Los Angeles Amerikaner tauschen Waffen gegen Gutscheine

Sturmgewehre, Schrotflinten, Pistolen, Revolver: Die Polizei in Los Angeles hat mehr als 1700 Schusswaffen eingesammelt. Die Besitzer trennten sich freiwillig von ihrem Besitz - für Einkaufsgutscheine. Die Waffenlobby versuchte vergeblich, die Aktion zu sabotieren.


Los Angeles - Biete Pistole, suche Supermarktgutschein: In Los Angeles haben sich zahlreiche Personen an einer ungewöhnlichen Tauschaktion beteiligt. Am Mittwoch (Ortszeit) bildeten sich lange Warteschlangen an Stellen, an denen Waffen gegen Einkaufsgutscheine eingetauscht werden konnten. Die Behörden betonten, Teilnehmer müssten dabei keine Fragen befürchten, woher ihre Waffen stammten. Die Tauschwilligen reichten die Waffen einfach aus dem Autofenster heraus, im Gegenzug bekamen sie die entsprechenden Coupons.

Für eine Handfeuerwaffe oder ein Gewehr gab es einen Gutschein im Wert von 100 Dollar, eine automatische Waffe wurde mit einem 200-Dollar-Coupon belohnt. Manche Bürger kamen mit mehr als einer Waffe - einige brachten es auf bis zu tausend Dollar. Der Andrang war so groß, dass die Gutscheine knapp wurden. Schon am Nachmittag wurde die Marke von 1673 abgegebenen Waffen aus dem Vorjahr übertroffen.

Mit der Aktion sollen Waffen von den Straßen geholt und die Gewalt in der Stadt reduziert werden. Normalerweise findet sie im Mai statt. Seit 2008 wurden insgesamt mehr als 8000 Waffen eingesammelt. Wegen des Amoklaufs von Newtown hatte Bürgermeister Antonio Villaraigosa die Aktion laut "Los Angeles Times" nun von Mai auf diesen Mittwoch vorgezogen.

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Los Angeles: Lange Schlangen bei der Waffenabgabe
"Die Resonanz ist sehr gut", sagte der Polizeibeamte Rudy Lopez. Teilweise hätten Teilnehmer anderthalb Stunden vor der Abgabestelle gewartet. "Die Leute wollen dazu beitragen, dass weniger Waffen auf den Straßen sind." Die gesammelten Waffen würden im Anschluss an die Aktion eingeschmolzen, sagte Lopez.

Aktivisten der Waffenlobby versuchten vorübergehend, die Wartenden vom Tausch abzuhalten. Sie boten an, die Waffen zu kaufen, um sie "an eine Frau in Gefahr zu spenden", wie es auf einem Plakat hieß. Andere Kritiker monierten, dass die Teilnehmer vor allem ausgediente und kaputte Waffen abgeben würden, die sowieso nicht für kriminelle Aktivitäten benutzt würden.

In den USA hat das Massaker von Newtown die Debatte über Waffenbesitz neu befeuert. Am 14. Dezember hatte ein 20-Jähriger in einer Grundschule in dem Ort 20 Erstklässler sowie sechs Erwachsene und schließlich sich selbst erschossen. Zuvor hatte er zu Hause seine Mutter getötet.

ulz/AFP/dapd

insgesamt 191 Beiträge
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Seite 1
Hilfskraft 27.12.2012
1. wie armselig
armes Amerika. Da kann man nichts mehr tun.
backtoblack 27.12.2012
2. Schwerter zu Pflugscharen
Zitat von sysopAFPSturmgewehre, Schrotflinten, Pistolen, Revolver: Die Polizei in Los Angeles hat mehr als 1700 Schusswaffen eingesammelt. Die Besitzer trennten sich freiwillig von ihrem Besitz - für Einkaufsgutscheine. Die Waffenlobby versuchte vergeblich, die Aktion zu sabotieren. http://www.spiegel.de/panorama/amerikaner-tauschen-in-los-angeles-schusswaffen-gegen-gutscheine-a-874829.html
Keine schlechte Idee - und das auch noch in L.A. Sollte sich da was tun in den USA?
Blindleistungsträger 27.12.2012
3. Selbsterhaltungstrieb
Wem sein Leben lieb ist, der entwaffnet sich.
Ralf Opdenhövel 27.12.2012
4. Einmal mehr...
...veranstaltet Los Angeles eine Altmetallsammlung. Nirgends sonst bekommt man für Schrott so viel Geld wie dort. Täglich landen in den USA tausende Schußwaffen beim Pfandleiher, ohne Hoffnung, wieder ausgelöst zu werden. In LA bekommt man bei der Schrottsamlung dann auch mehr Cash als beim Pfandleiher. Auswirkung auf Verbrechensstatistik oder zukünftige Amokläufe? Keine.
dunkelmerkel 27.12.2012
5. Hhmm
Ich verstehe gar nicht, warum die NRAler versuchen, die AKtion zu verhindern. Sollen die Leuts doch alle ihr Waffen abgeben. Ein paar Tage später lässt ein bärtiger Mann irgendwo eine blaue Tasche stehen, z.B. an einem Bahnhof oder ein Schwarzer läuft verdächtig durch die Straßen und schon rennen die Leute in den Waffenladen und decken sich wieder ein. Das ist doch ein Bombengeschäft.
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