Bahnunfall in Peine Unglückszug soll bereits vor Kollision defekt gewesen sein

Die Ursache für die Kollision zweier Züge in Peine soll ein technischer Defekt am Güterzug gewesen sein. Doch obwohl es bereits in Braunschweig eine Fehlermeldung gegeben haben soll, fuhr der Lokführer bis Peine weiter.

dpa

Hannover/Peine - Schon bevor sein Güterzug mit einem Regionalexpress kollidierte, soll der Lokführer von einem möglichen Defekt gewusst haben. Er habe "von der Bahn eine Fehlermeldung erhalten und den Güterzug in Braunschweig für eine visuelle Kontrolle gestoppt", teilte der Geschäftsführer der Mittelweserbahn, Hans-Peter Kempf, mit.

Der Mann habe daraufhin bei einem Gang entlang des Zuges nach Fehlern gesucht, ihm sei aber nichts aufgefallen. Der Güterzug fuhr weiter, bei seiner Durchfahrt im Bahnhof Peine hätten Bahnmitarbeiter aber erneut Probleme bemerkt, sagte Ralph Fischer, Sprecher der Bonner Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle. Die Arbeiter erteilten dem Lokführer demnach einen Haltebefehl.

Der Zug bremste ab, mehrere Kilometer hinter dem Bahnhof riss er dabei in zwei Teile. Sieben der 50 Waggons entgleisten und gerieten in den Bereich des Gegengleises. In diesem Moment kam der doppelstöckige Regionalexpress aus der anderen Richtung und fuhr in den verunglückten Güterzug hinein.

Die Mittelweserbahn, die mit dem Güterzug Materialien transportierte, will aber nicht die alleinige Verantwortung für den Unfall übernehmen. Die Waggons seien von einer niederländischen Firma gemietet worden, als Mieter habe die Mittelweserbahn "nur die Verantwortung für die kleine laufende Wartung", sagte Geschäftsführer Kempf.

Strecke bleibt weiter gesperrt

Hauptverantwortlich für den Zustand der Waggons sei aber der Eigentümer. Wer für den Millionenschaden hafte, sei erst nach Abschluss der Ermittlungen zu sagen.

Die Aufräumarbeiten an der Unfallstelle werden währenddessen mit zwei großen Kränen fortgesetzt. Ein Schienenkran hat nach Angaben der Bahn nach und nach die entgleisten und zerstörten Waggons von der Strecke gehievt. Der zweite Kran soll später die umgekippte Lok und die entgleisten Wagen des Personenzugs anheben.

Die Bahnstrecke von Hannover nach Braunschweig bleibt in Peine weiterhin unterbrochen. Die Reparatur werde voraussichtlich bis Dienstag dauern, bis dahin würden IC-Züge weiter über Wolfsburg umgeleitet, sagte ein Bahnsprecher. Die Bahn setzt außerdem Ersatzzüge zwischen Hämelerwald und Hannover sowie Busse zwischen Hämelerwald und Peine ein.

Der Ost-West-Verkehr der Bahn wurde zusätzlich behindert, weil im Havelland in der Nacht zu Freitag Oberleitungen gestohlen worden waren. Unbekannte hatten auf 800 Metern Länge Metallleitungen gestohlen. Der Fernverkehr kann dort nur ein Gleis nutzen.

tro/dpa/apn



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