Tödlicher Schneesturm an Annapurna Dutzende sitzen noch immer im Himalaja fest

Nach einem heftigen Schneesturm im Himalaja mit mindestens 29 Toten sitzen noch immer mehrere Dutzend Wanderer in den Bergen fest. Ob auch Deutsche unter den Opfern sind, ist laut Auswärtigem Amt unklar.
Einsatzkräfte an Annapurna: Noch immer sitzen Dutzende Wanderer fest

Einsatzkräfte an Annapurna: Noch immer sitzen Dutzende Wanderer fest

Foto: AFP/ Nepal Army

Kathmandu - Drei Tage nach dem tödlichen Schneesturm im Himalaja sitzen noch immer mindestens 40 Wanderer in den Bergen im Zentrum Nepals fest. Die Regierung in Kathmandu schicke nicht ausreichend Helikopter, um sie ins Tal zu holen, sagte Devendra Lamichanne, Behördenchef des Distrikts Manang. "Die Menschen haben in Tee-Hütten im Manang High Camp und in Yak Kharka Unterschlupf gefunden und sind erst einmal sicher."

Auch die Armee könne mit ihren Hubschraubern nicht überall sein, weil sie an so vielen Stellen gebraucht werde, fuhr Lamichanne fort. Nach eigenen Angaben haben die Sicherheitskräfte bislang 215 Menschen gerettet. Sogar aus einer Höhe von 5400 Metern seien Wanderer herabgeflogen worden, darunter zwei Franzosen und ein Inder. Die Zahl der Toten wurden von den Behörden weiter mit 29 angegeben.

Ob auch Deutsche unter den Opfern sind, ist unklar. Zunächst hieß es, mindestens ein Bundesbürger sei gestorben. Dann kam die Meldung, es sei kein Deutscher ums Leben gekommen. Doch auch das ist offenbar nicht sicher.

"Die deutsche Botschaft in Kathmandu ist eingeschaltet und bemüht sich intensiv um Aufklärung", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Bislang gebe es keine verlässlichen Angaben. Der Schneesturm hatte die meisten Wanderer und Bergsteiger am Dienstag überrascht. Besonders betroffen waren Gruppen, die auf der mehrwöchigen Annapurna-Runde unterwegs waren.

"Schlagartig extrem windig"

Wie unvermittelt Wanderer dort vom Wetterumschwung getroffen wurden, beschrieb der nepalesische Bergführer Madan Kumar Thapa. Er habe sich innerhalb weniger Minuten entscheiden müssen, ob er sich im aufkommenden Schneesturm in den Wallfahrtsort Muktinath durchschlagen oder Zuflucht in einer Tee-Hütte suchen solle. "Es war schlagartig extrem windig geworden, und wir wussten wirklich nicht, ob wir bleiben oder weitergehen sollen", sagte der 26-Jährige.

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Gemeinsam mit seinem italienischen Begleiter schleppte sich Thapa mit letzter Kraft nach Muktinath - aber viele andere Wanderer blieben im pfeifenden Wind zurück. Unklar ist bislang, wie viele von ihnen noch unentdeckt unter den Schneemassen liegen.

Dabei hatte der Unglückstag mit strahlend blauem Himmel begonnen. "Als wir zum Thorang-Pass aufbrachen, war es sonnig", sagte Thapa. Doch beim Abstieg umfing die beiden plötzlich tiefe Dunkelheit. "Der Schnee machte uns blind. Irgendwo vor uns sahen wir zwei Esel mit Gepäck und folgten ihnen einfach, in der Hoffnung, dass sie den Weg kennen. Doch irgendwann hatten wir auch die Tiere verloren." Kurz vor Anbruch der Nacht erreichten sie trotzdem den Ort.

Zuflucht in winziger Hütte am Pass

Der israelische Medizinstudent Yakobh Megreli hingegen verbrachte die Unglücksnacht auf dem Berg. Zusammen mit anderen Israelis und Deutschen lag er ohne Wasser und Nahrung in einer winzigen Hütte am Pass. "Wir versuchten, nicht zu schlafen und nicht unterkühlt zu werden", sagte der 24-Jährige örtlichen Medien.

Am nächsten Morgen stand ihnen der Schnee bis zur Brust. Sie stapften los, versuchten, den Weg zu finden, der nur spärlich markiert ist. Es gebe wenige Schilder - und die meisten davon seien bis zur Unkenntlichkeit verwittert, berichtete die Zeitung "República". Die meisten Wanderer hätten auch keine Chance anzurufen, weil es in diesem Streckenabschnitt weder Telefonleitungen noch Funknetze gibt. Die Gruppe aus Deutschen und Israelis wurde nach mehreren Stunden von Helikoptern gefunden und in ein Krankenhaus gebracht.

Sie hatten Glück. "Der Weg ist schmal und führt einen Grat entlang", erklärt Bergführer Dutiman Rai, der den Weg gut kennt. "Wenn es heftig schneit, dann besteht die Gefahr von Lawinenabgängen, und man kann den Berg hinuntergerissen werden", sagt er.

Eigentlich sollte es im Oktober in der Gegend nicht schneien, und wenn, dann nur wenige Zentimeter. Der Wintereinbruch - die Folge eines Zyklons über dem Indischen Ozean - kam für die Wanderer überraschend. Auch Meteorologen hatten den Schneefall für die Region nicht kommen sehen. "Die Wetterlage war in diesem Jahr ganz anders als sonst", sagt Bhushan Tuladhar, Chef der Umweltbehörde in Kathmandu.

rls/dpa
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