Amokschütze von Dortmund Grenzenloser Hass auf Polizisten?
Düsseldorf - Der Amokschütze Michael Berger soll seiner Ex-Freundin vor rund fünf Jahren gesagt haben: "Wenn ich gehen muss, werde ich so viele Polizisten mit in den Tod nehmen, wie ich kann." Die Frau attestierte Berger in einem RTL-Interview einen Hang zur Gewalttätigkeit. Bei der Trennung sei er plötzlich auf sie losgegangen, habe sie geschlagen und sie mit einem Elektroschocker bedroht. Ein Nachbar habe ihre Hilferufe jedoch gehört und eingegriffen. Außerdem soll der 31-jährige seit langem psychisch krank gewesen sein. "Er war unheimlich wankelmütig. Erst völlig normal, dann ist er einfach durchgeknallt."
Die Ex-Freundin dementierte jedoch einen Bericht der "Bild-Zeitung", dass Polizisten für Berger Feindbilder gewesen seien, weil sie ihn mit einem Beamten betrogen habe. Sie sei vor der halbjährigen Partnerschaft mit Berger mit einem Polizisten liiert gewesen. Die Zeitung hatte sich auf einen Freund Bergers berufen.
Die Staatsanwaltschaft wollte den Bericht der "Bild"-Zeitung weder bestätigen noch dementieren. Das Tatmotiv werde weiter im Umfeld des Mannes ermittelt, hieß es. Die Ermittler gehen davon aus, dass der psychisch labile Berger sich in der Polizeikontrolle in die Enge getrieben fühlte und durchdrehte. Nach den Todesschüssen auf die Polizisten in Dortmund und Waltrop brachte sich der 31-Jährige um. Wegen Depressionen war er in psychiatrischer Behandlung gewesen.
Die International Police Association (IPA) forderte unterdessen eine Überprüfung der Waffengesetze in Deutschland. "Es muss deutlich die Frage gestellt werden, ob der Staat alles getan hat, um den ungesetzlichen Zugriff auf Schusswaffen zu unterbinden und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um ähnliche Taten in Zukunft zu vermeiden", betonte der 16.000 Mitglieder starke Landesverband NRW in Bochum.
Der Vizepräsident der IPA Deutschland, Udo Göckeritz, appellierte in Chemnitz an die Politik, Polizisten nicht die lebensnotwendige Ausrüstung zu verweigern. Lediglich in Sachsen und Hessen gehöre die Schutzweste zur Ausstattung. Es dürfe nicht sein, dass die berechtigte Forderung der Kollegen nach einer angemessenen Schutzausrüstung immer wieder aufgeschoben oder an eine private Zuzahlung geknüpft werde. Weltweit vertritt die IPA 300.000 Polizisten.
Staatsanwaltschaft und Polizei teilten mit, Berger sei zum Zeitpunkt der Tat kein Mitglied einer rechtsextremen Partei gewesen. Bei einer Hausdurchsuchung der Polizei waren Ausweise Bergers für die Deutsche Volksunion (DVU) und die Republikaner gefunden worden.
Die Gewerkschaft der Polizei will am Montag mit einem Schweigemarsch durch die Dortmunder Innenstadt der drei ermordeten Beamten gedenken.