Alpenbären Bange vor Brunos Brüdern

Im Jahr nach dem Tod des Braunbären Bruno geht in der Alpenregion die Sorge um weitere Problembären um. Brunos Hinterbliebene sind auch nicht ohne. Mutter Jurka wütet in Südtirol, ihre noch lebenden Söhne könnten bald den Weg ins deutsche Exil einschlagen.


Bozen/Wien - Jurka hat in den vergangenen Nächten in Südtirol wieder Hühner gerissen und Bienenstöcke beschädigt. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet, will das italienische Umweltministerium bis Mitte April entscheiden, was mit dem umtriebigen Tier geschehen soll.

Betäubte Jurka: Frecher Bärennachwuchs
DPA

Betäubte Jurka: Frecher Bärennachwuchs

Jurka, die als "Problembärin" eingestuft wird, soll nach Möglichkeit eingefangen und in ein Gehege gebracht werden. Falls die Fangversuche fehlschlagen, könnte die Bärin zum Abschuss freigegeben werden, vermutet die Tageszeitung "Dolomiten". Dies hatte Claudio Groff, Sprecher der Provinz Trient, Anfang der Woche noch ausgeschlossen: "Es ist nicht realistisch, dass wir Jurka erschießen werden."

Die Bärin lebt als Teil des EU-Projekts Life Ursus in Südtirol. "Sie ist die Lebhafteste unter unseren 21 Bären", erklärte Alberta Voltolini, Sprecherin des Adamello-Brenta-Parks, in dem die Tiere leben. Die Bärin zeigt wenig Scheu vor Menschen, wagt sich immer wieder in bewohnte Gebiete vor und lässt sich nur schwer vertreiben.

In der Presse wird auch jeder Schritt von Brunos drei jüngeren Geschwistern genau verfolgt, Tierschützer warnen vor einem neuen "Fall Bruno", die Behörden sind in Hab-Acht-Stellung. Denn die zwei gut ein Jahr alten männlichen Jungbären dürften sich in Kürze von ihrer Mutter lösen und auf Wanderschaft gehen, während das Jungweibchen in der Region bleibt. Drei Wochen später könnten sie in Deutschland sein - und sie dürften ähnlich frech sein wie ihr älterer Bruder. Dessen Kadaver liegt noch immer an einem geheim gehaltenen Ort bei minus 20 Grad auf Eis, er soll irgendwann ausgestopft ins Museum.

Experten verlangen, die Jungbären wie Mutter Jurka möglichst schnell mit Sendern zu versehen. Ein Jungbär könnte dann mit Gummigeschossen schmerzhaft abgeschreckt werden, bevor er sich Siedlungen nähert, an Bienenstöcken nascht und Ställe ausraubt. Jurka wurde im Januar samt Nachwuchs sogar auf den Skipisten von Madonna di Campiglio gesichtet und von Touristen fotografiert.

dab/dpa



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