Angriff auf Team der "heute-show" Ken Jebsen nutzt Studio von attackierter TV-Produktionsfirma

Bei den Ermittlungen zum Angriff auf ein Kamerateam der "heute-show" gibt es womöglich eine neue Spur: Recherchen von SPIEGEL TV belegen eine Verbindung zwischen der betroffenen Produktionsfirma und Ken Jebsen.
Ausrüstung des Kamerateams nach Angriff am 1. Mai: Welches Motiv hatten die Täter?

Ausrüstung des Kamerateams nach Angriff am 1. Mai: Welches Motiv hatten die Täter?

Foto: Christoph Soeder/ dpa

Die Zentrale des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen gleicht einer Oase. Ein kleiner Weg führt durch den üppig bepflanzten Innenhof des Gebäudekomplexes in der Nähe der hippen Torstraße in Berlin-Mitte. An der Klingel steht "sector B", Jebsens Firma, darunter der Name einer Anwaltskanzlei. Die Adresse ist nicht einfach zu finden, offiziell sitzen die Macher der alternativen Medienplattform KenFM ganz woanders. Auch seinen bürgerlichen Namen versucht der KenFM-Chef seit Jahren zu verschleiern. Recherchen des SPIEGEL zeigen: Hinter dem Künstlernamen "Ken Jebsen" verbirgt sich der 1966 im Krefelder Stadtteil Hüls geborene Kayvan Soufi Siavash, ein Mann mit iranischen Wurzeln.

Als das Reporter-Team von SPIEGEL TV vor der Tür steht, ist einer von Jebsens Mitarbeitern sofort zur Stelle: "Einmal ausmachen!", sagt der junge Mann, dann schlägt er nach der Kamera. Mit den etablierten Medien sprechen Jebsen und sein Team nur ungern - dabei gäbe es gerade viel zu besprechen.

Für KenFM gleicht die Coronakrise einem Konjunkturprogramm. Jebsens Videos über angeblich dunkle Mächte, die die Pandemie für heimliche Pläne einer Weltherrschaft nutzen, werden millionenfach geklickt. Sein Hass auf das "Merkel-Regime", auf demokratisch gewählte Politiker, auf angeblich gleichgeschaltete Medien, kommt sowohl an rechten als auch an manchen linken Rändern gut an. Auf Demos von Corona-Skeptikern wird Verschwörungstheoretiker Jebsen gefeiert wie ein Star. Der ehemalige rbb-Journalist ist so etwas wie der Posterboy einer neuen Sammlungsbewegung, die auch immer mehr Bürger aus der Mitte der Gesellschaft auf die Straße treibt. Unbequem und mutig, so sehen Anhänger Jebsen und seine Thesen.

Warnung vor "heute-show"-Dreh

Wie aggressiv die Stimmung zum Teil ist, musste ein Kamerateam erfahren, das am 1. Mai auf einer sogenannten Hygienedemo an der Berliner Volksbühne für die ZDF-Satiresendung "heute-show" drehte. Eine Gruppe Vermummter attackierte das Team nach Drehschluss unvermittelt und auf brutale Art und Weise. Einem Tonassistenten traten die Angreifer ins Gesicht, auch eine Metallstange kam offenbar zum Einsatz. Mehrere Tatverdächtige rechnet die Polizei Berlin der radikalen linken Szene zu. Doch ein plausibles Motiv für die wohl gezielte Attacke auf Vertreter der Satiresendung fand sich bislang nicht.

Im Nachhinein auffällig ist ein Video von KenFM, in dem ein Mitarbeiter bereits einen Tag vor der Hygienedemo vor den geplanten Dreharbeiten der "heute-show" warnte. "Durch Zufall" habe man in Erfahrung bringen können, dass ein Kamerateam der Sendung vor Ort sein werde, heißt es in dem Video vom 30. April. Woher wusste KenFM von den geplanten Dreharbeiten der "heute-show"?

Ein Studio für Ken Jebsen

Recherchen von SPIEGEL TV legen eine bislang unbekannte Verbindung zwischen KenFM und der Produktionsfirma TV United offen, deren Kamerateam während des Drehs für die "heute-show" attackiert wurde. So zeigen interne Dokumente von KenFM, dass eine von Ken Jebsen moderierte Talkshow seit Jahren in einem Studio von TV United produziert wird. Nur einen Tag vor der Veröffentlichung des Videos, in dem auf KenFM auf die "heute-show-"Dreharbeiten hingewiesen wurde, fand dort die letzte Aufzeichnung von Jebsens Talkshow statt. Offenbar führte eine Indiskretion in den Reihen der Produktionsfirma dazu, dass das KenFM-Lager während der Arbeit im Studio von TV United Wind von dem Dreh für die "heute-show" bekam.

Auf Nachfrage, warum er das Studio ausgerechnet an Jebsen vermietet, antwortet TV-United-Geschäftsführer Harald Ortmann, dass Ken Jebsen nur einer von vielen Kunden sei. Eine Kündigung des Mietverhältnisses sei rechtlich kaum möglich. Ein Motiv für einen Angriff auf das Kamerateam ergebe sich aus der Geschäftsbeziehung zu Jebsen für ihn nicht, so Ortmann. Das LKA Berlin habe man am 4. Mai darüber informiert, dass Ken Jebsen das Studio nutze. Nach Informationen von SPIEGEL TV gehen Ermittler nun auch der Frage nach, ob die mutmaßlich linksradikalen Angreifer das Kamerateam gezielt angriffen, weil die Produktionsfirma mit Ken Jebsen zusammenarbeitet.

Mehr zu Ken Jebsen heute Abend bei SPIEGEL TV um 23:25 Uhr auf RTL.