Bootsflüchtlinge im Indischen Ozean Riskante Suche nach einem besseren Leben

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage ist im Indischen Ozean ein Flüchtlingsboot gesunken. Die Unglücke haben in Australien eine heftige Debatte neu entfacht: Wie soll das Land mit den illegalen Einwanderern umgehen?

REUTERS/ Network 7

Von Simone Utler


Hamburg - Muhammed Salman rief seinen Cousin an, als er auf dem Flüchtlingsboot angekommen war. Und wenige Stunden später noch einmal, als er um sein Leben fürchtete. Das Schiff sei überfüllt, und die Menschen hätten Angst, sagte der junge Mann, der mit mehr als 200 weiteren Flüchtlingen auf einem Boot von Indonesien nach Australien fahren wollte. "Jeder betet laut, dass wir sicher ankommen", soll Salman seinem in Australien lebendenden Cousin einem Bericht von "The Australien" zufolge noch gesagt haben.

Das war am Montag vor einer Woche. Drei Tage später wurde das Boot mit dem Kiel nach oben im Indischen Ozean gefunden, rund 22 Kilometer nördlich der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel. Dutzende Menschen hielten sich an dem Rumpf fest, 90 weitere wurden vermisst. Nach drei Tagen brachen die Helfer die Suche nach den Vermissten ab. Es gebe "keine weiteren Überlebenden", teilte das Amt für Seesicherheit (AMSA) mit.

"The Australian" hat mit Angehörigen gesprochen und erste Fotos bekommen. Es sind Passbilder und Privataufnahmen, die überwiegend junge Männer zeigen. Einer von ihnen ist Muhammed Salman. Während die Angehörigen dieser Vermissten noch auf Lebenszeichen hoffen, ist das nächste Flüchtlingsboot gesunken. Es war ebenfalls auf dem Weg nach Australien und wurde rund 200 Kilometer nördlich der Weihnachtsinsel entdeckt. An Bord waren rund 130 Menschen, 123 von ihnen konnten gerettet werden.

Opposition will Flüchtlinge internieren

Die beiden Vorfälle haben in Australien die Diskussion über den Umgang mit Flüchtlingen neu angestoßen. Vor allem Premierministerin Julia Gillard steht unter Druck. Schon seit längerem versucht sie, eine Lösung zu finden, doch die starke Opposition und eine Entscheidung des höchsten Gerichts verhinderten bisher, dass sie ihre Linie durchziehen kann. Am Mittwoch wurde das Thema im Parlament diskutiert.

In den vergangenen Jahren endeten zahlreiche Überfahrten tödlich. Südöstlich von Java war im vergangenen Dezember ein Schiff mit 250 Flüchtlingen gesunken. Es gab keine Überlebenden. Ein Jahr davor zerschellte vor der Weihnachtsinsel ein Flüchtlingsboot im Sturm. Dabei kamen mindestens 50 Menschen um.

Um das Thema in den Griff zu bekommen, schlossen Gillard und ihre Labor-Partei im vergangenen Juli mit Malaysia ein Abkommen über eine Art Austausch. Dieses sah vor, dass Australien 800 Bootsflüchtlinge nach Malaysia abschiebt. Im Gegenzug sollte es 4000 Menschen aufnehmen, die von Malaysia eindeutig als "echte" Flüchtlinge identifiziert wurden. Das Ganze sollte medienwirksam inszeniert werden, um weitere Flüchtlinge abzuschrecken. Das höchste Gericht Australiens erklärte das Abkommen mit Malaysia jedoch Ende August 2011 für illegal.

Die Opposition kritisiert, man dürfe Flüchtlinge nicht in Länder abschieben, die nicht die Uno-Flüchtlingskonvention unterzeichnet haben. Dazu gehören Malaysia und Indonesien. Der konservative Oppositionsführer Tony Abbott will die Flüchtlinge während des Asylverfahrens auf der kleinen abgelegenen Pazifikinsel Nauru internieren und restriktive temporäre Visa für Flüchtlinge einführen.

Derzeit debattieren Parlament und Senat eine Gesetzesvorlage, die einen Kompromiss vorsieht: die Malaysia-Lösung und eine Internierung auf Nauru. Am Mittwoch warb Gillard um Zustimmung: "Wir sind an der Schwelle, endlich die Gesetze zu bekommen, die wir brauchen."

Allein 2012 schon 4000 Bootsflüchtlinge

Flüchtlingspolitik und Grenzschutz sind hochsensible Themen in Australien - obwohl die Zahl der Menschen, die dort Asyl suchen, im Vergleich zu anderen Regionen der Welt sehr niedrig ist. Der Uno-Flüchtlingskommission zufolge wurden in Australien im Jahr 2011 ungefähr 11.800 Asylanträge gestellt. Weltweit waren es 441.000, von denen allein 327.000 in Europa gestellt wurden.

Der australischen Regierung bereitet vor allem die hohe Zahl der Bootsflüchtlinge Probleme. Tausende Menschen versuchen jedes Jahr, über See illegal nach Australien zu gelangen. Allein in diesem Jahr registrierten die Behörden mehr als 50 Boote mit insgesamt gut 4000 Flüchtlingen.

Viele der Flüchtlinge kommen aus Iran, Irak oder Afghanistan. Menschenschmuggler bringen sie zunächst nach Indonesien, Malaysia und in jüngster Zeit auch nach Sri Lanka, wo sie an Bord gehen. Die Schiffe sind oft nur notdürftig ausgerüstet, teils kaum seetüchtig.

