Verleumdungsprozess Amber Heards Anwälte beantragen Aufhebung des Urteils

Schummelte sich der Geschworene Nummer 15 unrechtmäßig in die Jury? Amber Heards Anwälte gehen davon aus und wollen nun das Urteil im Verleumdungsprozess gegen Johnny Depp anfechten.
Amber Heard vor Gericht (im April)

Amber Heard vor Gericht (im April)

Foto: STEVE HELBER / AFP

Nach dem Prozess gegen ihren Ex-Ehemann Johnny Depp geht die amerikanische Schauspielerin Amber Heard gegen das Urteil der Jury vor. Heards Anwälte beantragten, das Urteil gegen die Schauspielerin aufzuheben. Das geht aus einem Dokument vom Freitag hervor, über das US-Medien am Sonntag berichteten.

Nach einem sechswöchigen Verleumdungsprozess, in dem die Ex-Eheleute einander häusliche Gewalt vorwarfen, hatte sich die Jury Anfang Juni größtenteils auf die Seite von Depp gestellt – aber auch Heard in einigen Punkten recht gegeben. Wegen Verleumdung muss sie Depp über zehn Millionen US-Dollar Schadensersatz zahlen. Depp schuldet ihr nach Entscheidung der Jury zwei Millionen Dollar für Aussagen seines Ex-Anwalts, die Heards Ruf geschädigt haben sollen.

Im Kern der von Depp eingereichten Zivilklage ging es um einen 2018 von der »Washington Post« veröffentlichten Kommentar, in dem sich Heard als Opfer häuslicher Gewalt beschrieb. Depp wurde darin von ihr nicht namentlich genannt, aber der »Fluch der Karibik«-Star sah sich damit als Opfer von Falschaussagen gebrandmarkt und klagte wegen Verleumdung auf 50 Millionen Dollar Schadensersatz.

Neben inhaltlichen Argumenten werfen Heards Anwälte dem Gericht nun auch vor, die Identität eines Jurors nicht geprüft zu haben. »Es ist unklar, ob der Geschworene Nummer 15 tatsächlich jemals zum Dienst als Geschworener vorgeladen wurde oder für die Teilnahme am Gremium qualifiziert war.«

Laut einem Bericht des Internetportals TMZ  sollen der Geschworene, der vom Gericht bestellt wurde, und die tatsächlich erschienene Person nicht ein und dieselbe sein. Dies sei an dem erheblichen Altersunterschied zu erkennen gewesen. Demnach sei der offiziell berufene Geschworene Jahrgang 1945, der Mann in der Jury jedoch wesentlich jünger gewesen. Johnny Depps Team habe zudem keine ausreichenden Beweise dafür vorgelegt, dass dem Schauspieler durch Heards Verhalten in der Vergangenheit Rollen entgangen seien.

Einer der Geschworenen im Prozess hatte sich unlängst zu Heards Verhalten vor Gericht geäußert. In einem Interview mit der US-Show »Good Morning America« sagte er, Heard habe in dem Prozess auf ihn unglaubwürdig gewirkt.

Man habe den Eindruck gewonnen, die Schauspielerin könne »ihre Gefühle einfach an- und ausschalten«. Sie habe unter Tränen auf eine Frage geantwortet und sei zwei Sekunden später eiskalt gewesen. Einige der Geschworenen hätten von »Krokodilstränen« gesprochen, sagte der Geschworene.

ala/dpa
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