Angst vor SARS Panikkäufe in Peking

In China sind inzwischen 106 Menschen der asiatischen Lungenkrankheit SARS zum Opfer gefallen. In der Hauptstadt Peking greift Panik um sich: Nach Gerüchten, Peking solle abgeriegelt werden, decken sich die Menschen voller Angst mit Lebensmitteln ein.



Peking - In den großen Supermärkten kauften die Menschen Reis, Mehl, Salz, Öl und vor allem Fertignudeln, wie das große Kaufhaus Carrefour berichtete. Auch die Supermarktkette Jingkelong bestätigte die Panikkäufe. Neben der Südprovinz Guangdong ist in China vor allem Peking vom Schweren Akuten Atemwegssydrom (SARS) betroffen.

Die internationale Automesse in Schanghai wird aus Furcht vor einer Verbreitung der asiatischen Lungenkrankheit vorzeitig beendet. Die Organisatoren berichteten am Mittwoch, die am Sonntag begonnene größte Automobilshow, die es je in China gab, schließe schon am Donnerstag ihre Pforten. Die "Auto China" sollte eigentlich bis Sonntag dauern. Mehr als 700 Unternehmen aus 20 Ländern hatten ihre neuesten Modelle vorgestellt.

Aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung wurden in Peking sämtliche Schulen geschlossen. Zunächst sollen die Schulen bis zum 7. Mai geschlossen bleiben, teilte die Bildungskommission mit. Ob die Schulen dann wieder geöffnet werden, "muss später entschieden werden". In Peking wurde auch die Kommunikationsuniversität des Nordens (Beifang Jiaotong Daxue) für einen Monat geschlossen. Andere Universitäten trafen Vorsichtsmaßnahmen, verkleinerten Klassen, führten Internetunterricht ein und begrenzten den Zugang.

In der Hauptstadt gibt es 588 bestätigte Fälle des Schweren Akuten Atemwegssyndroms. Die Behörden rechnen damit, dass von den 666 Verdachtsfällen "viele" bestätigt werden. In Peking sind bereits 28 Menschen an SARS gestorben. Zuvor hatten die Innere Mongolei und die Provinz Shanxi schon ihre Schulen geschlossen.

In China sind inzwischen 19 Provinzen, Regionen und Metropolen von der Lungenkrankheit betroffen. Bislang sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums landesweit 2305 Menschen erkrankt und 106 gestorben. Unter den Erkrankten sind 480 Angehörige des medizinischen Personals. Zuletzt waren innerhalb eines Tages mehr als 150 Ansteckungen neu berichtet worden. Von allen Erkrankten sind 1213 Patienten geheilt entlassen worden. In Hongkong stieg indes die Zahl der SARS-Todesfälle auf 105, erkrankt sind dort 1458 Menschen.

Die chinesische Regierung rief zu entschiedenen Maßnahmen und höchster Wachsamkeit auf. Eine dritte Gruppe von Untersuchungsteams wurde in elf Provinzen und Regionen entsandt. Gebiete mit bislang wenigen Fällen müssten sich auf einen Ausbruch der Krankheit vorbereiten, sagte Vizeministerpräsidentin Wu Yi.

SARS hat unterdessen in Kanada ein 15. Todesopfer gefordert. Wie das kanadische Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte, starb ein 64-jähriger Mann an der Krankheit. Da einige Patienten sich noch in kritischem Zustand befänden, sei mit weiteren Opfern zu rechnen. Kanada ist das außerhalb Asiens am stärksten von der Lungenkrankheit betroffene Land. Alle Todesfälle ereigneten sich in der Region Toronto. Es gibt nach Angaben des Ministeriums 324 Verdachtsfälle in Kanada.

Die Gesundheitsbehörden auf den Philippinen haben aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung von SARS ein ganzes Dorf unter Quarantäne gestellt. Die Behörden befürchten, die 845 Bewohner des Dorfes Vacante könnten mit einer inzwischen verstorbenen SARS-Patientin in Kontakt gekommen sein. Die Krankenschwester hatte sich nach einem Besuch in Toronto angesteckt und gilt als erstes SARS-Todesopfer der Philippinen. Sie hatte in Vacante gelebt, das 160 Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila liegt.

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