Ausverkauf im Wilden Westen Goodbye, Ponderosa!

Sie ist der Inbegriff amerikanischer Wildwest-Romantik und war über Jahrzehnte in den Wohnzimmern von Millionen Fernsehzuschauern präsent: Die Ponderosa-Ranch, trautes Heim der frauenlosen Familie Cartwright, ist nicht mehr. Der Originaldrehort der Kultserie "Bonanza" schloss vor wenigen Tagen für immer seine Pforten.


Unvergessen: Lorne Greene, alias Ben Cartwright, zeigt seinen Jungs, wo das Lasso hängt
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Unvergessen: Lorne Greene, alias Ben Cartwright, zeigt seinen Jungs, wo das Lasso hängt

Incline Village, Nevada - Schwermut macht sich breit unter den Fans von Ben, Adam, Hoss und Little Joe: Die Ponderosa Ranch, idyllisch an den Ufern des Lake Tahoe in der Sierra Nevada gelegen, geht in die ewigen Jagdgründe ein. Der Wildwest-Themenpark, in dem die TV-Kultserie "Bonanza" einst gefilmt wurde, ist jetzt geschlossen worden.

David Duffield, milliardenschwerer Gründer der Software-Firma PeopleSoft, hatte sich die Kaufrechte an dem 230 Hektar großen Gelände gesichert und hofft nun, schon Ende September den Vertrag unterschreiben zu können. Was der in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ranch lebende Finanzier mit dem nostalgischen Kleinod vorhat, ist zurzeit noch vollkommen unklar.

Die Serie "Bonanza", welche der US-Fernsehsender NBC von 1959 bis 1973 ausstrahlte, ist legendär: Bis heute haben über 280 Millionen Menschen in 30 Ländern die Abenteuer des aufrechten Wildwest-Helden Ben Cartwright und seiner Söhne Hoss, Adam und Little Joe am Bildschirm verfolgt. 430 Episoden wurden in insgesamt zwölf Sprachen übersetzt und traten einen beispiellosen Siegeszug über die Mattscheiben der ganzen Welt an.

Noch heute wird die Kult-Serie auf verschiedenen Kabelkanälen gezeigt. Viele 30- bis 40-Jährige erinnern sich mit einem Lächeln an die traditionelle "Bonanza"-Eingangssequenz: Da fraß sich eine nimmersatte Flamme durch die sepiafarbene Landkarte des Ponderosa-Geländes, untermalt von dem an wilden Galopp mahnenden Titelsong. Die tapferen Cartwrights ritten der Reihe nach in Richtung Kamera und strahlten ihre Zuschauer an. Und spätestens in der Mitte des Films jagte Ponderosa-Koch Hop Sing den stets hungrigen Hoss aus seiner Küche, weil er ihm etwas aus dem Topf gestohlen hatte.

Der an der Grenze Nevadas zu Kalifornien gelegene Themenpark lockte bis zuletzt rund 300.000 Besucher im Jahr mit Einblicken in die Cowboy-Kultur und das Wohnzimmer von Big Boss Ben. Vor allem deutsche und britische Touristen nahmen den langen Weg in den Wilden Westen auf sich, um einen Drink im Silver Dollar Saloon zu nehmen und sich hemmungslos der Vergangenheit hinzugeben: "Ich erkenne das Haus wieder, den Kamin, das Esszimmer, Cartwrights Büro und die Küche", erzählt Oliver Barmann, 38, aus Hessen, der die Ranch eine Woche vor Schließung des Themenparks besuchte. "Es ist ein Jammer, dass die Ponderosa geschlossen wird", bedauert seine Frau Silvia.

Das Anwesen war in den späten sechziger Jahren zu einem Themenpark umgebaut worden, nachdem immer mehr Fernsehzuschauer wissen wollten, wo die Cartwrights eigentlich lebten. "Hollywood brauchte Pferde, Kutschen und Ställe", resümiert Noch-Besitzer David Geddes, der die Ranch von seinem Schwiegervater übernahm. Letzterer habe damals ein Joint Venture mit NBC gegründet und das Haus und die Scheune bauen lassen, in der die Mehrzahl der Serien gedreht wurde. Auch die Fernsehfilme "Bonanza - die Rückkehr" und "Bonanza - Angriff auf die Ponderosa" aus den neunziger Jahren wurden hier aufgenommen.

Von den durch ihre Rollen international berühmt gewordenen Darstellern lebt nur noch Pernell Roberts, der den ältesten Cartwright-Sohn Adam spielte. Lorne Greene ("Kampfstern Galactica") starb am 11. September 1987, der gewichtige Dan Blocker, alias Hoss, erlag im Alter von 43 Jahren im Mai 1972 unerwartet einer Lungenembolie. Der als Little Joe besonders beliebte Michael Landon verstarb am 1. Juli 1991 an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Annette Langer



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