Erdbeben mit mehreren Toten Albanien bekommt internationale Unterstützung

Es war das schwerste Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten: Mindestens 20 Menschen starben, mindestens 600 wurden verletzt. Die Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach Verschütteten.

Rettungskräfte im Einsatz in Thumane
AP

Rettungskräfte im Einsatz in Thumane


Nach einem schweren Erdbeben im Westen Albaniens bekommt das Land internationale Unterstützung. Die Europäische Union (EU) aktivierte ihre Katastrophenhilfe. Such- und Rettungsmannschaften aus Italien, Griechenland und Rumänien seien bereits auf dem Weg in die betroffenen Regionen, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit.

In Tirana, der Hafenstadt Durres und einigen Landgemeinden stürzten nach dem Beben am frühen Morgen Häuser ein. Menschen liefen in Panik auf die Straße. Mindestens 20 Menschen starben, teilte das Verteidigungsministerium mit. Regierungsstellen berichteten von mindestens 600 Verletzten. Unter den Trümmern werden noch viele Menschen vermutet. Die Polizei stellte 1900 Mann ab, um die Suche nach Verschütteten voranzutreiben.

Es war das schwerste Erdbeben seit Jahrzehnten in dem kleinen Balkanland. Die Erschütterung war weithin in der Region zu spüren, so etwa in Nordwestgriechenland, Südserbien und in Teilen Süditaliens.

"Alles wackelte"

Das Institut für Geowissenschaften in Tirana und das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam gaben die Stärke des Bebens mit 6,3 an, die US-Erdbebenwarte (USGS) mit 6,4. Das Epizentrum lag nach albanischen Angaben zehn Kilometer nördlich von Durres und 30 Kilometer westlich von Tirana.

Die Katastrophe ereignete sich gegen 4 Uhr. "Mich riss es aus dem Schlaf, ich wusste nicht, wie mir war, ich spürte, dass sich mein Bett bewegte", sagte ein Mann aus Tirana. "Dann bemerkte ich, dass alles wackelte, dass die Wände knarrten." Mehrere Nachbeben folgten, darunter ein heftigeres um 7 Uhr mit der Stärke 5,5.

Ministerpräsident Edi Rama reiste in die am schwersten betroffene Küstenstadt Durres, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Alle Staatsorgane wurden vom ersten Augenblick an mobilisiert, um jedes Menschenleben zu retten", sagte er. Für Mittwoch sagte Rama einen geplanten Besuch in Berlin bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ab.

Rettungsmannschaften setzten Bagger ein, um die Trümmer der kollabierten Gebäude Schicht für Schicht abzutragen. Ein Katastrophenschutzteam der EU soll den albanischen Behörden bei der Koordinierung der Hilfen zur Seite stehen. Zur Beurteilung der Schäden können die Einsatzkräfte zudem Satellitenbilder des europäischen Copernicus-Dienstes nutzen.

Weiteres Beben in Bosnien-Herzegowina

Ein weiteres Erdbeben der Stärke 5,4 erschütterte um 10.20 Uhr Bosnien-Herzegowina. Sein Epizentrum befand sich 80 Kilometer südlich von Sarajevo, teilte die US-Erdbebenwarte mit. Damit lag es etwa 250 Kilometer entfernt vom Epizentrum des albanischen Bebens. Über Schäden ist noch nichts bekannt.

In Albanien hatte zuletzt im September die Erde gebebt. Bei der Serie schwächerer Erdstöße waren damals mehr als hundert Menschen verletzt und Hunderte Gebäude beschädigt worden. Die Angaben zur Stärke dieser Beben lagen zwischen 4,4 und 5,8. Das Verteidigungsministerium sprach daraufhin vom schwersten Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten.

Der Mittelmeerraum gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen Europas. Albanien ist dort eines von vielen Küstenländern und hat knapp drei Millionen Einwohner.

Im Video: Erdbeben erschüttert Albanien

Hektor Pustina/ AP/ DPA

bbr/dpa



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