Bärenkadaver Streit um Brunos Auslieferung

Italien will Bruno zurück. Zwischen Italien und Bayern ist ein Streit um das Fell des vor einer Woche erlegten Bären entfacht. Im Umweltministerium in München gibt man sich jedoch gelassen. Inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft Ermittlungen zum Tode Brunos.


München/Rom - Bislang sei ein Antrag auf Auslieferung des Bärenfells nicht eingegangen, sagte Roland Eichhorn, Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, heute in München. Sollte er eintreffen, werde er geprüft und beantwortet. Bevor dies den Behörden in Rom mitgeteilt werde, gebe es im Ministerium keine Auskunft dazu. Bruno war aus Norditalien über Österreich nach Bayern eingewandert und dort am vergangenen Montag nach langer Streunerei von Jägern erschossen worden.

Bei der Staatsanwaltschaft München sind mittlerweile bereits mehr als 50 Strafanzeigen eingegangen. Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Rüdiger Hödl ist noch keine Entscheidung gefallen, ob die Behörde offizielle Ermittlungen aufnimmt. Die Prüfung der Anzeigen auf einen Anfangsverdacht werde "frühestens Ende der Woche" beendet sein, sagte Hödl.

Die meisten Anzeigen richteten sich gegen Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU), Mitarbeiter seines Ministeriums und die drei Jäger, die Bruno abgeschossen haben. Deren Identität wird aber weiterhin von den Behörden geheim gehalten. Das Raubtier war in der Nähe des Spitzingsees nach mehreren Einfangversuchen getötet worden.

Italiens Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio wolle noch heute seinen deutschen Kollegen formell ersuchen, den toten Bären nach Italien zu transportieren, berichtete die deutschsprachige Station des TV-Senders RAI in Bozen. Bruno alias JJ1 war im Südtiroler Naturpark Adamello Brenta geboren worden und zwei Jahre mit seinem Zwillingsbruder bei der Mutter "Jurka" aufgewachsen.

Nach den Plänen des bayerischen Umweltministeriums soll der tote Bär ausgestopft und im Museum "Mensch und Natur" am Schloss Nymphenburg ausgestellt werden. Dagegen hatte der italienische Umweltminister protestiert. Scanio argumentierte, der Bär stehe unter Artenschutz und hätte betäubt und nach Italien transportiert werden können. Der Sprecher des Ministers, Giovanni Nani, sagte gestern, es gehe nicht um den Anspruch auf eine Jagdtrophäe, sondern darum, auf den Fehler aufmerksam zu machen, der mit dem Erlegen des Bären geschehen sei.

dab/ddp/dpa/AP



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