Anruf beim Bildhauer von Merkel-Skulptur in der Oberpfalz »Sattel und Zügel braucht sie nicht«

»Haarpracht, Haltung, Hände – Frau Merkel ist eine Ikone«: Der Künstler Wilhelm Koch hat die scheidende Kanzlerin auf einem Pferd inszeniert. Hier sagt er, warum er dabei auch auf einen Sockel verzichtete.
Ein Interview von Florian Gontek
Künstler Koch und sein Projekt: »Eine politische Würdigung ist die Statue nicht, eher eine persönliche«

Künstler Koch und sein Projekt: »Eine politische Würdigung ist die Statue nicht, eher eine persönliche«

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Marcus Rebmann

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2,70 Meter groß und aus dem 3D-Drucker: Im Juni hatte der Künstler Wilhelm Koch die Idee, Angela Merkel auf ein American Quarter Horse zu setzen. Am Freitagabend präsentierte Koch seine Betonskulptur vor etwa 150 Besuchern. Sie wird voraussichtlich bis zum kommenden Sommer vor dem Tempel-Museum in Etsdorf in der Oberpfalz stehen, das Koch ehrenamtlich leitet.

SPIEGEL: Herr Koch, die Skulptur, die Sie da von Angela Merkel gemacht haben: Würdigung oder pure Ironie?

Wilhelm Koch: Beides schwingt mit. Es hat viele Facetten, wir zeigen in unserem Tempel-Museum in Etsdorf gerade eine Fotoausstellung des Hamburgers Till Briegleb, der sich fotografisch auf Reiterstandbilder konzentriert und dazu auch ein Buch gemacht hat, das ich initiiert habe. Das ist eigentlich der Hintergrund zur Statue. Briegleb beschreibt in seinem Buch auch, dass Reiterstandbilder mittlerweile eigentlich völlig aus der Zeit gefallen sind. Außer Trump, Putin oder dem aus Nordkorea kann man sich doch keinen Politiker mehr so wirklich auf einem Pferd vorstellen. Briegleb schreibt in seinem Buch weiter, dass zu einer Person eine solche Reiterstatue gerade nicht passe: Angela Merkel.

Zur Person

Wilhelm Koch, 61, inszeniert vor allem »soziale Plastiken«, wie er sagt. Meistens Initiativprojekte, oft ausgefallen. Seit 2010 leitet er das Tempel-Museum in Etsdorf in der Oberpfalz.

SPIEGEL: Da sagt einer, es geht nicht – und Sie haben es gemacht?

Koch: Ja, als Bildhauer ist so ein Reiterstandbild ja sehr spannend, weil es viele Bezüge bietet, von historisch bis modern. Da war vor allem mein künstlerisches Interesse als Bildhauer. Frau Merkel zu interpretieren, das hat mich nicht groß interessiert. Eine politische Würdigung ist die Statue nicht, eher eine persönliche.

Die Statue in der Produktion

Die Statue in der Produktion

Foto: Samuel Rosport

SPIEGEL: Worauf haben Sie bei der Umsetzung geachtet?

Koch: Naja, unabhängig von der Politik ist Frau Merkel eine Ikone. Die Zutaten dieser Ikone kennt fast jeder: ihre Haarpracht, Kleidung, Haltung und Hände. Als wir Frau Merkel am Donnerstag auf dem Anhänger vor das Museum transportiert haben, hat eine Frau am Straßenrand sie sofort erkannt – und herzlich gelacht. Es gibt wahrscheinlich kaum eine Person, die solch einen Wiedererkennungswert in Deutschland hat. Ganz unabhängig von ihrer Politik.

SPIEGEL: Und Sie haben ihr nicht mal einen Sockel gegönnt.

Koch: Das ist schon auch der Frau Merkel gewidmet. Sie gilt als sehr bescheiden. Und für ein zeitgemäßes Reiterstandbild ist ein Sockel einfach nicht mehr angebracht. Sie wirkt jetzt eher, als würde sie Reiterurlaub in der Oberpfalz machen, auf einem Quarter Horse. Vielleicht ein Geschenk vom Trump.

Koch während der Fertigung der Statue

Koch während der Fertigung der Statue

Foto: Samuel Rosport

SPIEGEL: Ohne Sattel und ohne Zügel?

Koch: Das braucht sie nicht. Sie macht das mit einer Selbstverständlichkeit. Ich wollte ja keine Karikatur machen.

SPIEGEL: Und wenn Angela Merkel nun tatsächlich bei Ihnen in die Oberpfalz geritten kommt?

Koch: Ich denke, dann trinken wir ein Märkl-Bier zusammen. Unser Bürgermeister ist zugleich Braumeister, die Brauerei heißt Märkl. Das Bier gab es auch gestern zur Enthüllung, natürlich mit Merkel-Etikett.

SPIEGEL: Und wie lange steht die Merkel-Statue jetzt noch vor Ihrem Museum?

Koch: Bis zum nächsten Sommer, das ist der Plan. Ob es wirklich so kommt, ist auch von den Reaktionen abhängig. Da weiß man ja nie, was noch so kommt.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes wurde das Bier aus der Oberpfalz fälschlicherweise als Merkel-Bier bezeichnet. Es stammt jedoch von der Brauerei Märkl. Wir bitten um Entschuldigung und haben den Fehler korrigiert.

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