Anthrax-Attacken in den USA Dienstaufsichtsbeschwerde gegen US-Justizminister

Der Virologe und Biowaffenexperte Steven J. Hatfill, Verdächtiger im Zusammenhang mit den Milzbrandattacken in den USA, geht in die Gegenoffensive. Er reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Justizminister Ashcroft und führende FBI-Ermittler ein. Sein Vorwurf: Belästigung, falsche Anschuldigung und Bruch der Privatsphäre.
Von Martin Dommer

Nachdem US-Justizminister John Ashcroft den Biowaffenexperten im Zusammenhang mit den Milzbrandattacken im Herbst 2001 öffentlich als "Person von Interesse" bezeichnete, ist der 48-Jährige Hatfill immer tiefer in den Strudel der Ermittlungen geraten. Sein Haus in Alexandria, Virginia, wurde bereits dreimal durchsucht, ohne Erfolg. US-Medien zerrten jedes Detail aus seinem Leben an die Öffentlichkeit. Er wurde zum Medienstar wider Willen. Ein Fernsehsender etwa berichtete, das FBI habe auf Hatfills Festplatte ein Romanmanuskript gefunden, das von einem Terroristen handelt, der Anthrax in Briefen verschickt.

Fünf Menschen sind bis heute an Milzbrand gestorben

Vier Milzbrandbriefe wurden damals im Herbst 2001 sichergestellt, die alle in Trenton, New Jersey, aufgegeben wurden. Die ersten wurden mit Poststempel vom 18. September an die "New York Post" und den Fernsehsender NBC geschickt, die beiden anderen sind vom 9. Oktober und wurden an die Senatoren Tom Dashle und Patrick Leahy gesendet. Insgesamt starben fünf Menschen an einer Milzbrandinfektion. Nach Behördenangaben waren sechs weitere Personen an Lungenmilzbrand erkrankt, elf Personen erlitten Hautmilzbrand.

Steven Hatfill arbeitete ab 1999 als Virologe in einem medizinischen Forschungsinstitut der US-Armee für ansteckende Krankheiten in McLean, Virginia - dem Labor also, das als möglicher Herkunftsort der Milzbranderreger gilt. Der FBI-Mann entspricht offenbar genau dem Profil, das sich das FBI vom Anthrax-Terroristen erstellt hat: US-Bürger oder längst integrierter Einwanderer, Einzelgänger mit Erfahrung in der Biowaffenforschung, speziell mit Anthrax.

Zwar beteuerte Hatfill immer wieder, er sei als Virologe in dem Institut nicht unmittelbar mit dem Milzbrand-Bakterium befasst gewesen, dennoch entzog ihm das Verteidigungsministerium das Sicherheits-Zertifikat und er verlor kurz darauf seinen Arbeitsplatz. Ab Juni letzten Jahres war er dann an der Lousiana State Universität angestellt, um Kurse über Bioterrorismus zu geben. Nach den öffentlichen Durchsuchungen seiner Wohnung musste er auch dort seinen Hut nehmen.

Das Privatleben des Biowaffenexperten ist zerstört

"Dr. Hatfill hat mit den schrecklichen Anthrax-Anschlägen nichts zu tun", sagte sein Anwalt Thomas Conally zu CNN. "Es gibt keine Beweise die ihn mit den Taten in irgendeinen Zusammenhang bringen würden und dennoch haben der Justizminister und seine Untergebenen stets versucht meinen Mandanten zum Sündenbock zu machen. Dabei haben sie seine von der Verfassung garantierten Bürgerrechte missachtet und sein Leben zerstört."

Hatfill wirft Justizminister Ashcroft in der Beschwerde unverantwortliches und unprofessionelles Verhalten vor. Das FBI habe versucht ihn einzuschüchtern, und zum Zielobjekt einer Verleumdungskampagne gemacht, indem es gezielt Informationen an die Medien durchsickern ließ. Seine Privatsphäre sei mehrfach verletzt und seine Bürgerrechte missachtet worden, etwa indem man ihm faktisch die Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt verdienen zu können, genommen habe.

Hatfill sucht inzwischen vermehrt Kontakt zu den Medien, die ihn immer wieder dämonisieren, und versucht Liberale und Bürgerrechtler auf seine Seite zu ziehen. "Mein Leben wird zerstört von Bürokraten. Ich habe Herrn Ashcroft nie getroffen. Ich kenne ihn nicht. Und ich verstehe nicht, warum er mich auf dem Kieker hat", sagte Hatfill gegenüber Pressevertretern.

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