Auslandspresse Würdigung und Kritik


Hamburg - Auch ausländische Zeitungen würdigen die verstorbene Hannelore Kohl. Einige Blätter stellen auch Fragen nach den Motiven, die die Frau des Ex-Kanzlers zum Freitod bewegten.

"The Times", London: "Sie war eine bescheidene und doch geistreiche Frau, die sich lange damit zufrieden gab, ihren stets sehr sichtbaren Ehemann durch dick und dünn zu unterstützen."

"Corriere della Sera", Mailand: "Ihr Bestes hat sie vielleicht gegeben, als es abwärts ging für Helmut. Sie versuchte, am Vorabend der letzten, dann verlorenen Schlacht gegen Gerhard Schröder, die Popularität ihres Mannes aufzufrischen, indem sie mit ihm durch ganz Deutschland reiste, um ein Kochbuch vorzustellen. Dann stand sie ihm in der Stunde seines Falls zur Seite, als der Ex-Kanzler vom Skandal der schwarzen Kassen überrollt wurde."

"Il Messaggero", Rom: "Dazu verurteilt, fernab des Lichtes zu leben, hat sich Hannelore Kohl, die Frau des Kanzlers der deutschen Einheit, das Leben genommen. Und Deutschland, auch das, das den ehemaligen Patriarchen weniger mag, verbeugt sich mit Respekt."

"The Guardian", London: "Die Leute werden sich fragen, ob ihr Selbstmord auch etwas mit dem langwierigen Parteispendenskandal zu tun hat, der das Ansehen ihres Mannes erschüttert hat. Immerhin nahm sie sich genau an dem Tag das Leben, als sich Helmut Kohl erneut im Kreuzfeuer seiner Kritiker befand, dieses Mal wegen der Entscheidung eines Gerichts, die Veröffentlichung seiner Stasi-Akten zu blockieren."

"El País", Madrid: "Die offiziellen Erklärungen zum Selbstmord von Hannelore Kohl mögen vielleicht die Neugier derjenigen befriedigen, die aus der Ferne auf das Ehepaar Kohl blickten. Aber die Leute, die das Ehepaar näher kannten, stellen sich andere Fragen: Hatte Hannelore Kohl neben der Lichtallergie andere Gründe, ihrem Leben ein Ende zu setzen? Als Hannelore noch am Leben war, sagten zwei CDU-Politiker, die das Ehepaar Kohl kannten, der Korrespondentin dieser Zeitung, dass sie die Art und Weise, wie Kohl mit seiner Frau umging, missbilligten."



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