American Airlines Wie sicher sind die Heckflossen der Flotte?

Klappergeräusche, eine Explosion, Turbulenzen: Fieberhaft fahnden Techniker nach der Ursache für den Absturz eines Airbus A300 in New York. Nun soll die nahezu unbeschädigte Heckflosse Aufschluss darüber geben, ob möglicherweise fehlerhafter Kunststoff schuld war.


New York: Aus der Queens-Bucht wird die Heckflosse des A-300 geborgen
DPA

New York: Aus der Queens-Bucht wird die Heckflosse des A-300 geborgen

New York - Nach Informationen von CNN untersucht die Fluggesellschaft American Airlines nun die Heckflossen bei anderen Maschinen der Flotte. Wie der Nachrichtensender weiter berichtet, wurde die Heckflosse der Unglücksmaschine in fast unbeschädigtem Zustand in einer Bucht beim Stadtteil Queens gefunden. Warum der wichtige Stabilisator abbrach, steht noch nicht fest.

Laut "New York Times" hat American Airlines noch 34 weitere Maschinen vom Typ A300, die überprüft werden sollen. Der europäische Flugzeughersteller Airbus erwägt, auch anderen Fluggesellschaften eine Überprüfung der Heckflosse an den A300-Flugzeugen zu empfehlen.

Staatliche Ermittler in den USA haben bereits ihre auf Materialien spezialisierten Experten damit beauftragt, die Heckflosse der Absturzmaschine zu untersuchen. Das besondere: Die abgebrochene Heckflosse besteht aus einer Plastik-Carbonfaser-Verbindung, nicht aus Metall. Um Gewicht zu sparen und um Korrosion zu vermeiden setzt Airbus wesentlich stärker als Hauptrivale Boeing auf dieses Materialgemisch. Laut Experten ist die Verbindung stabiler als Aluminium und ermüdet nicht so schnell - wenngleich eine Ermüdung dieses Materials nicht ausgeschlossen wird.

Möglicherweise aber war die Nahtstelle zwischen der Heckflosse und dem metallenen Rumpf des Flugzeuges der Schwachpunkt. Gegenüber der "New York Times" sagten Ermittler, es gebe keine Beweise für eine Explosion oder für eine Kollision mit einem anderen Objekt in der Luft, die dazu geführt hätten können, dass die Heckflosse hätte wegbrechen können.

Es ist jedoch weiterhin unklar, ob das Wegbrechen der Heckflosse ursächlich zum Absturz der Passagiermaschine führte oder ob es Folge eines anderen Defekts ist.

Zur Klärung dieser Frage erwarten die Ermittler entscheidende Informationen von der Auswertung des Flugdatenschreibers. Die Black Box war bei dem Unglück zu Schaden gekommen, konnte aber inzwischen weitgehend wieder hergestellt werden. Weiter geprüft wird auch, ob eine von einem vorausfliegenden Flugzeug verursachte Turbulenz zu dem Unglück beigetragen haben könnte.

Bei dem Absturz am Montag waren 260 Menschen an Bord und mindestens weitere fünf Personen am Boden ums Leben gekommen.

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