird immer noch nach den Verantwortlichen gesucht. Nun wurde bekannt, dass es zum Zeitpunkt des Unglücks einen verhängnisvollen Schichtwechsel bei der Polizei gegeben haben soll und die Polizeiführung offenbar gravierende Fehler zu verantworten hat. Das geht aus einem mehr als 400 Seiten starken Bericht der Staatsanwaltschaft Duisburg vom Januar 2011 hervor.

Den Ermittlungen zufolge waren für den Zugangsbereich des Partygeländes, wo Besucher zu Zehntausenden durch einen engen Tunnel laufen mussten, lediglich zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei zur Sicherung eingeplant - und diese mussten sich am Nachmittag der Techno-Parade ablösen. Der Schichtwechsel war ursprünglich nicht geplant gewesen, wurde aber notwendig, weil das Düsseldorfer Innenministerium wenige Wochen vor der Love Parade per Erlass bestimmt hatte, die Dienstzeit der eingesetzten Beamten zu begrenzen - auf maximal zwölf Stunden, inklusive An- und Abreise.

Die Änderung des Einsatzbefehls sorgte polizeiintern für scharfe Kritik. Wie aus Aktenvermerken hervorgeht, wurde im Vorfeld wiederholt vor den Konsequenzen eines Schichtwechsels gewarnt. Die geplante Ablösezeit am Nachmittag falle in die "kritische Einsatzphase" der Love Parade, in der man dann nur "eingeschränkt handlungsfähig" wäre. Die Kräfte könnten in dem Gedränge nur unter großen Schwierigkeiten ihren Einsatzort erreichen; für zwei Stunden könne nicht garantiert werden, dass polizeiliche Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt würden.

Genau diese Probleme traten später auch ein: Bereits während des Schichtwechsels eskalierte die Lage im Zugangsbereich, erst mehr als eine Stunde später stoppte die Polizei den ungebremsten Zulauf in den Tunnel.

Zudem hatte die Polizei nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft größere Kommunikationsprobleme als bislang bekannt war. Immer wieder, so erklärten Beamte bei Vernehmungen, seien am Tag der Love Parade ihre Funkgeräte ausgefallen.

Auch mit dem Handynetz habe es große Probleme gegeben. Nur ein "verschwindend geringer" Teil der Polizeihandys, so heißt es in einem Auswertungsvermerk, sei zuvor bei der Bundesnetzagentur für eine Vorrangschaltung angemeldet worden. Diese ermöglicht eine Kommunikation der Polizei auch in überlasteten Netzen.

Das Innenministerium wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern, "um den Erfolg des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht zu gefährden", wie ein Sprecher dem SPIEGEL erklärte.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.