Augenzeugenberichte der Notwasserung "Da wussten wir, dass es nach unten geht"

Kurz nach dem Start fallen die Triebwerke aus, dann stürzt die Maschine in den Hudson River - und vor wie nach dem Aufprall gibt es keine Panik an Bord. Augenzeugen berichten von der Notwasserung des Airbus der US Airways: "Die Passagiere sahen verblüffend ruhig aus, aber ich wette, dass ihre Herzen rasten."

New York - Etwa drei Minuten war der Airbus A320 nach dem Start vom New Yorker Flughafen LaGuardia in der Luft, als er in einen Vogelschwarm geriet. Nach Berichten lokaler Medien waren es womöglich kanadische Wildgänse.

So auch beim Flug mit der Nummer 1549 nach Charlotte in North Carolina: Wenige Minuten nach dem Start habe es "einen lauten Knall" gegeben, sagte der Passagier Alberto Pinero dem Fernsehsender CNN. "Das Flugzeug schwankte ein wenig, man konnte Rauch und Feuer riechen, sofort begann sich das Flugzeug zu drehen. Plötzlich hörten wir den Kapitän sagen 'Bereiten Sie sich auf einen harten Aufprall vor, da wussten wir, dass wir abstürzen."

Der Pilot der US-Airways-Maschine habe bereits gut 30 Sekunden nach dem Start einen "doppelten Vogelschlag" gemeldet, berichtete ein Sprecher der Gewerkschaft der Fluglotsen. Der Pilot sei dann angewiesen worden, zum Flughafen Teterboro im nahegelegenen New Jersey zu fliegen und dort eine Notlandung zu versuchen. US-Medien zufolge berichtete der Pilot von Schwierigkeiten und kündigte eine Notlandung auf dem Wasser an. Dann sei der Funkverkehr abgebrochen.

Ein Passagier sagte dem Sender WNBC, der Pilot habe vor einer harten Landung gewarnt. Viele hätten gebetet, bevor das Flugzeug auf dem Wasser aufgeschlagen sei. Ein Passagier, der das linke Triebwerk ausfallen sah, berichtete, das Verlassen des Flugzeugs sei dann "ziemlich geordnet" geschehen.

Als "ganz schön erschreckend" beschrieb der Überlebende Jeff Kolodjay die Notlandung. Er wollte mit Freunden zu einem Golfturnier fliegen, als "ungefähr drei Minuten nach dem Start die Triebwerke ausgegangen sind", sagte er CNN. "Und dann wussten wir, dass es nach unten geht."

"Da haben wir gerufen: Frauen und Kinder zuerst"

Nach dem Aufprall auf dem Fluss sei es in der Kabine des Jets zunächst etwas hektisch gewesen. "Eine Frau mit einem Baby an der Schulter hat versucht, über die Sitze zum Ausgang zu klettern", sagte Kolodjay. "Da haben wir einfach gerufen: Frauen und Kinder zuerst." Anschließend habe sich der Andrang zu den Ausgängen normalisiert.

Der Airbus A320

Mehrere Augenzeugen schilderten, wie sie die Notlandung im eiskalten Hudson River erlebten: "Ich sah, wie das Flugzeug näher kam und dass es zu niedrig flog", so die New Yorker Bürgerin Rachel Hudson laut CNBC, "es kam herunter, als ob es landen wollte."

"Das Flugzeug war nicht besonders schnell. Es hatte einen langsamen Kontakt mit dem Wasser", sagte auch der Augenzeuge Ben von Klemperer laut CNN. "Offenbar hatte es das Fahrgestell nicht ausgefahren."

"Wie auf einem total überfüllten Bahnsteig"

Nach dem Aufschlag war die Hälfte des Rumpfes noch zu sehen, auch Teile der Tragflächen. Einem Passagier zufolge sei das Verlassen das Flugzeugs sei "ziemlich geordnet" geschehen. Viele Fluggäste versammelten sich auf den Tragflächen, andere auf Rettungsinseln.

"Irgendwie hielt sich das Flugzeug über Wasser", sagte ein Passagier CNN, "es ist einfach unglaublich, dass alle noch leben. Wir begreifen noch gar nicht, dass wir dem Tod so nah waren."

Der Grafiker Fulmer Duckworth, 41, hatte gerade ein Gespräch mit seinem Chef im 29. Stockwerk eines Hochhauses in der Nähe des Hudson River, als er den Aufprall sah. "Es gab einen gigantischen Schwall", sagte er der "New York Times". Duckworth war zunächst irritiert und dachte an einen Zusammenstoß von Booten, "es kam mir nicht in den Sinn, dass da ein Flugzeug im Wasser war".

70 oder 80 Passagiere hätten dann auf den Tragflächen gestanden, schätzt er. "Es wirkte, als ob alle wirklich ruhig waren, wie auf einem total überfüllten Bahnsteig einer U-Bahn. Sie standen Schulter an Schulter."

Am Hudson River wartete Bob Grindrod auf eine Fähre nach New Jersey. Er hatte einen ganz ähnlichen Eindruck: "Die Passagiere sahen verblüffend ruhig aus, aber ich wette, dass ihre Herzen rasten."

Das erste Foto stellte Janis Krums aus Sarasota in Florida ins Internet. Es zeigt den Rumpf des Flugzeugs, Passagiere auf den Tragflächen und auf einem Rettungsfloß. Er war auf einer Fähre über den Hudson, als ein Bekannter ihm sagte, da sein ein Flugzeug im Fluss. "Ich hielt das für einen Witz", sagte Krums eine gute halbe Stunde nach der Notlandung dem Sender MSNBC. Die Fähre machte sich sofort auf den Weg zum Flugzeug. Krums nahm das Foto aus kurzer Distanz auf und veröffentlichte es via Twitter .

US Airways

jol/dpa/AP
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