Anwältin Pamela Curr, die sich für die Interessen der Flüchtlinge einsetzt, berichtete laut "The Australian" von schrecklichen Bedingungen an Bord des Schiffs, das in der vergangenen Woche gesunken war. Die Menschen seien krank gewesen, Essen sei über Bord gespült worden. Ihr sei berichtet worden, dass zwei der vier indonesischen Crewmitglieder das Flüchtlingsboot verließen, als man in internationale Gewässer kam. Die beiden seien mit einem anderen Boot wieder nach Indonesien zurückgefahren, so Curr.

mit Material von AP



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Seite 1
herbert 28.06.2012
1. wieso sind Bootsflüchtline Einwanderer?
Zitat von sysopREUTERS/ Network 7Zum zweiten Mal binnen weniger Tage ist im Indischen Ozean ein Flüchtlingsboot gesunken. Die Unglücke haben in Australien eine heftige Debatte neu entfacht: Wie soll das Land mit den Einwanderern umgehen? http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,841307,00.html
eine völlig falsche Darstellung ! Ob nun die Bootsflüchtlinge, die in Italien oder über die grüne Grenze in Griechenland oder nach Australien kommen, es ist schlicht nicht legal! Diese sogenannten Flüchtlinge bezahlen eine große Summe an Schlepper mit dem Gedanken in der EU oder hier Australien wirtschaftlich unterzukommen. Es ist schon interessant, dass diese Bootflüchtlinge in Italien nichjt bleiben wollen und direkt nach Deutschland durchgereicht werden möchten. Warum? Es hat sich weltweit herumgesprochen, dass Deutschland seine Sozialgesetze sehr grosszügig sind. Somit bekommen diese Menschen hier ein Luxus serviert im Gegensatz zu ihrer Heimat. Keine Frage, es gibt politische Flüchtlinge, die man aufnehmen muss. Doch hier sind es Wirtschaftsflüchtline und die müssen im eigenen Land ihre Wirtschaft aufbauen und nicht in der EU oder Australien. Die GRÜNEN haben ja die Macke, sie wollen alle diese Flüchtlinge aufnehmen und versorgen. Wie daneben diese Politik ist würde sich dann so zeigen, dass es wie ein Lauffeuer in Afrika sich herumsprechen wird und der Zuwanderstrom gigantisch wird. Mit anderen Worten, wir können nicht Kalkutta nach Deutschland verlagern. Hilfe im eigenen Land und dies mit einem anderen Entwicklungsminister wie den Niebel, dass ist der Weg. Sei noch gesagt, dass der Drogenmarkt in Hamburg voll in schwarzer Hand ist. Wollen wir das ?
holyfetzer86 28.06.2012
2. Post
Die Ursachen der illegalen Ströme von Wirtschaftsmigranten müssen in den Heimatländern gelöst werden. Es ist für Regierungen weder Pflicht noch Auftrag seitens der Wähler anderweitig zu behandeln. Und die massenhafte Aufnahme von Wirtschaftsflüchtlingen löst keine Probleme, sondern schafft nur neue. Somit ist Abschreckung die einzig logische Wahl, um dem als betroffenes Land entgegenzuwirken. Es bekämpft nicht unbedingt die Ursache, aber es hilft bei der Vermeidung neuer Konflikte in den wohlhabenden Zielländern der Wirtschaftsflüchtlinge. Ein Land das seine Schleusen öffnet riskiert zwangsläufig die Existenz seiner Sozialsysteme, dessen Funktionalität diesen Faktor nicht einschließt.
smith1 28.06.2012
3. Man kenn den Australiern nur gratulieren..
... für ihre Flüchtlingspolitik, wahrscheinlich haben sie gründlich die Verhältnisse in Europa studiert, wo Schul- und Sozialsysteme durch integrationsunwillige, ungebildete, meist moslemische Zuwanderung ruiniert werden. So blöd, das nachmachen zu wollen, kann man gar nicht sein.
HerrvonSchmidt 28.06.2012
4. Wirtschaftsflüchtlinge
Es ist erstaunlich mit welcher "Frechheit" moslemische Flüchtlinge, die in ihren Ländern den andersdenkenden Menschen KEINE Rechte einräumen, ja sogar unterdrücken, plötzlich von genau diesen Menschen Asyl und finanzielle Unterstützung verlangen. Einmal ins Land gelassen, werden sich diese Asylanten keinesfalls integrieren, sondern sofort versuchen ihre Kultur den Einheimischen aufzuzwingen.
xees-s 28.06.2012
5. Doppeltes Dillema
Das schlimme an der Sache ist ja auch, dass hier meist junge Leute ohne Perspektive im eigenen Lande mit viel Elan aus dem Land flüchten wollen für ein besseres Leben. Kann man niemanden verdenken. Nur wenn diese Leute mit dem gleichem Elan im eigenen Land agieren könnten weil sie eine Zukunft hätte ohne politische Verfolgung und wirtschaftlicher Besserung, hätten diese Länder ein Wirtschaftswunder wie wir nach dem Krieg. Zu dumm dass die Assads oder Warlords wie auch Taliban in diesen Ländern das nicht sehen wollen. Entweder weil sie Ideologisch verbohrt sind oder eine Machtausübung nicht hergeben wollen. Schickt nicht nur Soldaten in diese Ländern, sondern macht richtige Entwicklungshilfe wie in Deutschland nach dem Krieg!
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