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25. November 2011, 14:20 Uhr

Artgerechte Haltung

Bundesrat fordert Wildtierverbot in Zirkussen

Zirkusse sollen nach dem Willen des Bundesrates keine Wildtiere mehr halten dürfen. Der Länderkammer zufolge können die Betriebe beispielsweise bei Elefanten oder Giraffen nicht für eine artgerechte Haltung sorgen. Die Forderung ist für die Bundesregierung nicht bindend.

Berlin - Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner, Flusspferde und Primaten sollen nach Ansicht des Bundesrats künftig nicht mehr im Zirkus gehalten werden dürfen. Die Länderkammer stimmte am Freitag einem Antrag der Länder Hamburg und Rheinland-Pfalz zu. Danach soll das Halten von Tieren wildlebender Arten in Zirkusbetrieben verboten werden. Den Tieren, die den Großteil ihres Lebens im Transportwagen verbrächten, fehle die notwendige selbstbestimmte Bewegung. Dies führe häufig zu Erkrankungen und Verhaltensstörungen und auch zu Todesfällen.

In dem Beschluss des Bundesrats heißt es, die Erfahrung habe gezeigt, dass unter den Bedingungen eines reisenden Unternehmens eine artgerechte Haltung von Wildtieren "praktisch nicht möglich ist". Im Falle eines Verbots sollen bereits vorhandene Tiere den Zirkusbetreibern aber nicht sofort weggenommen werden, stattdessen soll eine Übergangsfrist gelten. Das Einschläfern von Tieren aufgrund schlechter Haltungsbedingungen sei nur im Ausnahmefall ethisch vertretbar.

Der Bundesrat hatte bereits 2003 die Bundesregierung aufgefordert, die sogenannte Verordnungsermächtigung im Tierschutzgesetz auszuschöpfen und die Haltung der genannten Tierarten im Zirkus zu verbieten. Die Bundesregierung, für die Entschließungen des Bundesrates nicht bindend sind, kam dem aber nicht nach und verwies auf verfassungsrechtliche Bedenken. Die etwa zehn größeren, einige mittlere und Kleinstzirkusse sowie 250 mitreisende Unternehmen werden seit 2008 über ein Zentralregister überwacht.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Gerd Müller (CSU), rief die Länder auf, die Verordnung konsequenter umzusetzen. Müller verwies darauf, ein Wildtierverbot beeinträchtige die Grundrechte von Zirkusbetreibern und Tiertrainern. Damit ein Verbot auch gerichtlich Bestand haben könne, brauche es aber Fakten. Aus den Ländern seien auf Nachfrage des Ministeriums hierzu aber keine konkreten Rückmeldungen gekommen.

Das Landwirtschaftsministerium zeigte sich grundsätzlich offen für ein Verbot. Die Haltung von Tieren in Zirkusbetrieben stelle eine besondere Herausforderung dar, sagte ein Sprecher. In letzter Instanz sei auch ein Verbot bestimmter Wildtiere in Zirkusbetrieben denkbar.

ulz/dapd/dpa/AFP

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