Attentat von Arizona US-Abgeordnete Giffords verlässt Klinik

Viele beschreiben ihre Heilung als ein Wunder: Keine zwei Wochen nach dem Attentat von Arizona wird die US-Abgeordnete Gabrielle Giffords in eine Rehaklinik verlegt. Trotz ihrer schweren Verletzung durch den Kopfschuss mache die Patientin "phantastische Fortschritte", sagt ihr Neurochirurg.

DPA

Washington - Anfangs gab es nur wenig Hoffnung: Die Verletzungen der US-Abgeordneten Gabrielle Giffords nach dem Attentat des geistig verwirrten Jared Lee Loughner am 8. Januar waren sehr schwer. Eine Kugel hatte ihren Schädel durchschlagen. Viele dachten, Giffords würde sterben. Doch dann gab es erste Anzeichen der Besserung.

Erst war es die Meldung, dass Giffords wieder selbständig atmen könne. Dann konnte sie ihre Augen öffnen, den linken Arm heben. Schließlich konnte sie wieder lächeln. All das machte Mut, dass das Attentat von Arizona nicht noch ein weiteres Todesopfer fordern würde - sechs Menschen waren bei dem Angriff getötet worden. Die Hoffnung wuchs, dass Giffords sich schnell erholen würde.

Wie schnell, das überrascht selbst ihre Ärzte. Die Politikerin habe "phantastische Fortschritte" gemacht, sagte der behandelnde Neurochirurg Michael Lemole am Donnerstag. Giffords sei erstmals in der Lage gewesen, mit Unterstützung auf eigenen Beinen zu stehen. Sie sei wach und aufmerksam gewesen und habe ihr iPad bedienen können.

An diesem Freitag gab es nun eine weitere gute Nachricht: Giffords ist aus der Klinik in Tucson entlassen worden, in die sie nach dem Angriff vor zwei Wochen eingeliefert wurde. Sie soll in eine Rehaklinik im texanischen Houston verlegt werden.

Ihr Krankentransport wurde von einer Polizeieskorte begleitet. Hunderte Menschen säumten die Straßen, winkten mit amerikanischen Flaggen, klatschen oder beteten. Laut "Washington Post" wurde Giffords unter anderem von ihrem Ehemann Mark Kelly, ihrer Mutter und ihrem Traumachirurg begleitet.

"Sie ist eine Kämpferin"

Die Politikerin wurde zunächst zu einem Stützpunkt der US-Luftwaffe gebracht. Von dort aus soll sie mit einem Flugzeug nach Houston, Texas, transportiert werden. Dort soll sie im TIRR Memorial Hermann Hospital behandelt werden, um anschließend ins gleichnamige Rehabilitationszentrum zu kommen.

Die Klinik in Texas, die auf Hirnverletzungen spezialisiert ist, wurde auch deshalb gewählt, weil Giffords Ehemann, der Astronaut ist, dort für die Raumfahrtbehörde trainiert. So könne er "so viel wie möglich an ihrer Seite sein", sagte Kelly. Seine Frau habe sich "bemerkenswert schnell" erholt: "Sie ist eine Kämpferin, mehr als jeder andere, den ich kenne."

Bereits einen Tag zuvor hatte er sich mit seiner Frau draußen aufhalten können. Giffords Krankenbett wurde vor das Krankenhausgebäude gerollt. "So konnte sie die Berge (um Tucson) noch einmal sehen, bevor sie nach Houston gebracht wurde", sagte eine Sprecherin des Krankenhauses.

Ihr Arzt Michael Lemole betonte, die frühen Erfolge der Schwerverletzten seien sehr wichtig für den weiteren Heilungsprozess. Allerdings werde es bis zu Giffords möglicher vollständiger Genesung noch Monate dauern. Unklar sei auch, ob dauerhafte Beeinträchtigungen zurückbleiben.

Dennoch überrascht viele, wie schnell sich Giffords Gesundheitszustand verbesserte - Kopfschüsse sind fast immer tödlich. "Das sind außerordentliche Fortschritte für eine Frau, die eine so schreckliche Verletzung erlitten hat", staunte Senatorin Kirsten Gillibrand.

