Autounfall Familie verliert sieben Kinder

Die Menschen in der Kleinstadt Lake Butler im US-Bundesstaat Florida sind erschüttert: Bei einem Unfall sind sieben Kinder einer Familie in ihrem Auto zerquetscht worden. Am Steuer saß ein 15-jähriges Mädchen.


Lake Butler - Der erste Schultag sollte für Ashley, 14, und Miranda, 10, der letzte sein. Gestern Nachmittag um kurz nach 15 Uhr starben sie auf einer Landstraße in einem grünen Pontiac. Mit ihnen im Auto saßen Elizabeth, 15, Johnny, 13, Heaven, 3, und der knapp eineinhalbjährige Anthony. Auch sie kamen ums Leben, ebenso wie die Fahrerin der Wagens, die 15 Jahre alte Cynthia Nicole.

Unfallstelle aus der Luft: Vom Wagen blieben nur Trümmer
AP/ The Gainesville Sun

Unfallstelle aus der Luft: Vom Wagen blieben nur Trümmer

Eigentlich hätte Cynthia gar nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen fahren dürfen, sie hatte nach Angaben ihrer Familie nur eine Übungsfahrerlaubnis. Doch selbst wenn ein Volljähriger mit im Auto gesessen hätte, hätte das an der Tragödie nichts geändert - das jedenfalls glaubt eine Hinterbliebene. "Wir hätten nur noch ein weiteres Todesopfer in der Familie zu beklagen gehabt", zitiert sie der US-Nachrichtensender CNN. Warum der Teenager ohne Erwachsenenbegleitung unterwegs war, dazu äußerte sich die Frau nicht.

Wie es zu dem Unfall gekommen ist, steht noch nicht endgültig fest. Verursacher ist den bisherigen Ermittlungen zufolge der Fahrer eines Lastwagens, der Wasserflaschen geladen hatte. Nach Angaben der Zeitung "Orlando Sentinel" ist der Mann 31 Jahre alt. Die Fahrzeuge waren auf der Landstraße einige Kilometer südlich der 2000-Seelen-Gemeinde Lake Butler unterwegs.

Aus Zeugenaussagen geht hervor, dass Cynthia den Wagen abbremste, als vor ihr ein Schulbus auf der Straße hielt, um einige Kinder aussteigen zu lassen. Der Bus hatte Warnblinklicht und Haltesignale angeschaltet. Von hinten näherte sich der Wasserflaschenlaster und raste ungebremst in die beiden stehenden Wagen. Zeugen berichten von einem furchtbaren Knall, der Pontiac wurde mit voller Wucht in den Schulbus gedrückt, wie eine Ziehharmonika gefaltet und ging in Flammen auf. Der Bus schleuderte durch den Aufprall mehr als 50 Meter nach vorn. Die Polizei untersucht nun, warum der Laster nicht gebremst hat. Der Fahrer wurde leicht verletzt.

Die ersten Helfer, die am Unfallort eintrafen, berichteten dem "Sentinel" später, sie hätten zunächst das zerquetschte Wrack des Autos gar nicht als drittes Unfallfahrzeug erkannt: Sie sahen nur Trümmer, Flammen und verbogenes Metall. Erst später entdeckten sie die sieben Insassen des Autos. Sie waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Acht weitere Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer. Sieben Verletzte sind Kinder zwischen fünf und 16 Jahren; sie hatten in dem Schulbus gesessen.

Ashley und Miranda waren nach Angaben eines Polizeisprechers Schwestern. Sie waren mit ihrer Mutter gerade erst in die Gegend gezogen und hatten ihren ersten Schultag hinter sich. Die übrigen Kinder im Auto waren Adoptivgeschwister. Die Tante von Ahsley und Miranda hatte sie adoptiert. Alle lebten zusammen in einem Haushalt. Sie hatten, so berichtet eine Angehörige, kurz vor dem Unfall ein anderes Kind zu Hause abgesetzt und waren auf dem Heimweg. Die Familie wollte gemeinsam in die Kirche gehen, sagte die Frau. Doch dann kam die Nachricht, was um kurz nach 15 Uhr auf der Landstraße geschehen war.



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