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Amerikaner in Fukushima Schwierige Hilfsmission

Die hilflosen Versuche der Atomtechniker, die Reaktoren in Fukushima wieder unter Kontrolle zu bekommen, bereiten den Amerikanern zunehmend Sorge. Doch mit Angeboten aus Washington tun sich die Japaner schwer - zumal die Bewertung der Gefährdungslage massiv auseinanderklafft.
US-Hubschrauber und Soldaten vor einem Rettungseinsatz in Japan: Ungeliebte Helfer

US-Hubschrauber und Soldaten vor einem Rettungseinsatz in Japan: Ungeliebte Helfer

Foto: Wally Santana/ AP

Washington/Yamagata - Wie viele Menschen müssen aus der Gefahrenzone um das havarierte AKW Fukushima gebracht werden, wie groß ist der Radius, in dem die Strahlengefahr erhöht ist?

Am Donnerstag hat die US-Atomregulierungsbehörde NRC eine Evakuierungszone von 80 Kilometern um die Reaktoranlage von Fukushima vorgeschlagen. US-Bürger sollten sich an diesem Wert orientieren. NRC-Chef Gregory Jaczko sagte, es handele sich um eine vorläufige Maßnahme. Offensichtlich halten die Amerikaner wenig von der Einschätzung der japanischen Behörden, die eine Gefährdung jenseits einer 30-Kilometer-Zone rund um Fukushima ausschließen.

Auch das Ausmaß der Verwüstungen schätzen US-Experten anders ein als ihre japanischen Kollegen. Zum Beispiel, wenn es um das Abklingbecken im Reaktor 4 geht. In der "New York Times" äußert ein Atom-Manager die Vermutung, dass das Erdbeben bereits gravierende Schäden an dem Becken verursacht hat, die möglicherweise durch eine Explosion vergrößert worden seien. Risse in der Edelstahlwanne seien ebenso denkbar, eine Beschädigung der Ladeluken - jedenfalls sei zu befürchten, dass deutlich mehr Wasser verloren gegangen sei, als bisher nachgefüllt werden konnte.

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Foto: REUTERS/ Kyodo

Die Gefahr sei außerordentlich hoch, wird der US-Experte zitiert, der ausdrücklich nicht beim Namen genannt werden will, um seine Kontakte mit japanischen Geschäftspartnern nicht zu gefährden. In dem Abklingbecken lagern abgebrannte Brennstäbe, die ohne ausreichende Kühlung so heiß werden können, dass wieder eine Kettenreaktion in Gang kommt - was die Freisetzung von hochgefährlicher Strahlung noch verstärken würde.

Drohne lieferte Bild- und Datenmaterial

Die richtige Hilfe anzubieten, fällt unter solchen Bedingungen ebenso schwer, wie sie anzunehmen. US-Präsident Brack Obama unternahm am Donnerstag einen ersten wichtigen Schritt, um Spannungen abzubauen. Bei einem spontanen Besuch in der japanischen Botschaft trug er sich in ein Kondolenzbuch ein und bekundete seine Anteilnahme. Später bekräftigte er noch einmal vor Journalisten die Bereitschaft der Amerikaner, auf jede erdenkliche Art zu helfen.

Zu solchen Hilfsaktionen gehört auch eine unbemannte Drohne, die am Donnerstag über der havarierten Nuklearanlage kreiste, um Bilder und Daten aufzunehmen. Eine erste gemeinsame Auswertung brachte nach Informationen der "NYT" immerhin die Beruhigung, dass die Konzentration der Strahlung jenseits der 30-Kilometer-Zone tatsächlich auf ein unkritisches Maß abnimmt. über die detaillierte Auswertung der Bilder wurde noch nichts bekannt.

Die in Japan stationierte US-Luftwaffe stellte einen speziellen Feuerlöschzug zur Verfügung, der über Hochleistungspumpen verfügt, die vom Führerhaus aus gesteuert werden können. Damit konnte nach Angaben der Behörden während des 40-minütigen Einsatzes am Reaktorblock 3 zumindest etwas gekühlt werden.

Verstärkung für "Fukushima 50"

Auch bei den gefährlicheren Einsätzen abseits der Konferenztische sind die Amerikaner dabei. So steuerten US-Piloten einige der Helikopter, die am Donnerstag versuchten, Wasser über dem überhitzten Reaktor abzuwerfen. Dieser Aktion hatten die Japaner allerdings erst zugestimmt, nachdem die US-Regierung intensiv darauf gedrungen hatte.

Ein Team von neun Spezialisten des US-Militärs ist bereits unterwegs nach Japan, um unter anderem bei der Strahlenmessung und Dekontamination verstrahlter Menschen oder Objekte zu helfen. Weitere 450 Strahlenexperten stünden für einen Einsatz bereit, um dem Land bei der Bewältigung seiner Nuklearkrise zu helfen, kündigte der Befehlshaber des US-Pazifik-Kommandos, Admiral Robert Willard, am Freitag an.

Am Brandherd selbst sind zurzeit jedoch allein Japaner im Einsatz. Die Notbesatzung der Atomanlage, in den Medien als "Fukushima 50" bezeichnet, hat inzwischen neue Unterstützung von außen. Mehr als 120 Männer seien an dem strahlenden Wrack im Einsatz, darunter auch Spezialisten anderer Atomkonzerne, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Tepco am Freitag. Laut einem Bericht des japanischen Fernsehens sind rund 140 Feuerwehrleute auf dem Weg zum Kraftwerk, um die dort operierenden Militärs zu unterstützen. Dank der jüngsten Einsätze sei die Strahlung leicht zurückgegangen, teilte der AKW-Betreiber Tepco am Freitag mit.

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