Attacke auf Piloten Angreifer fühlte sich verfolgt

Der Mann, der beim Flug von Teneriffa nach Berlin den Piloten angegriffen hatte, war nicht betrunken. Er habe sich verfolgt gefühlt, erklärte er in seiner Vernehmung. Von wem oder was, konnte er nicht sagen.


Berlin - "Der 38-Jährige fühlte sich nach eigenem Bekunden allgemein verfolgt. Was er jedoch mit seinem Angriff bezweckte, hat er in seiner Vernehmung nicht gesagt", hieß es bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft. Es gebe aber keine Hinweise, dass der Angriff geplant war.

Der Mann, der einen Absturz der mit 143 Passagieren besetzten Maschine einkalkuliert hatte, war am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft in die geschlossene Psychiatrie einer brandenburgischen Landesklinik gebracht worden. Dort soll er auf seine Schuldfähigkeit untersucht werden.

"Es wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern, bis die Ärzte das Gutachten vorlegen können", so die Sprecherin der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Sigrid Komor. Daher werde die Staatsanwaltschaft nicht vor Ende April entscheiden, ob gegen den Mann, bei dem eine schwere psychische Störung festgestellt worden war, Anklage erhoben wird. Gegen den ledigen Verkäufer von Fertighausteilen wird wegen des Verdachts des versuchten Totschlags und des Angriffs auf den Luftverkehr ermittelt.

Nach Angaben der Cockpit-Besatzung war der unbewaffnete 38-Jährige ins Cockpit gekommen und hatte gerufen: "Dies ist eine Entführung" und bekundet, dass er sich verfolgt fühle. Unvermittelt habe er dann den Flugkapitän mit Faustschlägen und Fußtritten traktiert sowie gegen Steuerinstrumente getreten.

Eine Blutprobe hatte ergeben, dass der Mann nicht alkoholisiert war. Ob Drogen eine Rolle spielten, ist noch unklar. Der Mann war von der Crew und einigen Passagieren überwältigt worden. Der Kopilot hatte die Maschine sicher in Berlin-Schönefeld gelandet.



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