Alta Moda in Rom Oben knapp, unten kurz
Rom - Nur wenige wie Altmeister Fausto Sarli zeigten bei den viertägigen römischen Modetagen aufwendig designte Roben und märchenhafte Gewänder aus reichlich und edlen Materialien gefertigt. "Eindrücke aus dem Mekong-Delta, aus Java, Borneo und Indochina - Sarli war wie jedes Jahr der Beste von allen", schwärmte die Zeitung "La Repubblica". Eine seiner berühmtesten Kundinnen kam persönlich zum Defilee: Filmdiva Gina Lollobrigida. Für die 79 Jahre alte Schauspielerin hat Sarli ein Hochzeitskleid entworfen, doch die Vermählung mit ihrem 34 Jahre jüngeren Lebensgefährten liegt derzeit auf Eis.
Ob "La Lollo" Gefallen an den knallengen kurzen Hochzeitsminis hatte, ist nicht bekannt. Der italienische Jungdesigner zeigte jedenfalls eine Braut im besonderen Mini-Look: Der Schleier war länger als der Rock. Klassisch weiß, dafür aber mit hohem Beinschlitz kam auch ein Hochzeits-Modell von Alessandro Consiglio daher.
Auch Cocktail- und Strick-Kleider werden im kommenden Sommer kurz und eng getragen. Ebenso die Bademode: "Die Beach-Couture duftet wie Capri", schrieb ein Journalist über die Luxus-Bikinis, die bis zu 2000 Euro kosten. Neben der Mini-Mode setzte sich noch ein weiterer Trend in Rom durch: Atemberaubende Ausschnitte. So zeigte der Libanese Abed Mahfouz Entwürfe mit viel nackter Haut.
Für Proteste sorgte dieses Mal der Italo-Perser Farhad Re, der seine fünfjährige Nichte mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "I Love Diet" auf den Laufsteg schickte. Angesichts der Diskussion um magersüchtige und blutjunge Models sorgen derartige Botschaften für Aufruhr.
Politische Akzente setzte Gattinoni, dessen Chefdesigner Guillermo Mariotto schulterfreie Roben aus schwerer Seide mit riesigen Drucken im Pop-Art-Stil von Andy Warhol mit Porträts von mächtigen Frauen wie Condoleezza Rice, Hillary Clinton, Ségolène Royal und Königin Elizabeth II präsentierte.
jjc/dpa