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Apple Watch Smart, aber auch sexy?

Die Apple Watch ist da - und ihr Design verwirrt. Zu männlich, zu futuristisch sei das neue Gerät, mäkeln Kritiker und wittern bereits Absatzschwierigkeiten bei den Damen.

Los Angeles - Sie sei "das persönlichste Gerät, das wir je entwickelt haben", sagte Konzernchef Tim Cook bei der Präsentation der Apple Watch im kalifornischen Cupertino. 349 Euro soll die Armbanduhr kosten, die so viel mehr als das sein soll. Auf den Markt kommt sie 2015.

Doch die Meinungen zu dem Gerät sind geteilt. Fans der Marke preisen Form und Ästhetik; Modeblogger bemängeln, die Uhr habe eine "männliche Aura", was die Faszination in stilbewussten Kreisen in Grenzen halten werde. Zudem sei das Design zwar gefällig, aber bei weitem nicht so revolutionär wie angekündigt.

Roseanne Morrison, Mode-Chefin der Doneger-Gruppe, die Modeunternehmen berät, zeigte sich enttäuscht: "Die Uhr ist nicht schön", so ihr knappes Urteil. "Sie ist eher futuristisch, ganz das Gegenteil von feminin und sexy."

Tatsächlich sieht die Apple Watch auf den ersten Blick aus wie eine traditionelle Uhr, mit einem quadratischen Display. Es gibt an der Seite eine Krone, die gedreht und gedrückt werden kann, eine Reminiszenz an den Aufzug mechanischer Uhren.

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Präsentation: Die Apple Watch ist zu männlich

Foto: Monica Davey/ dpa

Es wird drei Varianten der Smartwatch geben: Sport, Standard und die vergoldete Luxus-Ausgabe. Armbänder gibt es in jeder unzähligen Formen und Farben. Die Uhr erkennt Stimmbefehle und verfügt über Sensoren, die etwa die Herzfrequenz messen können. Es geht also um Telefonieren, Nachrichten diktieren, Fitness-Daten sammeln.

Zwar sagen auch Design-Experten, dass die Apple Watch immer noch besser aussieht als die Modelle, die Samsung und LG bereits herausgebracht haben. Die wurden als klobig und wenig ansprechend verrissen. Doch Konkurrenten wie etwa Motorola mit seiner Moto 360 können es vom Design her mit Apple aufnehmen.

"Nicht so cool, wie ich befürchtet habe"

Eric Wilson, Modeexperte vom InStyle Magazine, betonte, Apple müsse in Zukunft auch mit Mitbewerbern aus dem Bereich der Luxusuhrenhersteller wie Rolex rechnen. Auch der Schweizer Konzern Swatch entwickelt derzeit eine Uhr mit intelligenten digitialen Features. "Das war jetzt nicht so cool, wie ich befürchtet habe", sagte der Uhrenmarkt-Spezialist Jon Cox von Kepler Cheuvreux in Zürich. "(Swatch-Chef) Nick Hayek wird heute Nacht wahrscheinlich gut schlafen können."

"Die Apple Watch wird ein Statussymbol sein", sagt Wilson. Aber auch er ist überzeugt, dass die Uhr "sehr maskulin" ist. Einige Frauen hätten Befürchtungen, dass die doch recht breite Uhr nach dem Sonnenbaden Streifen hinterlassen könne, sagte Sonny Vu, Geschäftsführer des Unternehmens Misfit Wearables, das Monitore als Kettenanhänger oder Armbänder vertreibt. Andere hätten eine sehr emotionale Verbindung zu ihrer Uhr, die sie häufig seit Jahren tragen.

Die British Vogue hingegen jubelte, Apples neues Gadget sei "makellos", was die Verbindung von Funktion und Design betreffe. Apple-Geräte werden traditionell als stylish gehypt - mit der neuen Uhr produziert das Unternehmen nicht nur Technik, sondern auch ein modisches Accessoire. "Tragbare Technologie" war eines der Top-Themen auf der New Yorker Fashion Week.

Derzeit wird vor allem der optische Eindruck der Uhr diskutiert: Auf der Präsentation der Apple Watch wurden die Uhren eher selten aus der Hand gegeben, sondern von Apple Angestellten vorgeführt. US-Sängerin Gwen Stefani beschwerte sich laut Nachrichtenagentur Reuters, es sei ihr untersagt worden, mit den Uhren zu spielen.

ala/Reuters