Amoklauf in Winnenden Versicherung zahlt Schadensersatz an Hinterbliebene

Der Streit um Schadensersatz für Hinterbliebene und Opfer des Amoklaufs in Winnenden scheint ein Ende zu finden. Die Allianz-Versicherung und Anwälte der Betroffenen haben offenbar eine Übereinkunft erzielt. Insgesamt geht es um eine Summe von zwei Millionen Euro.

Albertville-Realschule in Winnenden (2011): Schadensersatz für Opfer von Amoklauf
DPA

Albertville-Realschule in Winnenden (2011): Schadensersatz für Opfer von Amoklauf


Winnenden - Fast fünf Jahre nach dem Amoklauf in Winnenden ist der Streit um Schadenersatz für Hinterbliebene offenbar beigelegt. "Die Allianz und die Anwälte der Opfer und Angehörigen haben gemeinsam eine tragfähige, gerechte Lösung zur Verteilung der Deckungssumme erarbeitet", teilte eine Sprecherin der Haftpflichtversicherung des Vaters von Amokläufer Tim K. mit. Der Jugendliche hatte am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen ein Blutbad mit 15 Toten angerichtet und sich dann erschossen.

Rechtsanwalt Jens Rabe, der mehrere der Opfer vertritt, sagte den "Stuttgarter Nachrichten": "Alles ist in trockenen Tüchern." Einige seiner Mandanten bekommen laut "Schwarzwälder Bote" 5000 Euro, die meisten jedoch zwischen 20.000 und 25.000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz. Im Falle der Erwerbsunfähigkeit werde eine sechsstellige Summe ausbezahlt.

Die Deckungssumme beträgt den Angaben zufolge zwei Millionen Euro für sogenannte Personenschäden. Es gebe rund 50 Anspruchsteller aus dem Kreis der Opfer und ihrer Angehörigen, teilte die Allianz-Sprecherin mit. "Wir sind zuversichtlich, alle Gelder in Kürze auszahlen zu können."

Die Stadt Winnenden will die Eltern von Tim K. hingegen auf Schadensersatz verklagen. Die Gemeinde fordert unter anderem Schadensersatz für die Renovierung von Teilen des Schulgebäudes, in dem der Amoklauf begonnen hatte. Alle Vorschläge der Stadt seien abgelehnt worden. Die Eltern seien nicht bereit gewesen, sich "in irgendeiner Weise" an der Schadensregulierung zu beteiligen. Die Stadt und die baden-württembergische Unfallkasse wären bereit gewesen ihnen bei den Zahlungen "sehr weit entgegenzukommen".

Auch die Haftpflichtversicherung des Vaters wollte den Angaben zufolge einen sechsstelligen Betrag bereitstellen. Jeder Lösungsansatz sei aber von den Eltern abgelehnt worden. Somit hätten die Eltern "die Chance, auch für sich selbst einen Schlussstrich zumindest unter die finanziellen Folgen der Tat zu ziehen, ungenutzt gelassen", teilte die Stadt mit.

wit/dpa

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