Alkoholkonsum Deutsche trinken mehr Rotwein, weniger Bier

Toskana und Costa Brava lassen grüßen: Rotwein ist der Renner bei den Deutschen. Der Bierkonsum hingegen ist um 2,6 Prozent zurückgegangen.


Berlin - Die Deutschen lassen das Bier öfter mal stehen und greifen lieber zu einem Glas Wein. Während es bei fast allen alkoholischen Getränken im ersten Halbjahr 1999 einen Umsatzrückgang gegeben habe, sei Wein mehr gefragt gewesen, teilte das Deutsche Weininstitut (DWI) am Freitag in Berlin mit. "Immer mehr Menschen lernen ein Glas guten Weins zu genießen", sagte DWI-Geschäftsführer Armin Göring. Ungebrochen sei dabei der Trend zum Rotwein, der 1998 erstmals begehrter war als Weißwein.

Bier: Deutsche trinken weniger
DPA

Bier: Deutsche trinken weniger

Laut DWI tranken die Deutschen in den ersten sechs Monaten 1999 durchschnittlich etwa fünf Liter oder 2,6 Prozent weniger Bier als im Vorjahreszeitraum. Dagegen stieg der Absatz von Wein um 0,6 Prozent. Pro Kopf werden jetzt durchschnittlich rund 18 Liter im Jahr getrunken.

"Wein ist ein Wachstumsmarkt", sagte Dirk Haupt von der Wein-Forschungsanstalt Geisenheim. Dies hätten allerdings auch die Winzer im Ausland erkannt. Während noch 1993 fast zwei Drittel der Deutschen den Wein aus der Heimat tranken, sei jetzt mehr ausländischer Wein (51 Prozent) gefragt. Ein Grund dafür sei die Reiselust der Deutschen. Vor allem am Mittelmeer würden regionale Weine getestet und dann zu Hause wieder gekauft. Spanische Produkte seien deshalb häufig in den Supermarktregalen zu finden. Damit erkläre sich auch die zunehmende Lust auf Rotwein, sagte Haupt. Auf diesen Trend hätten sich aber die deutschen Winzer mittlerweile eingestellt. So hat sich dem DWI zufolge die Anbaufläche für Rotwein-Reben in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt.

Dem Jahrgang 99 aus deutschen Anbaugebieten bescheinigen die Experten "milde, harmonisch eingebundene Säure". Der heiße Sommer und nach Regentagen im Herbst ein goldener Oktober hätten die Geduld belohnt und gerade bei spät reifenden Sorten wie dem Riesling wunderbare Weine gebracht, berichtete die deutsche Weinkönigin, die Winzerin und Weinbauingenieurin Simone Renth. Auch Beerenauslesen und Eisweine waren 1999 drin. Von den Weißen sind viele schon trinkreif. Der Rote erfreut die Winzer mit guter Farbe.

Allerdings wächst auch die Konkurrenz aus Übersee. Nach einer Studie der Rabobank werden künftig in erster Linie Weine aus Südafrika, Australien, Argentinien und Chile auf den deutschen Markt drängen. Diese Länder hätten mit billigeren Sorten Erfolg. Die Chancen der Deutschen liegen laut Haupt dagegen bei Weinen hoher Qualität. Dafür könnten Winzer und Einzelhandel auch höhere Preise verlangen. Das Jahr 1999 biete dafür ein gute Grundlage. Wegen des heißen Sommers werde der Jahrgang einen guten Tropfen hergeben.

Qualität sei auch die richtige Strategie beim Export, sagte Haupt. Von den rund 19 Millionen Hektolitern deutschen Weins werden rund ein Fünftel ins Ausland verkauft. Vor allem Engländer und Japaner lieben deutschen Wein.



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