Anschläge von London Polizei soll Rucksackbomber festgenommen haben

Neue Ermittlungserfolge für Scotland Yard: In Birmingham haben Fahnder vier Männer festgenommen, die in die Londoner Anschläge vom vergangenen Donnerstag verwickelt gewesen sein sollen. Unbestätigten Berichten zufolge handelt es sich bei einem der Verdächtigen um einen der Rucksackbomber.


London - Die Festnahme der vier Verdächtigen stehe im Zusammenhang mit den versuchten Anschlägen vom vergangenen Donnerstag und sei auf Grundlage der Anti-Terror-Gesetzgebung erfolgt, teilte Scotland Yard am Morgen mit. Die Männer seien an zwei unterschiedlichen Orten der Stadt festgenommen worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Bei der Festnahme eines Verdächtigen setzten die Polizisten auch ein Betäubungsgewehr ein. Er wurde danach in das Hochsicherheitsgefängnis Paddington Green in London gebracht. Nicht bestätigt wurden von der Polizei aber Medienberichte, wonach es sich bei einem der Festgenommenen um einen der vier Männer handeln soll, nach denen wegen der Anschläge der vergangenen Woche gefahndet wird. Die drei übrigen Verdächtigen wurden in Birmingham vernommen. Mit den Festnahmen in Birmingham stieg die Zahl der im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 21. Juli festgenommen Personen auf neun.

Davon unabhängig wurden schon am gestern Abend in Mittelengland zwei Personen in einem Zug wegen Terrorverdachts festgenommen. Ob es einen Zusammenhang zu den Ermittlungen wegen der Anschläge gab, war nicht klar. Die Polizei von Lincolnshire erklärte heute, der Zug sei auf dem Weg von Newcastle zum Londoner Bahnhof King's Cross gewesen. Er sei in Grantham angehalten worden, wo die beiden Männer festgenommen wurden.

Wie die Zeitung "Times" unter Berufung auf Scotland Yard berichtete, befürchten die Ermittler weiterhin, dass die Terroristen erneut zuschlagen könnten. Die Polizei stellte außerdem ein Auto sicher, an dem sich Fingerabdrücke eines der Attentäter befinden könnten.

Die beiden mutmaßlichen Terroristen Muktar Said Ibrahim, 27, und Yasin Hassan Omar, 24, die am Montag von der Londoner Polizei identifiziert worden waren, kamen nach Angaben des Innenministeriums schon 1992 als Kinder afrikanischer Asylbewerber nach Großbritannien.

"Mutig und furchtbar"

Der 27-Jährige hat seit vergangenem Jahr einen britischen Pass, der andere verfügt über eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis. Omar stammt nach den Angaben aus Somalia, Ibrahim aus Eritrea. Die Eltern Ibrahims zeigten sich entsetzt darüber, dass ihr Sohn möglicherweise ein Attentäter ist. Sie erklärten gestern in einer Stellungnahme, sie hätten unverzüglich die Polizei verständigt, nachdem sie die Aufnahmen ihres Sohnes gesehen hätten. Dies zu tun, sei für Eltern "mutig und furchtbar", sagte Polizeichef Ian Blair.

In Omars Wohnung in einem Nord-Londoner Hochhaus fand die Polizei gestern Chemikalien, "eine große Menge möglichen Sprengstoffs", wie die BBC unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete. Ibrahim und Omar sind ebenso wie ihre beiden noch nicht identifizierten Komplizen untergetaucht und könnten sich nach Berichten irgendwo in London verstecken. Sie hatten am vergangenen Donnerstag versucht, Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus zu zünden, was aber nicht funktionierte. Eine fünfte Bombe wurde später in einem Londoner Park gefunden.

Ein jugendlicher Raufbold

Ibrahim hat laut einem Bericht der "Daily Mail" wegen Raubüberfalls mehrere Jahre in Haft gesessen und ist erst dort zum Extremisten geworden. Frühere Bekannte des Verdächtigen beschrieben den Mann als jugendlichen Raufbold, der schon früh anfing, gemeinsam mit seiner Gang Leute auf der Straße mit dem Messer zu bedrohen und auszurauben. Wegen einer Serie von Raubüberfällen seien er und vier weitere Gangmitglieder 1996 verurteilt worden.

Weil er mit fünf Jahren Haft wegen Messerbesitzes die höchste Strafe erhalten habe, sei er völlig verbittert. Während seiner Zeit im Jugendstrafvollzug habe sich Ibrahim dem radikalen Islam zugewandt. In der Moschee von Finsbury Park im Norden Londons sei er weiter indoktriniert worden. Dem Zeitungsbericht zufolge zog er vor zwei Jahren gemeinsam mit Omar in die mit staatlichen Hilfen bezahlte Wohnung im Norden Londons, in der sie später die Bomben für die fehlgeschlagenen Anschläge vom 21. Juli gebastelt haben sollen.

Trotz seiner Vorstrafe habe Ibrahim, der mit 14 Jahren aus Eritrea nach Großbritannien gekommen war, im vergangenen Jahr die britische Staatsbürgerschaft erhalten. Eine Nachbarin erinnerte sich in der "Daily Mail" an ein Gespräch mit ihm vom vergangenen November: "Er sagte mir, wenn er Allah preist, dann werden ihn im Himmel 80 Jungfrauen erwarten."



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