Anglikanische Kirche Schwule Geistliche dürfen Bischof werden

Symbolischer Erfolg für homosexuelle Geistliche: In der anglikanischen Kirche Großbritanniens können sie künftig die Bischofsweihe empfangen. Eine echte Gleichstellung bedeutet dies jedoch nicht - denn für sie gilt, anders als für ihre heterosexuellen Kollegen, der Zölibat.

Der offen schwule Bischof Gene Robinson: Seine Ernennung sorgte 2003 für Streit
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Der offen schwule Bischof Gene Robinson: Seine Ernennung sorgte 2003 für Streit


London - Die anglikanische Kirche in England hat offiziell bestätigt, dass sie das Verbot der Bischofsweihe für homosexuelle Priester in Lebenspartnerschaften aufhebt. Wie die Kirche in der Zeitung "Church Times" mitteilte, sollen künftig auch in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebende Priester Bischöfe werden können, solange sie versprechen, sexuell enthaltsam zu bleiben. Die Regelung trat nach Angaben eines Kirchensprechers unmittelbar in Kraft.

Über das Thema gab es in Englands Staatskirche seit 2003 Streit, nachdem der homosexuelle Theologe Jeffrey John zum Bischof der Stadt Reading im Südosten Englands ernannt worden war. Nach einem Proteststurm des konservativen Flügels der Kirche trat John zurück. 2010 zog er seine Bewerbung für das Bischofsamt der Londoner Diözese Southwark zurück, weil sich an seinem Bekenntnis zur Homosexualität abermals eine heftige Debatte entzündet hatte.

Ebenfalls 2003 war in den USA mit Gene Robinson ein anglikanischer Bischof geweiht worden, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannte. Auch dies hatte heftige Debatten ausgelöst. Robinson gilt als einer der einflussreichsten Kämpfer für die Gleichstellung schwuler Geistlicher. Am Samstag ging er in Rente.

Die Weihe von Frauen zu Bischöfinnen hatte die Generalsynode der anglikanischen Kirche im vergangenen November mit knapper Mehrheit generell abgelehnt - unabhängig von deren sexueller Orientierung. 1992 war die Weihe von Frauen zu Priesterinnen eingeführt worden. Mittlerweile sind ein Drittel der Geistlichen in der anglikanischen Kirche weiblich.

Heterosexuelle Priester müssen nicht enthaltsam leben

In Großbritannien können schwule und lesbische Paare seit 2005 ihre Partnerschaft eintragen lassen und dadurch von eheähnlichen Privilegien profitieren. Die anglikanische Kirche erlaubt ihren Geistlichen zwar gleichgeschlechtliche Partnerschaften, aber nicht eine eingetragene Partnerschaft oder Ehe. Im Dezember schlug die britische Regierung vor, gleichgeschlechtliche Ehen in kirchlichen Einrichtungen zu gestatten. Doch die Kirchen von England und Wales lehnten dies ab.

Von Geistlichen in heterosexuellen Ehen erwartet die anglikanische Kirche keine sexuelle Enthaltsamkeit. Der designierte Oberste Geistliche der Kirche, der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, der sein Amt im März antritt, ist fünffacher Familienvater.

Die Kirche von England, deren Oberhaupt offiziell die Queen ist, ist die größte Glaubensgemeinschaft in Großbritannien. Sie zählt nach eigenen Angaben rund 1,7 Millionen Gottesdienstbesucher im Monat. Etwa 40 Prozent der Engländer bekennen sich zum anglikanischen Glauben.

