Anschlagspläne auf Synagoge in Hagen 17-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt

Ein Minderjähriger, der einen Bombenanschlag auf die Hagener Synagoge geplant haben soll, muss nicht ins Gefängnis. Er hatte noch keine konkreten Maßnahmen getroffen. Die Richter verhängten eine Bewährungsstrafe.
Eingang zum Landgericht in Hagen

Eingang zum Landgericht in Hagen

Foto: Marius Becker/ DPA

Das Landgericht Hagen hat einen aus Syrien stammenden Jugendlichen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, weil er eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet hat.

Dem Gericht zufolge hatte der 17-Jährige gestanden, Pläne für einen Bombenanschlag auf das jüdische Gotteshaus in Hagen gehabt zu haben. Allerdings habe er keine konkreten Maßnahmen ergriffen. Auch habe es keinen konkreten Zeitpunkt für den Anschlag gegeben, hatte der Angeklagte erklärt.

Der 17-Jährige habe lediglich »bereit sein wollen, wenn Kabul bombardiert worden wäre oder bei einem Angriff westlicher Alliierter auf Ziele in Afghanistan Zivilisten ums Leben gekommen wären«, heißt es in einer Erklärung des Gerichts. Nach den Feststellungen der Kammer hatte der Teenager auch keine für den Bau einer Bombe benötigten Materialien gekauft.

Der Minderjährige muss sich laut Urteil in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe behandeln lassen, in die er unmittelbar nach der Urteilsverkündung überführt wurde.

Am 15. September 2021, zum jüdischen Feiertag Jom Kippur, hatte es in Hagen wegen einer »islamistisch motivierten Bedrohungslage« einen Großeinsatz der Polizei an der Synagoge gegeben. Eine Hundertschaft war im Einsatz, der Bereich um das Gebäude weiträumig abgesperrt.

Der damals 16-jährige Tatverdächtige wurde festgenommen. Das Verfahren gegen ihn begann Ende Februar. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der jetzt Verurteilte hat die syrische Staatsangehörigkeit und kam nach SPIEGEL-Informationen im Frühjahr 2015 im Rahmen einer Familienzusammenführung über Beirut nach Deutschland. Die Vorwürfe gegen ihn stützten sich auf Dateien und Telegram-Nachrichten, die auf seinem Handy gefunden wurden. So soll er eine Person mit dem Aliasnamen »Abu Harb« um Anleitungen für den Bau einer Bombe gebeten haben. »Abu Harb« stammte mutmaßlich aus dem Umfeld des »Islamischen Staates« (IS).

ala/dpa
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