Aschermittwoch-Messe Das wünschen wir uns vom Papst

Die Fastenzeit beginnt - und Benedikt XVI. zelebriert seine wohl letzte große liturgische Feier vor seinem Rücktritt vom Amt des Papstes. Welche Botschaft sollte von der Messe des 85-Jährigen ausgehen? Gläubige, Laienbewegungen und Kirchenkritiker nennen ihre Wünsche.
Benedikt XVI.: Vor seiner letzten großen liturgischen Zeremonie als Papst

Benedikt XVI.: Vor seiner letzten großen liturgischen Zeremonie als Papst

Foto: FILIPPO MONTEFORTE/ AFP

Noch gut zwei Wochen, dann ist das Pontifikat Benedikt XVI. Geschichte. Am Mittwochnachmittag um 17 Uhr hält der Papst die vermutlich letzte große liturgische Zeremonie seiner Amtszeit ab. Der 85-Jährige wird im Petersdom in Rom die Aschermittwoch-Messe zum Beginn der Fastenzeit feiern.

Mit seiner Ankündigung, am 28. Februar sein Amt aufzugeben, hat der Papst die Welt und selbst viele im Vatikan überrascht. Nun hat er bei der Aschermittwoch-Messe vor gewaltigem Publikum die Möglichkeit, eine Botschaft an die Katholiken - und die Welt - zu richten. Ein wenig nutzte er diese Chancen schon bei einer Generalaudienz am Morgen. Der Papst dankte den Gläubigen für ihre Zuneigung und sagte, er habe "in diesen für mich nicht einfachen Tagen fast körperlich die Liebe gespürt, die ihr mir entgegenbringt".

Am vergangenen Aschermittwoch, dem 22. Februar 2012, hatte Benedikt XVI. bei seiner Generalaudienz  gesagt, in den 40 Tagen der Fastenzeit könnten die Gläubigen "wieder neuen Mut finden, um mit Geduld und Glauben jede Situation der Schwierigkeiten, des Leids und der Prüfung anzunehmen". Zudem rief er Christen zu innerer Erneuerung auf und mahnte die Gläubigen, die "Wolken von Egoismus, Unverständnis und Täuschung" zu vertreiben. Rückblickend hört es sich wie eine sehr persönliche Bilanz an.

Was sollte der Papst in der Aschermittwoch-Messe sagen? SPIEGEL ONLINE hat Gläubige, Laienbewegungen und Kirchenkritiker nach ihren Wünschen befragt.

Matthias Kopp
Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz

"Es wird ein bewegender Gottesdienst werden. Wir freuen uns schon darauf, und der Heilige Vater wird sicher die richtigen Worte finden."

Uta Ranke-Heinemann
Theologin, Kirchenkritikerin und Weggefährtin Benedikt XVI.

"Ich wünsche mir, dass er erkennt, dass eine Kirche, in der alle Hirten Männer sind und alle Frauen Schafe, heute nicht mehr tragbar ist."

Michael Schmidt-Salomon
Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung

"Der Papst sollte sich in seiner letzten Aschermittwoch-Messe bei den unzähligen Kindern weltweit entschuldigen, die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester wurden. Er sollte die Verantwortlichen benennen, die dafür gesorgt haben, dass die Vatikanbank noch immer Mafia-Gelder wäscht. Er sollte sich bei den Menschen entschuldigen, die aufgrund seiner verantwortungslosen Sexualpolitik mit HIV infiziert wurden, und endlich von dem hohen moralischen Ross absteigen, das ihn durch sein Pontifikat getragen hat: Denn eine Religionsgemeinschaft, die in solch verheerende Skandale verwickelt ist wie die katholische Kirche, ist ganz gewiss nicht in der Position, der säkularen Gesellschaft ethische Ratschläge zu erteilen."

Thomas Schüller
Kirchenrechtler an der Universität Münster

"Ich würde mir wünschen, dass alle Amtsträger der Kirche sich am Beispiel des Papstes orientieren und sich nicht wichtiger nehmen als das ihnen übertragene Amt, das heißt wieder deutlicher zwischen Amt und Person unterscheiden lernen. Und, das ist mir wirklich wichtig, wenn auch ein wenig ein Traum: dass die geweihten Amtsträger verstehen, dass ihr Amt nicht Herrschaft, sondern Dienst am Evangelium und an den Gläubigen bedeutet."

Christian Weisner
Sprecher der Laienbewegung "Wir sind Kirche"

"'Wir sind Kirche' wünscht, dass Papst Benedikt die Kardinäle auffordert, jetzt keine Personaldebatten über seinen künftigen Nachfolger zu führen, sondern die Zeit bis zum Konklave für einen intensiven Dialog mit dem Kirchenvolk zu nutzen."

"Wir sind Kirche" wäre laut Weisner über folgende Worte Benedikts erfreut: "Dialog ist eines der Leitworte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65), das leider viel zu sehr in Vergessenheit geraten ist. Die Polarisierungen müssen ein Ende haben! Die tiefe Kirchenkrise zeigt die Notwendigkeit, bietet aber auch die Chance, den Kurs des weltweiten Kirchenschiffs für das dritte Jahrtausend neu zu justieren. Die Fastenzeit, in der ihr meinen Nachfolger wählen werdet, ist eine Zeit der Buße, der Besinnung und der Umkehr. Diese Chance müssen wir gemeinsam nutzen, damit unsere Kirche weiter katholisch, das heißt umfassend, bleibt."

Carsten Frerk
Agenturleiter des Humanistischen Pressedienstes

"Ich wünsche mir, dass er die Wahrheit sagt. Da hätte er vieles zu sagen, was von der katholischen Kirche vertuscht, verschwiegen oder geleugnet wird."

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