Frankfurter Abzockeraffäre Präsidium des Awo-Kreisverbands tritt zurück

Überhöhte Gehälter, teure Dienstwagen: Seit Wochen steht die Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt am Main in der Kritik. Nun ist das Präsidium geschlossen zurückgetreten.
Frankfurts OB Peter Feldmann (SPD) mit Ehefrau Zübeyde: "Maß und Mitte verloren"

Frankfurts OB Peter Feldmann (SPD) mit Ehefrau Zübeyde: "Maß und Mitte verloren"

Foto: Andreas Arnold/ DPA

In der Affäre um überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen bei der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist nun das komplette Präsidium des Kreisverbands mit dem Awo-Vorsitzenden und SPD-Politiker Ansgar Dittmar (SPD) und seinen drei Stellvertretern zurückgetreten. "Ab sofort kann und muss die Awo Frankfurt reorganisiert werden. Wir haben die Weichen gestellt", hieß es in einer Mitteilung. Ein neues Präsidium soll am 18. Januar 2020 für eine Übergangszeit bis Ende nächsten Jahres gewählt werden.

"Zweifelsohne sind im Kreisverband Frankfurt Fehler gemacht worden", hieß es. "Nach allem, was wir bis jetzt wissen, haben einzelne Personen, denen wir in der Vergangenheit vertrauten, wohl Maß und Mitte verloren." An den Bundesvorstand appellierte der Kreisverband, "kollegial und solidarisch die erforderlichen Prüfungen und Veränderungen zu unterstützen". Und: "Die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit muss unser gemeinsames Ziel sein."

Die Prüfer waren entsetzt

Der Frankfurter Awo-Kreisverband steht seit Wochen in der Kritik. Es laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Betruges und der Untreue mit Geldern der Stadt.

Mehr zu den Vorwürfen lesen Sie hier: Die Arbeiterwohlfahrt als Selbstbedienungsladen 

Der Awo-Bundesvorstand hatte Anfang dieser Woche mit einer Prüfung des Frankfurter Kreisverbandes und des Schwester-Kreisverbandes in Wiesbaden begonnen. Die Prüfer hatten sich entsetzt über die bisher vorgelegten Zahlen gezeigt und moniert, bislang nur einen Teil der Akten von der Frankfurter Awo-Gliederung bekommen zu haben. Zudem hatte der Bundesverband mehrfach auf personelle Konsequenzen in Frankfurt gedrängt.

Feldmann will zu hoch angesetzte Bezüge seiner Frau zurückzahlen

Für Kritik sorgen unter anderem Informationen über Luxus-Dienstwagen, teure Hotelübernachtungen, zahlreiche intransparente Geschäftsvorgänge, Sondervergünstigungen sowie ungewöhnlich hohe Brutto-Entlohnungen und Honorare von mehr als 300.000 Euro für leitende Mitarbeiter.

Der langjährige Frankfurter Geschäftsführer Jürgen Richter war bereits am Donnerstag vergangener Woche zurückgetreten. Er hatte betont, sein Rücktritt sei "kein Schuldanerkenntnis". Auch der Vorsitzende des Wiesbadener Kreisverbands trat nach Bekanntwerden der Vorwürfe zurück. Ebenso die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Uli Nissen, die ehrenamtliche Revisorin der Frankfurter Awo war.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), dessen Ehefrau durch überhöhte Gehaltszahlungen und einen Dienstwagen in Elternzeit von der Frankfurter Awo begünstigt worden sein soll, will nach eigenen Angaben zu hoch angesetzte Bezüge seiner Frau zurückzahlen. Auch Feldmann selbst hatte, bevor er Oberbürgermeister wurde, für die Awo in Frankfurt gearbeitet. Ein gut bezahlter Posten wurde extra für ihn eingerichtet und nach seiner Wahl zum Rathauschef nicht wieder besetzt. Feldmann räumte ein, Einrichtungen des Verbands für zahlreiche politische Termine genutzt zu haben.

mab/dpa