Tödliches Zugunglück in Unterfranken Angeklagter soll laut Zeuge am Handy gespielt haben

»Er hat es nicht mitbekommen«: Nach einem Zugunglück mit zwei Toten hat ein Zeuge den angeklagten Sicherheitsbeauftragten belastet. Der 29-Jährige sei privat beschäftigt gewesen und habe am falschen Ort gestanden.
Angeklagter im Amtsgericht Aschaffenburg: Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Angeklagter im Amtsgericht Aschaffenburg: Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Im Prozess um ein tödliches Zugunglück in Unterfranken hat ein Kollege des Angeklagten ausgesagt, dass sich der 29-Jährige zum Unglückszeitpunkt mit seinem Telefon beschäftigt habe. »Er war am Handy, als der Zug kam«, sagte der 26 Jahre alte Zeuge vor dem Amtsgericht Aschaffenburg.

Zudem habe der als Sicherheitsaufsichtskraft eingesetzte Verdächtige nicht auf seinem zugeteilten Posten an der Bahnstrecke gestanden, um die in Gleisnähe arbeiteten Männer vor Zügen zu warnen oder die Strecke sperren zu lassen.

Zwei Arbeiter getötet

Der Angeklagte soll bei den Bauarbeiten an der bayerisch-hessischen Landesgrenze zwischen Mainaschaff und Stockstadt am Main als Aufsichtsperson seine Pflichten verletzt haben – die Anklage wirft ihm fahrlässige Tötung vor. Zwei Arbeiter wurden bei dem Unglück am 1. September 2020 von einer Regionalbahn erfasst und getötet.

»Er (der Angeklagte) hat es am Anfang nicht mitbekommen, dass ein Zug auf meiner Seite kam«, sagte der Zeuge, der am Unfalltag als Sicherungsposten eingesetzt war. Eigentlich hätte der 29-Jährige zu diesem Zeitpunkt auf der gegenüberliegenden Seite stehen müssen. »Genau in diesem Moment kam von der anderen Seite auch ein Zug« – dies habe der Angeklagte nicht bemerkt.

»Er bedauert seine Fehlentscheidung«

Als der Güterzug und die Regionalbahn weg gewesen sein, »habe ich gesehen, dass zwei Leute auf dem Boden liegen«, schilderte der 26-Jährige. »Als die zwei gestorben sind, hat er (der Angeklagte) das gar nicht mitbekommen.«

Der Angeklagte hatte über seinen Verteidiger von einem fatalen Fehler am Unglückstag gesprochen. »Er bedauert seine Fehlentscheidung an dem Tag auch ganz extrem«, sagte Rechtsanwalt Christian Giloth am Mittwoch zu Prozessauftakt vor dem Amtsgericht Aschaffenburg.

Lokführer will Job wechseln

Der damalige Lokführer hat nach dem Unglück Zweifel an seiner Arbeit. »Ich bin gerade dabei, den Job zu wechseln«, sagte der 32-Jährige vor dem Amtsgericht. Er habe kein Vertrauen mehr »in das ganze System der Bahn«, auch weil er später Zeuge eines Beinaheunglücks geworden sei, bei dem ein Fahrdienstleiter Fehler gemacht habe. »Ich will auf jeden Fall nichts mehr mit der Bahn zu tun haben.« Bisher sei er noch bei der Hessischen Landesbahn angestellt. Was er künftig machen wolle, wisse er noch nicht.

»Ich bin ein sehr pingeliger Mensch geworden. Ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch geworden«, sagte der Lokführer. »Ich habe einfach kein Vertrauen mehr in alles.« Dass er die 22 und 34 Jahre alten Arbeiter mit der Regionalbahn auf der Strecke an der bayerisch- hessischen Landesgrenze erfasste, habe er gar nicht mitbekommen, lediglich ein Geräusch gehört.

ala/dpa

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