Anti-Kriegs-Demonstrationen Massenproteste in den USA

Seit dem Vietnam-Krieg hat die Welt so etwas nicht erlebt: Millionen Menschen gingen gegen einen drohenden Krieg auf die Straße. Auch in den USA demonstrierten Hunderttausende gegen die Politik der Regierung Bush.


Proteste in Prag: George W. Bush als lächelnder Totenkopf
AP

Proteste in Prag: George W. Bush als lächelnder Totenkopf

London/Berlin - New York - Die größte von rund 150 Kundgebungen der Friedensbewegung fand in New York statt. Dort versammelten sich am Sonnabend in der Nähe des Uno-Hauptquartiers nach Polizeiangaben 100.000 Demonstranten - die Veranstalter sprachen dagegen von 375.000 bis 500.000 Teilnehmern. Zu den Rednern der New Yorker Kundgebung gehörten die Sänger Harry Belafonte und Pete Seeger sowie Hollywod-Star Susan Sarandon. Insgesamt verlief die Demonstration friedlich. Ein berittener Beamter wurde nach Angaben der Polizei von seinem Pferd gezogen und geschlagen. 50 Demonstranten wurden festgenommen. Weitere Demonstrationen gab es von Maine im Osten bis zur Pazifikinsel Hawaii im äußersten Westen der USA, von Miami im Süden bis Chicago im Norden. In Colorado Springs ging die Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten vor, die in der Nähe eines Luftwaffenstützpunkts eine Hauptstraße blockierten. Mindestens zwei Demonstranten wurden verletzt, mehrere festgenommen. Auf dem Hollywood Boulevard in Los Angeles mischten sich die Schauspieler Martin Sheen and Mike Farrell sowie der Regisseur Rob Reiner unter die Demonstranten, deren Zahl von der Polizei auf 30.000, von den Veranstaltern auf 100.000 geschätzt wurde. In San Francisco wurde die Demonstration wegen eines Umzugs zum chinesischen Neujahrsfest um einen Tag verschoben. In Philadelphia beteiligten sich Quaker schweigend an einem Protestmarsch.


Demonstranten in Seoul Eine kostümierte Frau demonstriert in Stuttgart Demonstranten in der pakistanischen Stadt Rawalpindi

Klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen



Zuvor waren Millionen Menschen auf der ganzen Welt gegen einen Irakkrieg auf die Straßé gegangen. Von Kapstadt bis Kopenhagen, von Melbourne bis New York, in Berlin, London, Rom, Hongkong, Athen, Seoul und vielen anderen Städten hieß es überall: "Kein Krieg in Irak - Kein Blut für Öl" hieß das Motto der weltweiten Protestwelle. "Die ganze Welt ist gegen diesen Krieg. Nur eine Person will ihn", sagte eine junge Demonstration in Kapstadt, mit der einen Person meinte sie den US-Präsidenten George W. Bush.


Die Demonstration in London war vermutlich die größte Friedenskundgebung der Stadtgeschichte Vermummter Demonstrant in Kapstadt Eine Ägypterin auf einer Demonstration in Kairo

Klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen



Zu den weltweit größten Demonstrationen seit dem Vietnam-Krieg war in über 600 Städten aufgerufen worden. In Berlin fand die größte Friedenskundgebung in der Stadt seit der Gründung der Bundesrepublik statt. Zunächst hatten die Veranstalter lediglich 100.000 Demonstranten erwartet. Nach Polizeiangaben versammelten sich am Kundgebungsplatz bis zu 500.000 Menschen, darunter auch mehrere Bundesminister und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Demonstranten trugen Plakate und Transparente mit Aufschriften wie: "Kein Bush-Feuer, sonst Flächenbrand" oder "Nein zum Irak-Krieg".


Friedensaktivisten in Hongkong In Budapest bildeten Tausende eine "Kette des Friedens" Auf dem Dam-Platz in Amsterdam versammelten sich Tausende Menschen

Klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen



In Rom gingen über eine Million Menschen auf die Straße und hüllten die Stadt in ein Meer von Fahnen in Regenbogenfarben. Die Organisatoren sprachen sogar von über drei Millionen Menschen - was dann weltweit überhaupt die größte Friedensdemonstration gewesen sein dürfte. Die Polizei erklärte, es sei zu schwierig, eine Zahl abzuschätzen. Bei der Kundgebung in Madrid sprachen die Veranstalter von mindestens einer Million Teilnehmern. In Bilbao im Baskenland waren es rund 100 000 Demonstranten. Protestmärsche mit oftmals Zehntausenden Teilnehmern gab es in insgesamt 55 Städten.

500.000 Menschen demonstrierten rund ums Brandenburger Tor
DPA

500.000 Menschen demonstrierten rund ums Brandenburger Tor

In Paris versammelten sich Zehntausende am Place de la Bastille. Und in London kamen nach Schätzungen der Organisatoren mehr als 1,5 Millionen Menschen, die Polizei sprach von mehreren Hunderttausend. Die Regierung wolle den Krieg, nicht die britische Bevölkerung, sagte ein Demonstrant in London. Es gehe Bush nur ums Öl, sagte Londons Bürgermeister Ken Livingstone.

Zum Auftakt der weltweiten Proteste gegen einen Irak-Krieg waren bereits am Freitag in Melbourne rund 150.000 und am Samstag in Canberra rund 16.000 Australier auf die Straße gegangen. Auch viele Ländern Asiens fanden Friedenskundgebungen statt. "Wir stehen am Rande des Dritten Weltkriegs", sagte eine japanische Hausfrau, die in Tokio für Frieden demonstrierte.

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.