Amazonassynode in Rom Ja zu verheirateten Priestern, Nein zum Frauendiakonat

Gewalt und Vertreibung anzeigen, Indigene verteidigen: Die Urvölker Amazoniens müssen laut katholischer Kirche besser geschützt werden. Was Frauenrechte angeht, bleiben die Synodenväter nebulös.

Papst Franziskus mit einem Vertreter der indigenen "Community of Amazonia" im Vatikan
Vatican Media/ Reuters

Papst Franziskus mit einem Vertreter der indigenen "Community of Amazonia" im Vatikan

Von


Wenn Padre Darío Echeverri González predigt, dann tut er das nicht von der Kanzel herab, sondern inmitten seiner Gemeinde. An einem Sonntag im Oktober steht der Claretinerpater in der Basílica del Sagrado Corazón de Jesús in Bogotá und wirbt mit großer Geste um Toleranz - für Homosexuelle und Prostituierte, echte Sünder und solche, die es nur aus Versehen wurden. Dann überlässt er einer Gruppe festlich gekleideter Indigener die Bühne - sie singen, machen Musik, vollziehen ein Hochzeitsritual. Auf dem Kirchenboden leuchtet ein Blumenmosaik, das an ihre enge Verbindung zur Natur erinnert.

Häresie, dürften Papstkritiker wie der deutsche Kardinal Walter Brandmüller beim Anblick solch "heidnischen" Treibens im Schoße der Kirche denken. Doch Padre González hat ganz andere Probleme - und tut genau das, was die Amazonassynode in ihrem Abschlusspapier einfordert.

Padre Darío Echeverri González
Annette Langer, DER SPIEGEL

Padre Darío Echeverri González

Seine Kirche liegt inmitten eines Drogenviertels, das einst nur die "Bronx" genannt wurde. Er hat laut Gemeindemitgliedern maßgeblich dazu beigetragen, die Gewalt vor Ort zu reduzieren. Zu ihm kommen Obdachlose, Drogenabhängige, Gewaltopfer und Indigene, die von Guerillas, Paramilitärs oder skrupellosen Unternehmern aus ihrer mitunter ressourcenreichen Heimat vertrieben wurden. Heimat, das ist für viele Indigene der Ort, an dem traditionell ihre Nabelschnur begraben ist - viel mehr als nur ein Geburtsort.

Der in Argentinien geborene Papst Franziskus hat nie ein Hehl daraus gemacht, wie sehr ihm die Indigenen am Herzen liegen. Drei Wochen lang stand Amazonien im Zentrum der Synodendebatte in Rom - jetzt liegt das Abschlusspapier vor.

"Sauerstoff für die Kirche"

Das per Zweidrittelmehrheit von den Synodenvätern abgenickte Schlussdokument regt an, einen "amazonischen Ritus" zu entwickeln, der die Kultur der Indigenen auch in der Liturgie berücksichtigen soll. Die Kirche will sich laut eigener Aussage von alten wie neuen Formen des Kolonialismus abgrenzen: Indigene Religionen müssten gekannt und "in ihren eigenen Ausdrücken und ihren Beziehungen zum Wald und zur Mutter Erde verstanden werden". Einheimische sollen zudem verstärkt missionieren: "Amazonien muss auch durch Amazonier evangelisiert werden."

Die Gründe für so viel Toleranz sind auch praktischer Art: Der Priestermangel in Amazonien ist eklatant, viele Gläubige können nur ein bis zwei Mal im Jahr überhaupt die Messe feiern. Zudem graben Evangelikale und Pfingstler den Katholiken Gläubige ab.

Das Dokument fordert konkret dazu auf, bei Menschenrechtsverletzungen aktiv zu werden. "Attentate gegen das Leben und die Gemeinschaften Indigener" seien anzuzeigen, ebenso Projekte, die deren Rechte einschränken. Für die Kirche sei die Verteidigung der Rechte der Indigenenvölker "ein Prinzip des Evangeliums".

In Kolumbien gab es einst 300 indigene Völker - heute sind es nur noch rund hundert. Darío Echeverri González kennt sich aus mit komplizierten Debatten: Er war Mitglied der Nationalen Versöhnungskommission und hat die Verhandlungen zwischen der Farc-Guerilla und der kolumbianischen Regierung auf Kuba begleitet. Er weiß, dass die Synode in Rom nur Empfehlungen geben kann. Dennoch sei es "Sauerstoff für die Kirche", dass Papst Franziskus erneut ein internationales Treffen initiiert habe, das wichtige Debatten anstoße. "Ich hoffe, die Kirche entklerikalisiert sich endlich und bekommt ein menschliches Gesicht."

Diakone dürfen verheiratete Priester werden

Liberale deutsche Katholiken hatten darauf gehofft, die Synodenväter würden verheiratete Priester über die Hintertür Amazonien in der ganzen Weltkirche salonfähig machen. Sie wurden enttäuscht. Zwar empfahl die Bischofssynode, in Ausnahmefällen verheiratete Diakone in der Region zu Priestern zu weihen. Eine Mehrheit von 128 zu 41 Synodenteilnehmern hatte sich italienischen Medien zufolge dafür entschieden. Aber die Rede ist nur von Diakonen, nur in Amazonien.

Einige Teilnehmer hätten sich dafür ausgesprochen, dieses Thema auf "universaler" Ebene anzugehen, heißt es im Abschlussdokument. Gemeint ist die mögliche geografische Ausdehnung der Praxis auf weitere Länder, die angesichts des Priestermangels ebenfalls in der Bredouille sind. "Angehen" ist aber nur eine Absichtserklärung. Wohl, um konservativen Kräften in der Kirche nicht allzu viel Munition zu liefern, wird in dem Papier ausdrücklich betont, dass der Zölibat nicht zur Disposition stehe.

Enttäuschend auch die Ausführungen zur Rolle der Frau in der Kirche. Wieder einmal wurde wohlwollend konstatiert, welch enormen Beitrag die Frauen in den Gemeinden leisteten - für den konkreten Vorschlag eines weiblichen Diakonats jedoch reichten die Stimmen nicht. Dafür baten die Synodenväter darum, im Amazonasgebiet ein neues Amt für Frauen einzuführen, die Gemeindeleiterin.

Franziskus selbst hatte 2016 eine Kommission ins Leben gerufen, die herausfinden sollte, ob ein Frauendiakonat möglich ist. Doch das Gremium war in zwei Jahren zu keinem klaren Ergebnis gekommen. Jetzt sollen neue Kommissionsmitglieder den Prozess wieder anschieben, der ein traditionell langer ist. Über das synodale Abschlussdokument hatten 181 Männer abgestimmt - obwohl mehr als 30 Frauen bei der Synode dabei waren.

Ökoagenda

Der ökologische und antikapitalistische Grundton aus Papst Franziskus' Enzyklika "Laudato Si" findet sich auch im Schlussdokument der Synode wieder: Um die Völker Amazoniens vor nationalen und multinationalen Konzernen zu schützen und ihnen etwa freien Zugang zu Trinkwasser zu garantieren, soll ein internationaler Fond eingerichtet werden.

Die Ausbeutung der Amazonasregion, wie sie unter dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro praktiziert wird, bezeichneten die Bischöfe als "ökologische Sünde" und eine "Tat gegen Gott".



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.