Albanien Zahl der Erdbebentoten steigt auf 40

Die Zahl der Todesopfer bei dem schweren Erdbeben in Albanien hat sich auf mindestens 40 erhöht. Hunderte Nachbeben erschweren die Arbeit der Einsatzkräfte.

Einsatzkräfte in Durres: Leichen aus Trümmern geborgen
Gent SHKULLAKU /AFP

Einsatzkräfte in Durres: Leichen aus Trümmern geborgen


Mit jeder Stunde schwindet die Hoffnung, noch Überlebende zu finden: Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben in Albanien ist die Zahl der Todesopfer auf 40 gestiegen. Rettungskräfte hätten in der Nacht zum Donnerstag zehn weitere Leichen aus den Trümmern geborgen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Rund 50 Menschen seien bisher lebend befreit worden, sagte ein Sprecher.

Das Beben der Stärke 6,4 hatte am frühen Dienstagmorgen den Westen Albaniens erschüttert. Am schwersten betroffen waren die Hafenstadt Durres und der nahe gelegene Ort Thumana. Dort stürzten viele Gebäude ein, Dutzende weitere wurden beschädigt. Rund 650 Menschen wurden verletzt.

Mit der Unterstützung von Spürhunden und rund 200 Experten aus ganz Europa suchten Bergungsteams in den Ruinen nach weiteren Verschütteten. Erschwert wurde die Arbeit der Teams durch Hunderte Nachbeben. Am Donnerstag dann wurden die Bergungsarbeiten in Thumana eingestellt. Nach dem Fund von 20 Leichen werde dort niemand mehr vermisst, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Skala der Erschütterungsstärken von Erdbeben
Unterschied zur Richterskala
Die Skala der Erschütterungsstärken beziehen sich NICHT auf die RICHTERSKALA, SONDERN auf die zwölfstufige INTENSITÄTEN-SKALA. Die Richterskala ist ein Maß für die bei Erdbeben freigesetzte Energie. Die Intensitäten-Skala hingegen beschreibt die Einwirkung der seismischen Wellen auf Gegenstände - die Werte werden kleiner mit der Entfernung zum Bebenherd. Intensität 9 entspricht ungefähr einem Beben der Stärke 6,5 auf der Richterskala, das in der Nähe stattfindet. Das Japan-Beben hatte die Stärke 9, was Erschütterungen der Stärke 12 zufolge hatte.
I - Nicht gespürt
Keinerlei Wahrnehmungen durch Menschen.
II - Sehr selten gespürt
Nur von sehr wenigen Personen (< ein Prozent) in Ruhe und in sehr empfindlicher Position innerhalb von Gebäuden wahrgenommen.
III - Schwach
Von wenigen Personen in Gebäuden wahrgenommen als leichtes Schwingen oder Vibrieren.
IV - Weitgehend beobachtet
In Gebäuden von vielen, im Freien aber nur von sehr wenigen Personen wahrgenommen; einige wachen auf; leichtes Schwingen oder Vibrieren von Gebäuden, Möbel, etc., Rütteln von Fenstern und Türen, Knarren von Balken; hängende Objekte schwingen.
V - Stark
In Gebäuden von den meisten und im Freien von einigen wahrgenommen; einige rennen erschrocken ins Freie, viele Schlafende erwachen; starke Erschütterungen des ganzen Gebäudes, Raums und von Möbeln; hängende Objekte schwingen erheblich, labil aufgestellte können sich verschieben oder fallen um; Flüssigkeiten schwingen und können überschwappen, Türen und Fenster können auf- und zuschlagen; wenige Gebäude schlechter Bausubstanz können leichte Schäden aufweisen.
VI - Geringe Schäden
Viele Leute rennen verängstigt ins Freie. Einige Objekte fallen um, Möbel können rutschen. Viele Häuser erleiden geringe Schäden wie Haarrisse oder Abfallen kleiner Putzflächen.
VII - Schäden
Die meisten Leute rennen verängstigt ins Freie. Möbel können verrückt und viele Gegenstände aus Regalen geworfen werden. Viele gut gebaute gewöhnliche Bauten erleiden mäßige Schäden wie kleine Risse in Wänden, Abfallen von Putz, Abbrechen von Schornsteinteilen. Bei älteren Gebäuden können größere Risse in Wänden auftreten; nichttragende Wände können einstürzen.
VIII - Starke Schäden
Viele Leute haben Schwierigkeiten stehenzubleiben. Viele Häuser weisen große Risse in den Wänden auf. Einige gut gebaute, normale Bauten zeigen ernsthafte Versagensschäden von Wänden. Schwache ältere Gebäude können einstürzen.
IX - Zerstörend
Allgemeine Panik. Viele schwache Konstruktionen stürzen ein. Sogar gut gebaute, normale Bauten zeigen sehr schwere Schäden, z.B. schwerwiegendes Versagen von Wänden und teilweise auch strukturelles Versagen.
X - Stark zerstörend
Viele normale Bauwerke stürzen ein.
XI - Verwüstend
Die meisten gut gebauten, normalen Bauwerke stürzen ein, sogar einige mit guter, erdbebensicherer Bauweise werden zerstört.
XII - Totale Zerstörung
Alle Gebäude schlechter bis mittelguter Bausubstanz und die meisten mit guter Bausubstanz (holz-, stahl- oder stahlbetonverstärkt) werden zerstört. Maximale Schäden und Landschaftsveränderungen.

In Durres fanden die Einsatzkräfte unter den Trümmern eines sechsstöckigen Gebäudes die eng umschlungenen Leichen einer Mutter und ihres Sohnes. Damit sei die gesamte Familie dem Beben zum Opfer gefallen, sagte ein albanischer Helfer. Nach seinen Angaben waren am Vortag bereits Vater und Tochter tot geborgen worden.

Eine Frau, deren Schreie noch am Dienstag aus den Trümmern eines weiteren eingestürzten Hauses zu hören gewesen waren, wurde inzwischen zwar lebend befreit, starb aber kurz darauf im Krankenhaus. Ihr totes Kind hatte die gesamte Zeit neben ihr gelegen.

Die Regierung in Tirana hatte am Vortag für die beiden Orte einen 30-tägigen Notstand erklärt. Tausende Menschen, die in Durres bislang in Zelten ausharren mussten, wurden in der Nacht zum Donnerstag in Hotels und einem Sportzentrum untergebracht.

Einige von ihnen können möglicherweise schon bald in ihre Wohnungen zurückkehren, sobald die Sicherheitskontrollen abgeschlossen sind. Den anderen versprach Regierungschef Edi Rama, dass sie noch im nächsten Jahr in neue Wohnungen umsiedeln können. In Albanien, einem der ärmsten Länder Europas, wird häufig illegal gebaut - und oftmals ohne Rücksicht auf die Sicherheit der Gebäude.

wit/dpa/AFP



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