Zurück aus dem Hawaii-Urlaub Australiens Premierminister gesteht Fehler in der Buschbrand-Krise

Er machte Urlaub, während in seinem Land die Buschbrände wüteten: Australiens Premierminister Scott Morrison glaubt, falsch gehandelt zu haben - und entschuldigt sich für einen Hawaii-Trip mit Familie.
Australiens Premierminister Scott Morrison (Archiv): "Ich entschuldige mich"

Australiens Premierminister Scott Morrison (Archiv): "Ich entschuldige mich"

Foto: JOEL CARRETT/EPA-EFE/REX

Er wollte Zeit mit seinen Kindern verbringen, dabei hätte er eigentlich andere Prioritäten setzen müssen: Australiens Premierminister Scott Morrison hat Fehler im Umgang mit den verheerenden Buschbränden in seinem Land eingeräumt. "Ich entschuldige mich", sagte Morrison am Sonntag bei einem Besuch im Hauptquartier der Feuerwehr des Bundesstaats New South Wales in Sydney.

Der Regierungschef war unter Druck geraten, weil er trotz der Brände Urlaub auf Hawaii machte. Als Reaktion auf die massive Kritik brach er seinen Familienurlaub am Freitag ab und kehrte nach Australien zurück.

Rückblickend betrachtet habe er sich falsch verhalten, sagte Morrison. Er habe daraus seine Lehren gezogen. Zugleich warb er um Verständnis dafür, dass er mit dem Urlaub ein Versprechen gegenüber seinen Kindern habe einhalten wollen. Als Premierminister habe er aber andere Pflichten, räumte er ein.

Bereits am Freitag hatte Morrison gesagt: "Ich bedauere zutiefst, dass der Urlaub mit meiner Familie in dieser Zeit bei vielen von den schrecklichen Buschfeuern betroffenen Australiern Ärger verursacht hat." Daraufhin trat er die Heimreise an.

Polizei drohte 13-jähriger Klimaaktivistin mit Festnahme

Doch der Urlaub war nicht das einzige Thema, für das der Premier Kritik einstecken musste. Zuletzt hatte er sich geweigert, Kompensationen für die vielen freiwilligen Feuerwehrleute in Betracht zu ziehen. Am Donnerstag waren zwei Feuerwehrmänner im Kampf gegen die seit Wochen wütenden Buschbrände ums Leben gekommen. Nun lobte Morrison den Einsatz der Feuerwehr, die unermüdlich gegen die Flammen kämpft.

Am vergangenen Donnerstag waren zahlreiche Klimaaktivisten für eine Protestaktion zum Wohnsitz des Premierministers, dem Kirribilli House in Sydney, gekommen. Dabei drohte ein Polizist einer 13-Jährigen mit einer Festnahme, "notfalls mit Gewalt". Die Szene sorgt in Australien für Aufsehen. (Lesen Sie hier mehr über den Fall.)

Seit dem außergewöhnlich frühen Beginn der diesjährigen Buschbrand-Saison im September brannten bereits mindestens drei Millionen Hektar Land nieder. Das entspricht der Fläche Belgiens. Bislang kamen landesweit mindestens zehn Menschen in Folge der Feuer ums Leben. Mehr als 800 Häuser wurden zerstört.

Video: Sydney versinkt im Rauch

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Wissenschaftler führen es auf den Klimawandel zurück, dass die Buschbrände dieses Jahr besonders früh und heftig ausbrachen. Die australische Regierung sieht sich daher verstärkt dem Vorwurf der Tatenlosigkeit im Kampf gegen die Erderwärmung ausgesetzt. Umweltaktivisten werfen der Regierung vor, Kohle und andere Industriezweige zu fördern, die für einen hohen Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich sind.

Hoffnung auf Regen

Der Premierminister sagt zwar selbst, dass es eine Verbindung zwischen dem Klimawandel und den Wetterbedingungen gebe, die die Lage in den vergangenen Wochen verschärft hatten. Jedoch werde er nicht von seiner Pro-Kohle-Politik abrücken, stellte er klar.

Nachdem die anhaltende Rekordhitze mit Temperaturen weit über 40 Grad Celsius die Brände am Samstag weiter verschärft hatte, besserten sich die Wetterbedingungen am Sonntag. "Wir werden diese Brände nicht unter Kontrolle bringen, bevor es nicht ordentlich regnet", sagte der Feuerwehrchef von New South Wales, Shane Fitzsimmons.

Die Aussichten sind dafür gut: Der langersehnter Regen wurde für Dienstag für einige Teile des Bundesstaats New South Wales prognostiziert.

jus/AFP