Verheerende Buschfeuer Australiens Marine soll Eingeschlossenen helfen

Auch am Neujahrstag wüten die Buschfeuer in Australien, Tausende Menschen sind eingeschlossen, viele in höchster Gefahr. Nun soll ihnen das Militär mit Schiffen und Hubschraubern zu Hilfe kommen.
Feuer über Mallacoota, Victoria

Feuer über Mallacoota, Victoria

Foto: George Mills/Social Media via REUTERS

Die Buschbrände in Australien toben auch am ersten Tag des neuen Jahres mit unverminderter Heftigkeit weiter. Die Behörden haben ein neues Todesopfer der Buschbrände bestätigt. Es werde befürchtet, dass eine weitere Person ums Leben gekommen sei, vier Menschen würden vermisst und rund 200 Häuser seien ausgebrannt, gaben die Behörden am Mittwoch bekannt.

Die Leiche eines Mannes wurde am frühen Morgen in einem verbrannten Auto an der Südküste von New South Wales (NSW) gefunden, teilte der Polizeichef des Bundesstaates, Shane Fitzsimmons, mit. Er rechne damit, dass sich die Zahl der Opfer noch erhöhen werde. "Wir haben immer noch ernsthafte Bedenken hinsichtlich einer anderen Person", sagte Fitzsimmons Reportern in Sydney. Es gebe nur begrenzten Zugang zu dem abgelegenen Bereich, um den Status des 72-jährigen Mannes auf die eine oder andere Weise zu bestätigen.

Vom Feuer zerstörter Ort Cobargo in New South Wales

Vom Feuer zerstörter Ort Cobargo in New South Wales

Foto: SEAN DAVEY/EPA-EFE/REX

Im Bundesstaat Victoria werden nach Angaben von Premierminister Daniel Andrews in der Region Gippsland rund 500 Kilometer östlich von Melbourne vier Menschen vermisst. Etwa 4000 Menschen machten sich in der Stadt Mallacoota auf den Weg ans Wasser, nachdem Flammen den Fluchtweg über die Hauptstraße versperrten. Der Bewohner Mark Tregellas sagte, dass nur eine Änderung in der Windrichtung in letzter Minute Leben verschonte. "Das Feuer wurde immer größer und dann senkte sich das Schwarz um uns herum. Ich konnte die Hand vor Augen nicht sehen. Dann fing es an, rot zu leuchten und wir wussten, das Feuer kommt", sagte Tregellas der Nachrichtenagentur Reuters. "Asche und Glut regneten auf uns. Menschen brachten sich und ihre Kinder im seichten Wasser in Sicherheit. Glücklicherweise änderte sich die Windrichtung und das Feuer zog ab."

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Angesichts der noch immer gestrandeten Tausenden von Menschen wurde das Militär eingezogen, um die Versorgung sicherzustellen und bei Evakuierungen zu helfen. Die Regierung kündigte am Mittwoch an, mit Seelandungsbooten Nahrungsmittel und Wasser zu den Menschen zu bringen, die vor den Flammen an die Strände fliehen mussten. Die Hilfe soll am Donnerstag oder Freitag in den Küstenstädten der Staaten New South Wales und Victoria ankommen. Zudem sollen Menschen mithilfe von Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden.

Mehr als vier Millionen Hektar Land verwüstet

Auch Melbourne selbst, die zweitgrößte Stadt Australiens, wird inzwischen von den Buschbränden bedroht. Am Montag hatte die Feuerwehr rund 100.000 Bewohner von fünf Vororten der zweitgrößten Stadt des Landes aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. In Bundoora, nur rund 16 Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Melbourne, konnten Feuerwehrleute einen Buschbrand vorläufig zurückdrängen. Das Feuer ist nach Angaben der Einsatzkräfte aber weiterhin nicht unter Kontrolle. Fernsehbilder zeigten, wie Löschflugzeuge vorsorglich Wasserladungen über Wohngebieten niedergehen ließen.

Allein in New South Wales lodern noch mehr als einhundert Brände, Tausende Feuerwehrleute sind im Einsatz. Insgesamt gab es seit Ausbruch der Buschbrände im Oktober in ganz Australien zwölf Todesfälle, darunter drei freiwillige Feuerwehrleute. Der Fall des am Dienstag umgekommenen Feuerwehrmanns verdeutlicht die Zerstörungskraft der Flammen: Sein zwölf Tonnen schweres Löschfahrzeug wurde durch einen vom Feuer ausgelösten Tornado in die Höhe gerissen und krachte mit dem Dach voran zu Boden.

Die verheerenden Buschbrände haben seither mehr als vier Millionen Hektar zerstört, und täglich kommen durch extrem heiße, windige und trockene Bedingungen neue dazu. Am Dienstag stiegen die Temperaturen bis weit über 40 Grad. Die Feuer haben mittlerweile eine Größenordnung erreicht, in der sie selbst trockene Blitzeinschläge und Feuertornados auslösen können, was die Situation weiter verschärft.

oka/dpa/Reuters