Flammeninferno in Australien Tausende Menschen an Stränden eingeschlossen

Zwölf Menschen sind bereits in den australischen Buschfeuern umgekommen, viele werden vermisst. Tausende fliehen vor den Flammen an den Strand. Im Kampf gegen die Feuersbrunst hilft nun auch das Militär mit.
Straßensperre in New South Wales, nur wenige Meter dahinter tobt das Buschfeuer

Straßensperre in New South Wales, nur wenige Meter dahinter tobt das Buschfeuer

Foto: Sam Mooy/Getty Images

Die Buschbrände im Südosten Australiens nehmen immer dramatischere Ausmaße an und haben inzwischen zwölf Menschen das Leben gekostet. Am Dienstag starb ein weiterer Feuerwehrmann in einem Feuer-Tornado, zudem meldeten die Behörden sieben Menschen als vermisst. Im Bundesstaat Victoria flüchteten Tausende Urlauber an den Strand, um Schutz vor dem herannahenden Flammenmeer zu suchen.

Im Video: Letzte Zuflucht Strand

SPIEGEL ONLINE

Angesichts der teils unkontrolliert brennenden Großfeuer und vielerorts abgeschnittenen Fluchtwege bangen die Rettungskräfte um das Leben von vier Vermissten in Victoria. Drei weitere Menschen sind nebenan in New South Wales verschollen.

Schon seit Oktober wüten die Buschbrände in Australien, doch so extrem wie jetzt schien die Lage bisher noch nicht. Allein in New South Wales ist mittlerweile eine Fläche der Größe Belgiens abgebrannt, fast tausend Häuser wurden zerstört. Und ein Ende des Infernos ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Für Dienstag wurden weitere Temperatursteigerungen bis weit über 40 Grad hinaus und Unwetter mit starken Windböen erwartet, die die Brände weiter anfachen könnten.

Hitzetornado reißt Löschfahrzeug in die Luft

Der Fall des am Dienstag umgekommenen Feuerwehrmanns verdeutlicht die Zerstörungskraft der Flammen: Sein zwölf Tonnen schweres Löschfahrzeug wurde durch einen vom Feuer ausgelösten Tornado in die Höhe gerissen und krachte mit dem Dach voran zu Boden. Zwei Kollegen des 28-Jährigen kamen mit Verbrennungen und anderen Verletzungen ins Krankenhaus. Auch ein kleinerer Einsatzwagen wurde von der Wucht der angefachten Winde durch die Luft gewirbelt und aufs Dach geschleudert. Dabei wurde ein weiterer Feuerwehrmann schwer verletzt. Der regionale Feuerwehrchef Shane Fitzsimmons nannte die Lage angesichts des außer Kontrolle geratenen Buschfeuers auf halber Strecke zwischen Sydney und Melbourne "wahrlich schrecklich".

Buschfeuer in Mallacoota östlich von Melbourne, der Himmel färbt sich rot

Buschfeuer in Mallacoota östlich von Melbourne, der Himmel färbt sich rot

Foto: @brendanh_Au/TWITTER/AP/dpa

In der rund 500 Kilometer östlich von Melbourne gelegenen Küstenstadt Mallacoota wurden rund 4000 Urlauber von den Behörden angewiesen, sich aus Sicherheitsgründen ans Meer zu begeben. Da die meisten Fluchtwege über Straßen abgeschnitten waren, versammelten sich viele von ihnen am Strand. Selbst bis dorthin trug der Wind die Aschefetzen und Glutspäne der ringsum lodernden Feuer. Der Himmel über Mallacoota sei "pechschwarz, und es ist sehr beängstigend", sagte Andrew Crisp vom Zivilschutz Victoria. Medienberichten zufolge wurden bereits Vorbereitungen getroffen, um die Menschen notfalls über das Meer in Sicherheit zu bringen oder sie vom Strand auszufliegen.

Am Montag hatte die Feuerwehr insgesamt rund 100.000 Bewohner von fünf Vororten Melbournes aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. In Bundoora, nur rund 16 Kilometer nördlich des Stadtzentrums, konnten Feuerwehrleute einen Buschbrand vorläufig zurückdrängen. Das Feuer ist nach Angaben der Einsatzkräfte aber weiterhin nicht unter Kontrolle. Fernsehbilder zeigten, wie Löschflugzeuge vorsorglich Wasserladungen über Wohngebieten niedergehen ließen und Bewohner ihre Häuser mit dem Gartenschlauch abspritzten, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern.

"Es ist immer noch eine dynamische und gefährliche Situation", fügte Crisp mit Blick auf die Gesamtlage im Nordosten Victorias hinzu. Premierminister Scott Morrison sagte dem Bundesstaat die Unterstützung des Militärs zu, nachdem Victorias Regierung Hubschrauber und Marineschiffe angefordert hatte, um Menschen in Notlage zu versorgen und in Sicherheit zu bringen.

Streit um Megafeuerwerk in Sydney

Ungeachtet der seit Wochen wütenden Brände will die australische Metropole Sydney den Jahreswechsel am Dienstag mit einem Riesenfeuerwerk (14.00 Uhr MEZ) feiern. Mehr als 270.000 Menschen hatten in einer Petition gefordert, die umgerechnet vier Millionen Euro für die Veranstaltung lieber zur Unterstützung der freiwilligen Feuerwehren und betroffenen Landwirte zu spenden. Die Stadtverwaltung hat sich jedoch dafür ausgesprochen, das Feuerwerk stattfinden zu lassen. Mit der spektakulären Show begrüßt Sydney traditionell als eine der ersten Städte der Welt das neue Jahr. Das Event ziehe jährlich Millionen Besucher an und bringe der Wirtschaft des Bundesstaats New South Wales rund 130 Millionen Dollar ein, hieß es.

Nun will das Rote Kreuz während des Feuerwerks Geld für die erschöpften Rettungskräfte und jene Menschen sammeln, denen die Flammen fast alles genommen haben. In der Hauptstadt Canberra hat man das Silvesterfeuerwerk wegen der Brandgefahr abgesagt.

oka/dpa