Feuerkrise in Australien Buschfeuer werden wohl monatelang lodern

In zwei Bundesstaaten gilt bereits der Notstand: Verheerende Buschfeuer haben in Australien Hunderte Häuser beschädigt, viele Orte werden evakuiert. Mancherorts bleibt nur noch das Meer als Fluchtweg.

AAP Image/ Dan Peled/ REUTERS

Die Australier sind es gewohnt, dass in den Sommermonaten aus vielen Ecken des weitläufigen Landes Brände gemeldet werden. Doch das derzeitige Ausmaß der Feuer ist selbst für australische Verhältnisse enorm: Die Bundesstaaten Queensland und New South Wales haben den Notstand ausgerufen - und es dürfte Monate dauern, die vielen Brände unter Kontrolle zu bekommen.

Allein in Queensland brennen insgesamt vier Buschfeuer, die als Notfälle auf höchster Gefahrenstufe gelten. Die Behörden ordneten an der auch bei Touristen beliebten Ostküste in vielen Gemeinden Evakuierungen an. Die höchste Warnstufe der Feuerwehr gilt etwa für Noosa North Shore, einen Strandort etwa 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Brisbane.

Die Menschen wurden zum sofortigen Verlassen der Gegend aufgefordert. Das Buschfeuer lodert den Behörden zufolge weniger als einen Kilometer entfernt von einem Campingplatz an der Küste. Der einzige Ausweg führt demnach über das Meer: Die Menschen sollen sich per Fähre in Sicherheit bringen, solange sie noch können.

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Buschfeuer in Australien: Ein Land im Krisenmodus

Ebenfalls in Queensland verunglückte ein Löschhubschrauber beim Einsatz gegen Buschbrände in Pechey, wie der Sender ABC berichtete. Demnach überlebte der Pilot den Absturz mit leichten Verletzungen. Auch in Pechey gab es einen Aufruf zur sofortigen Räumung.

Insgesamt wurden im Osten Australiens bereits mehr als 1,1 Millionen Hektar Land in Mitleidenschaft gezogen. In New South Wales gibt es etwa 70 Brände, von denen 50 eingedämmt werden konnten. Seit vergangener Woche wurden etwa 300 Häuser von Feuern beschädigt oder zerstört, auch die Anwesen von Prominenten: Der Hollywoodschauspieler Russell Crowe twitterte, das Feuer habe einige Gebäude seiner Farm nahe Coffs Harbour beschädigt.

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Bedroht ist auch der Großraum Sydney, wo Brände in mehreren Randbezirken der Metropole aufflammten. Am Dienstag hatten Rauchwolken die Stadt eingehüllt. Im Bundesstaat New South Wales blieben viele Schulen wegen der Brände geschlossen.

In Australien ist noch Frühling, in Sydney herrschen aber mitunter bereits hochsommerliche Temperaturen. Man werde Monate brauchen, um alle Brände unter Kontrolle zu bringen, hieß es von der Feuerwehrbehörde - es sei denn, bald setze ausgiebiger Regen ein. Danach sieht es bislang allerdings nicht aus.

Mancherorts ist die Sonne nicht mehr zu sehen

Das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus warnt vor einer hohen Feinstaubbelastung in vielen Regionen. Tausende Menschen seien betroffen. Satellitenaufnahmen zeigen demnach riesige Rauchschwaden über New South Wales und Queensland. An einigen Orten konnten die Menschen nach Angaben des Atmosphären-Überwachungsdienstes die Sonne nicht mehr sehen.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Klimakrise das Problem der Buschbrände verstärkt. Unter Landespolitikern sorgte das Thema für Streit. Diskussionen darüber, inwieweit eine aktivere Klimapolitik nützen könnte, hatte Premierminister Scott Morrison am Dienstag als "nicht hilfreich" bezeichnet. Das Letzte, was die Bevölkerung in der Krise brauche, sei das Geschrei von Politikern.

mxw/dpa



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Knossos 14.11.2019
1.
Zitat: "Diskussionen darüber, inwieweit eine aktivere Klimapolitik nützen könnte, hatte Premierminister Scott Morrison am Dienstag als "nicht hilfreich" bezeichnet. Das Letzte, was die Bevölkerung in der Krise brauche, sei das Geschrei von Politikern." Daß sich zu einem solch brisantem Thema unbekümmert mit derart widersinnig-lapidarem Abwinken daher kommen läßt, ohne sich Zugehörigkeit sinisterer Interessen verdächtig zu machen, indiziert doch wieder Verballhornung und Schafsköpfigkeit des Zeitgeistes. Es sollte auf der Hand liegen, daß spätestens hinsichtlich vermehrter Trockenperioden im Zeichen des Klimawandels dringend anzudenken ist, wie sich möglichst effektiv gegen und mit Bodenspekulanten (Gewinn im Zuge anschließend erfolgender Freigabe kommunaler / staatlicher Grundstücke), Pyromanie (pathologischer Lustgewinn aus der Not von Brandopfern), und Umweltberserkern (Brennglaseffekt aus Müll in Naturlandschaften) verfahren läßt. Ein Premierminister, dem dazu nichts Besseres einfällt, die Bevölkerung vor Debatten für Prophylaxe bewahren zu wollen ist ganz offenkundig nicht die richtige Person für den eingenommenen Posten.
Hans58 15.11.2019
2.
Zitat von KnossosZitat: "Diskussionen darüber, inwieweit eine aktivere Klimapolitik nützen könnte, hatte Premierminister Scott Morrison am Dienstag als "nicht hilfreich" bezeichnet. Das Letzte, was die Bevölkerung in der Krise brauche, sei das Geschrei von Politikern." Daß sich zu einem solch brisantem Thema unbekümmert mit derart widersinnig-lapidarem Abwinken daher kommen läßt, ohne sich Zugehörigkeit sinisterer Interessen verdächtig zu machen, indiziert doch wieder Verballhornung und Schafsköpfigkeit des Zeitgeistes. Es sollte auf der Hand liegen, daß spätestens hinsichtlich vermehrter Trockenperioden im Zeichen des Klimawandels dringend anzudenken ist, wie sich möglichst effektiv gegen und mit Bodenspekulanten (Gewinn im Zuge anschließend erfolgender Freigabe kommunaler / staatlicher Grundstücke), Pyromanie (pathologischer Lustgewinn aus der Not von Brandopfern), und Umweltberserkern (Brennglaseffekt aus Müll in Naturlandschaften) verfahren läßt. Ein Premierminister, dem dazu nichts Besseres einfällt, die Bevölkerung vor Debatten für Prophylaxe bewahren zu wollen ist ganz offenkundig nicht die richtige Person für den eingenommenen Posten.
So kann nur jemand schreiben, der noch nie eine Katastrophe dieser Art erlebt hat. Die Diskussion über Klimaschutz hilft wirklich dem Bürger, dem gerade sein Haus in Flammen aufgegangen ist und dadurch sein Hab und Gut verloren hat. Ich habe die Brandkatastrophe von Knysna 2017 (Südafrika) "hautnah" miterlebt: https://www.greatknysnafire.co.za/ Wäre da ein Politiker, egal welcher Partei oder Hautfarbe mit Klimaschutz gekommen, ich weiß nicht, was dann mit der Person passiert wäre.
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