Balanceakt Wenn sich Politiker neu verlieben

Roman Herzog und Alexandra von Berlichingen, Theo Waigel und Irene Epple, Rudolf Scharping und Gräfin Pilati-Borggreve - sie alle haben ein Problem: die Balance zwischen Vermarktung, Eitelkeit und reinem Privatleben zu finden.


Roman Herzog und Alexandra von Berlichingen
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Roman Herzog und Alexandra von Berlichingen

Hamburg - Auch Politiker haben ein Privatleben. Sagen zumindest ihre Sprecher. "Dies ist reine Privatsache des Bundespräsidenten a.D.", hieß es am Mittwoch über die Hochzeitspläne von Roman Herzog. Indiskretionen und Gerüchte hätten Herzog und Alexandra Freifrau von Berlichingen dazu gebracht, der Regionalzeitung "Heilbronner Stimme" jetzt von ihrer Beziehung zu erzählen. Mehr soll die Öffentlichkeit angeblich nicht erfahren - wenig später war aber zu hören, es gebe einen Vertrag mit einer Münchner Illustrierten.

Und so könnte auch die Beziehung von Herzog und der Freifrau ein Beispiel von medialer Inszenierung des Privaten werden. Wenn Politiker sich neu verlieben, ist das auch eine Chance, es menscheln zu lassen. Das kam schon seinerzeit CSU-Bundesfinanzminister Theo Waigel zugute, der 1994 die 18 Jahre jüngere Ex-Skifahrerin Irene Epple heiratete und so die öffentliche Schlammschlacht nach der Trennung von Ehefrau Karin hinter sich ließ. "Ich bin glücklich, ich bin nicht mehr allein", ließ der damals 55-Jährige die Öffentlichkeit wissen.

Auch SPD-Verteidigungsminister Rudolf Scharping und Kristina Gräfin Pilati-Borggreve trennten sich von ihren Partnern und erzählten es im vergangenen Jahr allen: "Ja, wir lieben uns." Sie sagte über den als dröge geltenden SPD-Politiker: "Er ist spontan und witzig." Die beiden Verliebten avancierten zu einem Paar mit einem gewissen Glamour-Faktor.

Rudolf Scharping und Kristina Pilati-Borggreve
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Rudolf Scharping und Kristina Pilati-Borggreve

Wie wichtig das öffentliche Bild der Beziehung mit der neuen Partnerin ist, haben auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine vierte Ehefrau, Doris Schröder-Köpf, längst erkannt. Als politisches Team sind die beiden von bemerkenswerter Professionalität. Schröder-Köpf gilt nicht nur als treusorgende Mutter und Ehefrau, sondern auch als wichtige politische Sympathieträgerin an der Seite des Kanzlers.

Schon gleich nach der überraschenden Trennung von Ehefrau "Hillu" im Jahr 1996 war Schröder in die Offensive gegangen und sagte über seine Doris: "Ich stehe zu ihr. Das war keine Affäre, das ist eine ernsthafte Beziehung." 1997 gelang es dem SPD-Politiker und der Journalistin, heimlich zu heiraten. Selbst enge politische Freunde hatten von der Trauung nur aus dem Radio und der Zeitung erfahren.

Auch der Dritte aus der ehemaligen SPD-Troika, Oskar Lafontaine, schaffte es, von den Medien unbemerkt zu heiraten. Mittlerweile weiß die Öffentlichkeit, dass er mit seiner dritten Ehefrau, Christa Müller, gerne im Wald Pilze suchen geht, manchmal nachts Spaghetti kocht und dass sie gemeinsam ein 352 Seiten dickes Buch über Globalisierung verfasst haben.

Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf
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Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf

Über das Privatleben von Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und seiner 22 Jahre jüngeren vierten Ehefrau, der Journalistin Nicola Jeske, ist indes wenig zu hören. Bei seiner "heimlichen" Hochzeit im April 1999 warf er den wartenden Fotografen "Dämlichkeit" vor. Noch grantiger wurde Fischer, als im April 2001 wieder einmal Trennungsgerüchte kursierten. "Täglich lese ich diesen Müll über mich, über uns. Ich finde das alles nur zum Kotzen. Entschuldigen sie dieses harte Wort."

Von Caroline Bock, dpa



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