Auf der Flucht Streunender Bär auf der Autobahn gesichtet

Seitdem er in Bayern und Tirol zum Abschuss freigegeben ist, hat er sich aus dem Staub gemacht: Der Unheil stiftende Braunbär spielt seit Wochen Katz und Maus mit Behörden und Tierschützern. Zuletzt wurde er auf einer Autobahn gesehen. Vorher hatte er erneut ein Blutbad angerichtet.   


München/Innsbruck - Ein Bauer hatte die Behörden Polizeiangaben zufolge verständigt, weil er im Bereich der Schlagalm im Gebiet Fügenberg zwei tote Ziegen gefunden habe. Ein weibliches Tier habe unmittelbar neben der Alm, der Ziegenbock rund 50 Meter von der Alm entfernt auf einer Wiese gelegen. Von dem Kitz fehlte den Angaben zufolge jede Spur. Die Behörden gingen davon aus, dass es ebenfalls vom Bären getötet wurde. Der für die Region zuständige Bärenexperte habe die toten Tiere untersucht und bestätigt, dass sie von einem Bären gerissen wurden. Die Alm ist nachts nicht bewohnt. Den Bären selbst hatte niemand gesehen.

Am Montag beobachtete ein  Lastwagenfahrer nach eigenen Angaben, wie das Tier bei Schwaz die Inntal-Autobahn überquerte und über die Mittelleitplanke kletterte. Auch im Gebiet Achensee nordöstlich von Innsbruck wollen zwei Augenzeugen das Tier beobachtet haben. Diese Vorfälle seien jedoch noch nicht bestätigt, sagte Susanne Grof von der Naturstiftung WWF. Wo sich der Bär genau befindet, der seit fast zwei Wochen Tierschützer und Behörden im österreichisch-deutschen Grenzgebiet beschäftigt, ist damit weiter unklar. Das Katz und Maus-Spiel geht weiter.

Eine Einsatzgruppe des WWF hat mittlerweile eine Bärenfalle in das Gebiet gebracht. Die Röhrenfalle kann jedoch nur dann eingesetzt werden, wenn der Bär an einen Ort zurückkehrt, den er vorher aufgesucht hat - etwa, um ein weiteres Stück eines gerissenen Tieres zu fressen. "Das hat er aber bisher nicht gemacht", sagt WWF- Sprecherin Grof. Der Bär hat auf seiner Wanderschaft in Österreich und Bayern bisher einige Bienenstöcke zerstört, ist in Ställe eingedrungen und hat elf Schafe und zuletzt die drei Ziegen gerissen, ohne sie jedoch zu fressen.

In Teilen Tirols wurde der Bär wegen seines untypischen Verhaltens, das ihn immer wieder in die Nähe von Menschen führt, ebenso wie in Bayern zum Abschuss frei gegeben. In der Region Achensee und im Karwendel, wo er zuletzt gesehen wurde, darf auf den Bären jedoch nicht geschossen werden. Tierschützer warten weiterhin auf das Ergebnis einer Erbgutanalyse, um die Herkunft des rund zwei Meter großen Tieres zu klären. Mittlerweile wurde eine weitere Haarprobe in das Untersuchungslabor im italienischen Trentino geschickt, um abzuklären, ob es sich bei den verschiedenen Spuren und Sichtungen um denselben Bären handelt.

fok/ddp/dpa


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