Anschlag auf Königin Beatrix Fernsehzuschauer verlangen Schmerzensgeld

Notwendige Wiedergutmachung oder leicht verdientes Geld? Etliche Niederländer, die vor drei Monaten den blutigen Anschlag auf ihre Königin im Fernsehen verfolgt haben, wollen dafür jetzt finanziell entschädigt werden. Es droht ein Präzedenzfall.

Amsterdam - Unter Hinweis auf angeblich erlittene Schocks, Angstzustände oder andauernde Traumata haben die Betroffenen entsprechende Forderungen bei einer Versicherung und Anwälten eingereicht, wie niederländische Zeitungen berichteten.

Dabei machten sogar Antragsteller, die lediglich später das Attentatsvideo im Internet angeschaut haben, seelische Schäden geltend und forderten Wiedergutmachung, meldete das "Algemeen Dagblad". Die Versicherungsgesellschaft Reaal werde mit derartigen Anträgen geradezu "überschwemmt", sagte der Dozent für Privatrecht an der Freien Universität Amsterdam, Arno Akkermans. Bislang sei kein Geld geflossen.

Die Versicherung bestätigte, dass solche Anträge gestellt wurden, wollte aber keine Zahlen nennen. Akkermans sagte, dies sei ein "Testfall". Es müsse bestimmt werden, wo die Grenzen des verbrieften Rechtes auf Opferentschädigung liegen. "Schließlich haben Millionen Menschen das Geschehen am Fernseher verfolgt."

Der Direktor der niederländischen Organisation für Opferhilfe, Jaap Smit, nannte die Forderungen "ungebührlich". "Dafür sind Regelungen zur Unterstützung von Opfern wirklich nicht gedacht."

Vor laufenden Fernsehkameras war am 30. April in der Stadt Apeldoorn ein Attentäter während des Festumzugs zum Königinnentag mit seinem Kleinwagen auf den offenen Bus der Monarchin zugerast. Dabei tötete er sieben Zuschauer, elf wurden verletzt.

Der 38-Jährige starb an den Folgen von Schädelverletzungen, sein Auto war auf ein Denkmal geprallt. Die königliche Familie hatte das Geschehen von ihrem Bus aus mit sichtlichem Entsetzen verfolgt.

jdl/dpa
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