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Asfa-Wossen Asserate Alter schwarzer Mann

aus DER SPIEGEL 34/2021
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Sebastian Arlt

Der Unternehmensberater und Bestsellerautor Asfa-Wossen Asserate, 72, fremdelt mit dem antirassistischen Aktivismus junger Persons of Color wie Alice Hasters, Hengameh Yaghoobifarah und Mohamed Amjahid. »Wenn alle oder die allermeisten weißen Menschen per Definition rassistisch sein sollen, wird der Begriff untauglich«, schreibt er in seinem neuen Buch. Sich selbst nennt er darin einen »alten schwarzen Mann« – eine Anspielung auf den »alten weißen Mann«, das liebste Feindbild der jungen, woken Generation. Identitätspolitik führe die Menschen nicht zusammen, kritisiert Asserate. »Sie befeuert die Spaltung, sie stößt gerade diejenigen vor den Kopf, die gutwillig sind.« Asserate ist ein Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie und kam 1968 zum Studieren aus Addis Abeba nach Tübingen. Seither habe er in Deutschland »kaum jemals irgendeine Form der Anfeindung oder Diskriminierung erfahren«, berichtet er. Was sicher daran liege, so räumt er ein, dass er privilegiert sei: »Rassismus ist oft auch eine Frage der Klasse.« Er wisse, »dass es vielen Schwarzen in Deutschland ganz anders erging und ergeht«. Asserate ist promovierter Historiker und schreibt kundig über die Erfindung der Rassen im 18. Jahrhundert, über den Kolonialismus im 19. und 20. Jahrhundert, über die »Black Lives Matter«-Bewegung heute. Sein Buch hat er nach einem alten Kinderspiel benannt, das seit einigen Jahren unter Rassismusverdacht steht: »Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?« Asserate plädiert dafür, weniger über solche symbolpolitischen Fragen zu diskutieren – und mehr über Sachpolitik: die Bildungschancen von Menschen mit Migrationsgeschichte, die europäische Asylgesetzgebung, die fehlenden Corona-Impfstoffe für Afrika.

Aus: DER SPIEGEL 34/2021

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