Aschaffenburg Explosion von Fliegerbombe gibt Rätsel auf

Bei Bauarbeiten auf der A3 ist in der Nähe von Aschaffenburg eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert. Bei dem Unglück kam ein Mann ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Experten rätseln nun darüber, wie es zu der Detonation kommen konnte.

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Hamburg - "Es ist ein Rätsel, wieso die Bombe nicht beim Bau der Autobahn 1958 entdeckt worden ist", sagt der Präsident der Autobahndirektion Nordbayern, Karl Wiebel, zu SPIEGEL ONLINE. Das Unglück ereignete sich gegen 10.45 Uhr im Bereich neben dem Seitenstreifen der A3 zwischen den Ausfahrten Aschaffenburg-West und Aschaffenburg-Ost. An dieser Stelle soll die Fahrbahn ausgebaut und um drei Meter verbreitert werden.

Explosion einer Fliegerbombe auf der A3: Wie genau es zur Explosion kommen konnte, ist noch unklar
DDP

Explosion einer Fliegerbombe auf der A3: Wie genau es zur Explosion kommen konnte, ist noch unklar

Die Fräsmaschine sollte den Untergrund für den Ausbau der Strecke präparieren, indem sie Zement in den Untergrund einmischte, so Wiebel weiter. Bei der Explosion wurde das Baufahrzeug in die Luft katapultiert und in zwei Teile gerissen. "Wenn man beim Bau des Abschnitts vor fast 50 Jahren nur 20 Zentimeter tiefer gegraben hätte, wäre die Bombe schon damals explodiert. Warum die Bombe so nah unter der Oberfläche lag, ist im Moment noch völlig unklar."

Zunächst gingen Experten davon aus, dass es sich bei dem Blindgänger um eine Granate handele: "Die geringe Fundtiefe von weniger als einem Meter deutet darauf hin, dass es sich um eine Granate handelt und nicht um eine Bombe. Bomben werden häufig in mehreren Metern Tiefe gefunden", erklärte Josef Bayer, der als Sprengmeister für das Sprengkommando München arbeitet. Es sei wahrscheinlich, dass die Fräse Wärme freigesetzt habe und die Reaktion so ausgelöst worden sei. Denkbar sei allerdings auch, dass eine mechanische Reaktion die Explosion verursacht habe.

Die englische Fliegerbombe befand sich unmittelbar am Rand der Asphaltierung der Fahrbahn. Wiebel sagt, er gehe davon aus, dass man sich vor Baubeginn über eventuelle Blindgänger informiert habe. "Für die Entschärfung von Blindgängern ist bei Baumaßnahmen der Bauherr verantwortlich", sagt Rainer Riedl vom Bayerischen Innenministerium. Zur Verortung von Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg werden unter anderem historische Luftbilder und Metalldetektoren eingesetzt.

"Man kann allerdings nicht sagen, dass man einen Blindgänger hätte finden können oder müssen - vor allem nicht, wenn es sich um einen einzelnen Blindgänger handelt. Es ist nicht leicht, Beton abzusuchen, und eine flächendeckende Suche ist sehr kostenintensiv", so Bayer. Die Orte, die für die militärische Strategie im Zweiten Weltkrieg wichtig gewesen sind, seien aber in der Regel bekannt, so dass es unwahrscheinlich scheint, dass es in der unmittelbaren Nähe weitere Bomben gefunden würden.

"Wie tief eine Bombe eingeschlagen ist, hängt von dem Aufbau des Bodens und der Tiefe der Kiesschicht ab", erklärt der Sprengmeister. Wie viele Blindgänger noch unversehrt in Deutschland im Boden liegen, könne man nicht sagen: "Ich denke, man wäre mehrere Jahre damit beschäftigt."

Einheitliche Vorschriften, wie intensiv vor dem Beginn von Bauarbeiten nach Blindgängern geforscht werden muss, bestehen in Deutschland nicht. Vor allem in Großstädten, entlang wichtiger Verkehrsadern und in industriellen Ballungsräumen muss mit Blindgängern gerechnet werden.



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