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INTERNET Ausweise, ganz billig

aus DER SPIEGEL 43/2001

Es war eine gute Idee. Einen Online-Shop im Internet aufmachen und behaupten, der Shop verkaufe gefälschte Führerscheine, Ausweise und College-Diplome für rund 100 Dollar das Stück. Dann die Bestellungen entgegennehmen, das Geld einsammeln und nie gefälschte Führerscheine, Ausweise oder Diplome verschicken. Beschweren würden sich die Betrogenen nicht. Denn was sollten sie tun? Zur Polizei gehen, Anzeige erstatten und sagen, ich bin betrogen worden, als ich mir einen gefälschten Führerschein besorgen wollte? So sah sie aus, die Idee von Anthony W. aus Atlanta, Georgia, und sie funktionierte. In sechs Monaten verdiente W. 170 000 Dollar und besaß schließlich vier Online-Shops mit den Namen »fake-id.org«, »id-2000.net«, »false-id.net« und »identification-cards.com«, die alle darauf hinwiesen, dass die Fälschungen natürlich nur als Party-Gag gedacht seien. Und wahrscheinlich wäre sein Geschäft noch heute profitabel, hätte er diese Idee allein gehabt. Aber es gab andere, die darauf kamen und ähnlich erfolgreich waren, und deshalb beschäftigte sich vor einiger Zeit der US-Kongress mit dem Problem. Die Polizei ermittelte und fand heraus, dass W. rund 2000 Personen betrogen hatte. Man stellte ihn vor Gericht, er gestand und sitzt zurzeit eine Gefängnisstrafe von 21 Monaten wegen Betrugs ab - weil er kassiert, aber nicht geliefert hat.

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