Was Giffords gerettet haben könnte, ist, dass das Geschoss nicht durch zentrale Bereiche des Gehirns ging. Dort ist die Durchblutung besonders stark, umso fataler sind auch die Blutungen, die nach einer Schussverletzung auftreten.

Zudem dürfte sie von der schnellen und professionellen ärztlichen Versorgung im University Medical Center in Tucson profitiert haben. 38 Minuten nach dem Attentat war sie bereits im OP-Saal. Dort kümmerte sich Peter Rhee, ein äußerst erfahrener Traumaspezialist, um sie. Der Mediziner hat jahrelang als Militärarzt in Afghanistan und im Irak gearbeitet. Rhee war einer der ersten Traumachirurgen im Camp Rhino in Afghanistan. Er baute zudem in Ramadi im Irak eine chirurgische Abteilung zur Behandlung von US-Soldaten auf. Schusswunden gehören in den beiden Ländern zu den häufigsten Verletzungen.

kgp/dpa

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Seite 1
elandy 21.01.2011
1. Wünsche
Zitat von sysopViele*beschreiben ihre Heilung als ein Wunder: Keine zwei Wochen nach dem Attentat von Arizona wird die US-Abgeordnete Gabrielle Giffords in eine Rehaklinik verlegt. Trotz ihrer schweren Verletzung durch den Kopfschuss mache die Patientin "fantastische Fortschritte", sagt ihr Neurochirurg. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,740945,00.html
Toll. Ganz große Wünsche einer weiteren Genesung an diese Frau.
drausch 21.01.2011
2. Wer weiss!!
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Eine bessere Story kann gar nicht passieren, um von den wirtschaftlichen und politischen Problemen abzulenken. - War der Schütze von einflussreichen Kreisen engagiert? - Gab es am Ende überhaupt keinen Kopfschusse, sondern nur einen Streifschuss - Hat da jemand die Ärzte vorbereitet, um eine professionelle Behandlung sicherzustellen. Mir tun nur die anderen Opfer leid, um die sich wie üblich nach kurzer Hype keiner der Entscheidungsträger des Landes mehr schert.
Gandhi, 21.01.2011
3. Schoen,
dass die Abgeordnete nun mit der Rehabilitation anfangen kann. Am Ton der Hassrednder wird sich leider kaum was aendern, denn solche "Einzelfaelle" wie in Tucson wird es immer geben. Verrueckte gibt es leider immer. Aber es gibt auch Verrueckte, bei denen es nicht viel braucht, damit sie durchknallen. Interessant uebrigens, wie schnell die GOP-Freunde das Verruecktsein dieses Mannes akzeptiert haben, wo sie doch sonst sogar bei geistig Minderbemittelten die volle Strenge des Gesetzes verlangen (was ja wohl voraussetzt, dass der Deliquent auch voll verantwortlich ist).
snickerman 21.01.2011
4. Blablabla...
Zitat von drauschIm Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Eine bessere Story kann gar nicht passieren, um von den wirtschaftlichen und politischen Problemen abzulenken. - War der Schütze von einflussreichen Kreisen engagiert? - Gab es am Ende überhaupt keinen Kopfschusse, sondern nur einen Streifschuss - Hat da jemand die Ärzte vorbereitet, um eine professionelle Behandlung sicherzustellen. Mir tun nur die anderen Opfer leid, um die sich wie üblich nach kurzer Hype keiner der Entscheidungsträger des Landes mehr schert.
Mit tun nur Sie leid, dem nichts als wirre Verschwörungstheorien einfallen, anstelle sich mitzufreuen, dass es der Schwerstverletzten wieder besser geht. Und die anderen Opfer wurden alle in den USA ausführlichst gewürdigt- die zu Herzen gehende große Ansprache von Präsident Barack Obama haben Sie anscheinend auch nicht mitbekommen... NICHT leid tut es den hasserfüllten Rechten, die das Klima bereitet haben, in dem ein geistig labiler Mann zu solch fatalen Ausfällen verleitet werden kann!
J-Créme 21.01.2011
5. Gute Nachricht
Einfach mal eine gute Nachricht. Ich freue mich für Frau Giffords, ihre Angehörigen - und auch für mich selbst, einmal eine positive Meldung lesen zu können.
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