Altersfreuden Woody, der Glücksrabe

Zum Jahresende scheint es Glückshormone im Überfluss zu geben. Nicht nur verkündet uns ein Umfrageinstitut, dass Deutschlands Jugend überraschend optimistisch in die Zukunft blickt, nein, es schwebt auch einer auf Wolke sieben, den man bislang nur als Mr. Missmut kannte: Woody Allen.

Hamburg - In der deutschen Fassung heißen seine Filme "Woody, der Unglücksrabe" oder "Der Stadtneurotiker". Den Anti-Helden verkörperten jedoch bisher nicht nur die Filmfiguren, sondern auch ihr Darsteller. Er sei mit keinem seiner Filme je zufrieden gewesen, erzählte der Vollblutregisseur und Schauspieler gern, und auch sonst kokettierte er stets mit dem Unglücklichsein.

Doch damit scheint es nun vorbei zu sein. Er sei ein "durch und durch" glücklicher Mensch, sagte Allen kurz nach seinem 70. Geburtstag jetzt der "Financial Times Deutschland". Das größte Glück in seinem Leben sei, dass er seine Frau kennen gelernt habe: "Wenn mir jemand früher erzählt hätte, dass ich mit 70 Jahren einmal mit einer wesentlich jüngeren, absolut zauberhaften Asiatin verheiratet sein werde, die nicht im Showgeschäft arbeitet, und zwei wundervolle Kinder mit ihr haben werde, hätte ich ihn für verrückt erklärt."

Früher sei er "nur mit exaltierten Schauspielerinnen" ausgegangen und habe sich auch keine anderen Partnerinnen vorstellen können, sagte Allen, der lange mit seinen Schauspielkolleginnen Diane Keaton und Mia Farrow liiert war. "Seit ich meine Frau kenne, ist mein Leben erst richtig schön und glücklich geworden. Und glücklicherweise mochte sie mich auch." Allen ist seit 1997 mit Soon-Yi Previn verheiratet, die Farrow adoptiert hatte, bevor sie mit Allen liiert war. Allen hatte 1992 die Beziehung zu Farrow beendet und bekannt gegeben, dass er ein Liebesverhältnis mit Soon-Yi habe, was für große öffentliche Aufregung gesorgt hatte.

Die negativen Reaktionen auf seine Liebesbeziehung mit der Adoptivtochter seiner Lebensgefährtin hätten ihn nie interessiert, sagte Allen. "Und der öffentliche Skandal war dann doch eher trivial im Gegensatz zu unserem großen persönlichen Glück. Selbst wenn ich etwas in meinem Leben ändern könnte, würde ich es noch einmal genau so machen."

Die Liebe habe ihn allerdings nicht von seiner Hypochondrie kuriert, bekannte Allen. "Im Gegenteil. Es ist noch wesentlich schlimmer geworden." Der Gedanke an den Tod sei noch viel beunruhigender, weil er so glücklich sei. "Sobald ich den leisesten Schmerz im Arm verspüre, denke ich, es könnte ein Tumor sein und lasse ihn aufwendigst von meinem Arzt untersuchen."

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