sto/AFP



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mk70666 05.01.2013
1. Diese Kirchen...
Zitat von sysopAPSymbolischer Erfolg für homosexuelle Geistliche: In der anglikanischen Kirche Großbritanniens können sie künftig die Bischofsweihe empfangen. Eine echte Gleichstellung bedeutet dies jedoch nicht - denn für sie gilt, anders als für ihre heterosexuellen Kollegen, der Zölibat. http://www.spiegel.de/panorama/anglikanische-kirche-laesst-schwule-bischoefe-zu-a-875881.html
Mir sind sexuelle Orientierungen und Glaube ja vollkommen egal, so lange man niemand anderen damit beeinträchtigt oder nötigt. Der "Erfolg der homosexuellen Geistlichen" sei Ihnen zwar gegönnt aber dennoch werde ich zu folgenden Gedanken genötigt: -Homosexuelle dürfen Bischof werden, Zölibat vorausgesetzt. -Frauen dürfen zwar Priester werden, aber nicht Bischof (nicht mal mit Zölibat). Daraus kann man folgern, dass Frauen etwas "Schlimmeres" als Homosexuelle sind!? Naja, mit Logik sind diese komische Kirchen sowieso nicht zu verstehen.
autocrator 05.01.2013
2. unsäglich
mal abgesehen von der unsäglichkeit und lächerlichkeit dieser entscheidung, die nichts anderes als die fortsetzung einer durch absolut nichts zu begründenden diskriminierung darstellt ... nein, die Queen ist nicht das "oberhaupt" der church of england, sondern deren "supreme governor", am nähesten wohl mit "höchster verwalter" zu übersetzen, wobei sich diese rolle gemäß der britisch-englischen verfasstheit darauf beschränkt, bischöfe zu ernennen, die ihr vom premierminister vorgeschlagen wurden, die wiederum in selbstrekrutierungs-bischofskonferenzen ausgesucht werden. es gibt ein gewisses primat als primus inter pares des erzbischofs von canterbury hinsichtlich theologischer spekulationen - damit hat sich's dann aber schon. Die nächste instanz ist die lambeth-conference ... eine eher krückige veranstaltung, da in ihr sämtliche tochter-kirchen der church of england vereinigt sind (church of scotland, wales southafrica usw.usf.), die jedoch allesamt ihre eigenen verfassungen haben und zum großteil die funktion des supreme governors gar nicht kennen. dass trotz all dieser strukturen die herr- und damschaften dieser allerchristlichten veranstaltungen über 2.500 jahre nach begründung der philosophischen logik ganz offenkundig nicht zu logischem denken fähig sind, sagt i.m.h.o. sehr viel über den geistigen zustand dieser angeblich hochgelahrten leute aus. dass staatlicherseits über 70 bzw. 210 jahre nach den erklärungen der menschenrechte die geäußerte, offene diskriminierung von menschen nicht per anzeige und strafbefehl verfolgt wird, sagt i.m.h.o. auch eine menge über den zustand und stellenwert der menschenrechte im ach so zivilisierten england aus.
jüttemann 05.01.2013
3. Eiertanz
Dieser Eiertanz der Anglikaner ist ein klassisches Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn eine christliche Kirche "ein wenig" nach dem Zeitgeist gehen will und dazu Bibelaussagen verbiegen muss, die nun einmal Homosexualität - aber eben nicht Homosexuelle! - ablehnen Weder Fisch noch Fleisch, nichts Halbes und nichts Ganzes.
Asirdahan 05.01.2013
4. ohne
Zitat von sysopAPSymbolischer Erfolg für homosexuelle Geistliche: In der anglikanischen Kirche Großbritanniens können sie künftig die Bischofsweihe empfangen. Eine echte Gleichstellung bedeutet dies jedoch nicht - denn für sie gilt, anders als für ihre heterosexuellen Kollegen, der Zölibat. http://www.spiegel.de/panorama/anglikanische-kirche-laesst-schwule-bischoefe-zu-a-875881.html
Das alles ist einfach nur lächerlich. Ich wundere mich nur, dass Homosexuelle und Frauen, also die Betroffenen, so einer Organisation nicht flugs den Rücken kehren. Glauben kann man auch ohne Kirche.
to5824bo 05.01.2013
5. Salamitaktik
Zitat von sysopAPSymbolischer Erfolg für homosexuelle Geistliche: In der anglikanischen Kirche Großbritanniens können sie künftig die Bischofsweihe empfangen. Eine echte Gleichstellung bedeutet dies jedoch nicht - denn für sie gilt, anders als für ihre heterosexuellen Kollegen, der Zölibat. http://www.spiegel.de/panorama/anglikanische-kirche-laesst-schwule-bischoefe-zu-a-875881.html
Man wird diese windelweichen Kompromisse wie jetzt bei den Anglikanern wohl nur verstehen, wenn man sich klar macht, das Homosexualität im allgemeinen und beim kirchlichen Personal im besonderen für die protest. Kirchen (auch hierzulande) ein vergleichsweise marginales Thema darstellt. Das Hauptproblem stellt die dramatisch geschwundene und schwindende Mitgliederschaft dar. Und deshalb fürchtet man eine Abspaltung der eigenen konservativen Lager weit mehr als inkonsequente (und manchmal auch faule) Kompromisse. Hauptsache zusammenbleiben. Dass homosexuelle Menschen damit weiterhin diskriminiert werden, nimmt man dafür billigend in Kauf. Und die fortschrittlichen kirchlichen Kräfte sehen es salamitaktisch: "Kleiner Teilsieg errungen - demnächst geht's weiter." Man muss das weder gut finden noch billigen. Aber es hilft zum Verstehen, und auf diese Weise sind eigentlich alle Fortschritte zum Thema Homosexualität zustande gekommen, die es seit ca. 40 Jahren in den protest. Kirchen ja durchaus gibt.
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