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Spinnenplage in Australien: Das große Krabbeln

Foto: DANIEL MUNOZ/ REUTERS

Farmer in Australien Allein unter Spinnen

Stellen Sie sich vor: Sie verlassen das Haus, und so weit Sie schauen können, ist alles von Spinnweben bedeckt. Dem australischen Farmer Ian Watson ist es passiert - hier berichtet er von einem außergewöhnlichen Tag.

Als Bauer im australischen Busch hat Ian Watson schon einiges gesehen. Dass sich Kängurus und Schlangen auf seine Farm knapp 200 Kilometer südwestlich von Sydney verirren, gehört für ihn zum Alltag. Auch Spinnen nisten seit jeher auf dem 500 Hektar großen Gelände in der Nähe von Goulburn im Bundesstaat New South Wales. Doch was der 41-Jährige Anfang Mai auf seiner Farm erlebte, hatte er sich bis dahin nicht vorstellen können.

SPIEGEL ONLINE: Herr Watson, was war da los am 4. Mai?

Watson: Erst mal war alles wie immer. Ich freute mich über das schöne Wetter. Anderthalb Wochen hatte es fast ununterbrochen geregnet, nun schien endlich mal wieder die Sonne. Das wollte ich ausnutzen. Also wusch ich die Wäsche meiner vier Kinder und hängte sie draußen auf. Als ich dann um ein Uhr mittags wieder vor die Tür trat, kam ich mir vor wie im Film.

SPIEGEL ONLINE: Warum das denn?

Watson: Draußen war alles mit Spinnweben überzogen, so weit das Auge reichte. Sie waren wirklich überall: In den Bäumen, auf meinem Auto. Mein ganzes Haus sah von außen wie ein riesiges Spinnennetz aus. Und als ich nach oben in den Himmel schaute, sah ich überall Spinnen, die waren so zwischen ein und zwei Zentimeter groß. Sie hingen an Fadenknäueln, die sie wie einen Ballon benutzten und an dem sie durch die Luft schwebten.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt schönere Momente.

Watson: Am Anfang war ich einfach nur verwirrt. Ich fragte mich, was um alles in der Welt hier auf meiner Farm passiert. Und nach einer Weile nervten die Spinnen mich tierisch. Sie stürzten sich sofort auf mich, wo immer ich hinging. Selbst in meinem Bart hingen nach kurzer Zeit Spinnweben. Ich bin dann schnell ins Haus gegangen und wollte erst mal im Internet recherchieren, was hier vor sich geht.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie herausgefunden?

Watson: Forscher nennen dieses seltene Phänomen "Ballooning". Wegen des feuchten Klimas der vergangenen Monate haben sich die Wolfspinnen rasant vermehrt. Und dann versuchten sie wohl vor den starken Regenfällen zu fliehen. Dafür schließen sie sich zu diesen Schwärmen zusammen, und lassen sich an den Ballons aus Spinnfäden durch die Luft treiben. Und leider haben sie sich dann ausgerechnet auf meiner Farm niedergelassen. Diese Spinnwebenteppiche werden übrigens auch Engelshaar genannt.

SPIEGEL ONLINE: Und sind Sie jetzt immer noch von Spinnen umgeben?

Watson: Nein. Gott sei Dank setzte nach einigen Stunden starker Wind ein und wehte die meisten Spinnen und ihre Netze davon. Nur in den Bäumen hielten sie sich noch einige Tage. Naja, und an einer Wand hinter dem Haus hatten sich auch Tausende niedergelassen. Um ehrlich zu sein, habe ich sie mit Gift getötet. Das tut mir zwar wirklich leid für die Tiere, aber mit vier kleinen Kindern auf dem Hof muss ich nicht mehr Spinnen um mich haben als unbedingt nötig.

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