Wiederaufbau nach Buschfeuern Morrison verspricht Milliarden-Hilfsgelder

Nach massiven Vorwürfen im Umgang mit der Feuerkatastrophe hat Australiens Premier reagiert: Er stellt der Bevölkerung zwei Milliarden Dollar in Aussicht. Noch lodern allerdings mehr als 180 Brände.
Zerstörung nach den Buschfeuern im Südwesten Australiens

Zerstörung nach den Buschfeuern im Südwesten Australiens

Foto: SAEED KHAN/ AFP

Die Auswirkungen der Buschbrände in Australien haben am Montag die Hauptstadt erreicht: In Canberra war die Luft durch den Rauch gefährlich verschmutzt, Bilder zeigen eine orangerote Färbung des Himmels.

Die Stadtregierung rief die Menschen dazu auf, drinnen zu bleiben. Einige Flüge wurden gestrichen. Museen, Geschäfte und Universitäten blieben geschlossen. Das Innenministerium forderte seine Mitarbeiter auf, für 48 Stunden zu Hause zu bleiben. Auch in Sydney warnte das Gesundheitsministerium vor der schlechten Luftqualität, die durch Smogpartikel beeinträchtigt wurde.

Immerhin: Am Nachmittag fielen in der Metropole ein paar Regentropfen. Auch entlang der Südostküste gab es ein wenig Regen, was den Kampf der Feuerwehr etwas erleichterte. Doch bereits am Freitag sollen steigende Temperaturen und Wind die Bedingungen für die Feuerwehrleute wieder drastisch verschlechtern .

"Was auch immer es kostet"

Seit Monaten zerstören Buschbrände im Südosten des Kontinents weite Teile des Landes. Aufgrund der hohen Temperaturen und der Trockenheit hat die Feuerwehr kaum eine Chance, gegen die Flammen anzukommen. Der Premierminister Scott Morrison war wegen seines Verhaltens in der Krise massiv unter Druck geraten: Opposition, Feuerwehr und Bevölkerung warfen ihm vor, das Ausmaß der Brände herunterzuspielen und sich als Landesoberhaupt unangemessen zu verhalten.

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  • Australischer Premierminister Scott Morrison: "Was auch immer es kostet"

    Australischer Premierminister Scott Morrison: "Was auch immer es kostet"

    Foto: Rohan Thomson/Getty Images

    Nun versucht er offenbar, das Ruder noch herumzureißen. Er stellte seinem Land einen Wiederaufbaufonds von insgesamt zwei Milliarden australischen Dollar (umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro) in Aussicht, um die durch die Buschfeuer entstandenen Schäden zu bewältigen. Die Regierung werde bezahlen, "was auch immer es kostet", um sich von den Waldbränden zu erholen, sagte Morrison auf einer Pressekonferenz am Montag. "Die Feuer brennen immer noch, und sie werden noch über Monate brennen."

    Rund 500 Millionen australische Dollar des Rettungsfonds sollten bis Mitte des Jahres ausgeschüttet werden, sagte Morrison. Danach solle über ein Jahr hinweg eine Milliarde und danach noch einmal 500 Millionen zur Verfügung gestellt werden. Wenn es darüber hinaus noch finanziellen Bedarf gebe, würde auch dieser bereitgestellt werden, versicherte Morrison.

    Psychologische Unterstützung für Ersthelfer

    Vor allem die lokalen Regierungen und Landwirte in den betroffenen Gebieten sollten von dem Geld unterstützt werden, berichtete die Tageszeitung "Sydney Morning Herald" . Darüber hinaus wolle die Regierung psychologische Hilfe für Ersthelfer bereitstellen und Anlaufstellen in den Orten einrichten, um sicherzustellen, dass jeder dort Zugang zu den staatlichen Diensten haben werde.

    "Wir werden die Zukunft dieses Landes sichern, indem wir in die zu erledigende Arbeit investieren", sagte Morrison demnach. Von den Regierungen der Bundesstaaten erwarte er, dass sie das Katastrophengeld in den Wiederaufbau von Brücken, Straßen und Schulen investieren würden, die durch die Brände zerstört wurden.

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    Das Ausmaß der Zerstörung für einzelne Unternehmen lässt sich noch nicht abschätzen. Versicherer nannten bisher Verluste von mehr als 375 Millionen australischen Dollar. Normalerweise tummeln sich an der australischen Küste um diese Zeit zahlreiche Touristen, nun mussten Freizeitparks, Urlaubsressorts, Restaurants und Bars schließen.

    Der Käsehersteller "Bega Cheese" beklagte, dass seine Umsätze um gut neun Prozent gesunken seien. Vor allem die Milchlieferanten seien betroffen, da ein großer Teil der Rinder verbrannt sei.

    Die Auswirkungen der Feuer scheinen noch längst nicht gebannt. In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria lodern noch mehr als 180 Feuer. Einige Gebiete sind weiter abgeschnitten. Seit Beginn der Brände im Oktober sind landesweit 24 Menschen ums Leben gekommen. Tausende Häuser wurden zerstört. Sieben Millionen Hektar brannten nieder - das ist ungefähr ein Fünftel der Fläche Deutschlands. Eine Entwarnung ist nicht in Sicht.

    kry/dpa/Reuters
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